Manfred Söhner (Hrsg.)

Faszination Baden-Baden

Text- und Bildband, 112 Seiten, über 150 teilweise großformatige Fotos, durchgehend vierfarbig, Hardcover gebunden, Format 22 x 30 cm, ISBN 978-3-937978-02-4, 24,80 Euro.

Im Buchhandel

Baden-Baden ist ein Mythos, eine Oase für Körper, Geist und Seele – ein Ort, an dem Leichtigkeit und Lebensfreude den Rhythmus bestimmen. Fotografen und Autoren, die die Stadt seit vielen Jahren kennen und lieben, haben in diesem Bildband den einzigartigen Charakter und den unverwechselbaren Charme Baden-Badens in Wort und Bild eingefangen – für alle, die die lebendigen Eindrücke der „Faszination Baden-Baden“ mit in ihren Alltag nehmen möchten.

Loni Skulima

Nächstes Jahr in Baden-Baden oder Die Vorkosterin

broschiert, 284 Seiten, Format 12,5 x 19,5 cm, ISBN 978-3-937978-38-3, 14,80 Euro

Im Buchhandel

Das Alter auf Probe: Ebenso heiter wie nachdenklich berichtet die Erzählerin, wie sie mit ihrer auf kurze Zeit anberaumten Eingliederung in eine Lebensgemeinschaft des betreuten Alters fertig wird. Sie könnte jederzeit weg, wenn sie wollte. Aber der neue Zufluchtsort hält sie magisch fest. Und dabei wird ihr ganz langsam bewusst, dass eines Tages kein Entrinnen mehr möglich sein wird... Und das ungewohnte Milieu inspiriert die Neue.

Ein großes Buch über das Altern und den Luxus der Langsamkeit, eine bewegende Lektüre für alle Generationen.

„Ein eindringliches Buch über das Altern. Kein unbeschwertes Buch, aber eins, das Mut macht.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jaap van Stern

Red Snow

AQUENSIS Thriller, broschiert, 224 Seiten, Format 12,5 x 19,5 cm, ISBN 978-3-937978-35-2, 9,80 Euro

Im Buchhandel

Ruth Chandler überfährt mitten in der Nacht in den verschneiten Rocky Mountains ein junges Mädchen, das die Straße entlang läuft. Ruth kann aber den durch den Aufprall zur Seite geschleuderten Körper des Kindes im winterlichen Wald nicht finden - und setzt ihre Fahrt fort. Als sie einige Tage später in einem Linienbus in Vancouver genau dieses Mädchen wieder sieht, glaubt sie zunächst an eine Sinnestäuschung...

Was wie ein realistischer Roman beginnt, gerät mehr und mehr in die trübe Zone zwischen Erleben, Ahnen und Phantasieren. Die oberflächliche kanadische Welt der Werbeslogans, der Automarken und der Alltagsrituale beginnt plötzlich ihre gespenstische Kehrseite zu zeigen.

„...ebenso spannend wie sprachlich hervorragend. Ein Buch, das man nach einem überraschenden Ende gleich von vorne zu lesen beginnt."

LEO – Die Rheinpfalz

Baden-Baden und mehr im Internet: www.baden-baden-shop.de


Heinz Siebeneicher

Leben ist kein Wunschkonzert

Erinnerungen eines Radio-Urgesteins –
viel mehr als „Vom Telefon zum Mikrofon“
und „Fröhlicher Alltag“.

AQUENSIS
Menschen

Impressum

Heinz Siebeneicher: Leben ist kein Wunschkonzert

Copyright by AQUENSIS Verlag Pressebüro Baden-Baden GmbH 2009

1. digitale Auflage 2013 Zeilenwert GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Jede Verbreitung, auch durch Film, Funk, Fernsehen, photomechanische Wiedergabe jeder Art, elektronische Daten, im Internet, auszugsweiser Nachruck oder Einspeicherung und Rückgewinnung in Datenverarbeitungsunterlagen aller Art ist verboten.

ISBN 9783954570140

www.aquensis-verlag.de

www.baden-baden-shop.de

In diesem Buch...

...berichtet Heinz Siebeneicher über sein Leben, das nicht immer ein Wunschkonzert war, über seine Kindheit im Berlin der Kriegs- und Nachkriegsjahre, zwischen Ost und West, über seinen Beruf bei der Post und über seine Berufung, über Träume, Sehnsüchte und Realitäten. Er erzählt von seinem Weg zum und im Rundfunk, er schreibt über Fernsehen, Fans, Chefs und über Kolleginnen und Kollegen, und er berichtet von einem Leben zwischen Nachrichten und „gefährlichen Moderationen“, zwischen lockeren Sprüchen und Intrigen. Dazu plaudert er über öffentliche Auftritte sowie bekannte und beliebten Sendungen – unter anderem „Vom Telefon zum Mikrofon“, „Wunschkonzert“ oder „Fröhlicher Alltag“. Aber in diesem Buch lernt der Leser nicht nur das „Radio-Urgestein“ kennen, sondern auch die innersten Gedanken und die tiefsten Gefühle des Menschen Heinz Siebeneicher, nachdem das Kamera-Rotlicht erloschen und das Mikrofon aus ist.

Zeit für Kaffee und Kuchen. Die Terrasse des Kurhauses in Baden-Baden ist gut besucht. Heinz Siebeneicher ist mit dem Fahrrad unterwegs und wie immer sehr pünktlich, keine Spur von Überheblichkeit oder Allüren. Ein Gast wie jeder andere. Beinahe jedenfalls, wie sich gleich herausstellen wird.

Denn kaum hat er Platz genommen in einer ruhigen Ecke der Terrasse ist er, der personifizierte „Fröhliche Alltag“ im Radio-Programm von SWR 4 und im Südwest-Fernsehen, von allen gefangen genommen.

Da ist zunächst das freundliche Geplauder mit der Bedienung, die in vertraulich-freundlichem Ton nach seinen Wünschen fragt, die letzten, unsichtbaren Krümel von der Tischdecke wischt, das kleine Gläser-Arrangement zurecht rückt und Siebeneichers gestrige Sendung als „wirklich schön und mit so toller Musik“ beurteilt. Der Moderator bedankt sich artig, charmant und macht ihr überdies ein Kompliment: „Wie adrett sie heute wieder aussieht“, sagt er wie vertraulich zu seinem Gegenüber und doch gezielt für die Ohren der Bedienung bestimmt. „Ach Herr Siebeneicher...“, seufzt die Dame, freut sich bis hin zum leichten Erröten über diese persönliche Bemerkung aus berühmtem Mund und eilt in die Küche.

Da eilt schon die Restaurant-Chefin herbei, wischt unbarmherzig die allerletzten, unsichtbaren Krümel von der Tischdecke, rückt das kleine Gläser-Arrangement noch mehr zurecht, glättet eine unsichtbare Falte in der Tischdecke und lässt sich nur zu gerne in ein Gespräch mit dem populären Gast ein.

Jetzt endlich ist das Ehepaar zwei Tische weiter an der Reihe. „Das ist doch...“, flüstert nach einem intensiven Seitenblick die Dame mittleren Alters ihrem Mann zu. „Könnte sein...“, antwortet der mit einem prüfenden Blick auf das Subjekt der Begierde. „Die Stimme... natürlich“, „ja, jetzt wo du’s sagst“, „wenn ich das Margit erzähle. Soll ich ihn...?“ Ihren ganzen Mut zusammennehmend steht sie auf und tritt mit einem triumphierenden Lächeln an den Tisch des Moderators: „Sie sind doch der Herr Siebeneicher...“, sagt sie in leichtem schwäbischen Dialekt und in einem Tonfall, als handele es sich um ihren ganz persönlichen Rundfunk-Moderator.

„Ja bin ich. Hören Sie denn ab und zu meine Sendung?“ Gestik, Mimik und der Klang seiner Stimme vermitteln eindeutig den Eindruck, als habe Heinz Siebeneicher geradezu darauf gewartet, von dieser Dame angesprochen zu werden. „Freilich“, sagt sie, „wir hören Sie jeden Tag, wenn wir daheim sind. Das ist eine tolle Sendung. Und im Fernsehen auch.“ „Das freut mich. Kann ich was für Sie spielen?“. Die Dame ist überrascht und grenzenlos begeistert. „Sagen Sie mir nur, welche Musik und für wen.“ „Was soll ich sagen? Ich würd‘ gerne irgendwas von Gotthilf Fischer hören. Oder? Für meine Tochter Annette, wissen Sie, die studiert in Freiburg...“. Während er den Namen der Mutter und der zu grüßenden Tochter sowie den Musikwunsch auf einen Bierdeckel notiert, kehrt die Dame triumphierend zu ihrem Mann zurück, wird noch ein bisschen mutiger und ruft von Tisch zu Tisch und fällt dabei immer mehr in den schwäbischen Dialekt: „Saget Sie mal Herr Siebeneicher, habet’se ihre Frau Wääber heut net dabei?“

„Nein, leider nicht; Frau Wääber ist zu Hause und macht d‘Kehrwoch“. Da staunt die Hörerin: „Sie wisset, was d’Kehrwoch isch? Des isch doch was ganz was Schwäbisches!“ Heinz Siebeneicher lächelt: „Natürlich weiß ich das, meine Mutter hat schließlich in Heidenheim gewohnt.“

„Ach was? Do guck noa. Hätt’sch du des denkt, Wolfgang, der Herr Siebeneicher aus Heidenheim? An seiner Stimme hört mer des aber garnet!“

Der Berliner Junge Heinz Siebeneicher ein halber Schwabe? Hat eine der sieben Eichen ihre Wurzeln im Württembergischen?

AQUENSIS Verlag

Da komm ich her

In diesem Buch werden Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viele Personen begegnen, die mein Leben auf die eine oder andere Weise beeinflusst haben. Manche Namen werden Sie kennen und viele werden Sie auf den folgenden Seiten kennen lernen. Vor allem die Familie von Heinz Siebeneicher.

Die Großeltern mütterlicherseits



Justin Siebeneicher und Elisabeth, geb. Gau



mit den Kindern Elsbeth und Frieda

Die Großeltern väterlicherseits


Leonhard Zipperer und Marie, geb. Hacker


mit den Kindern Eugen und Lotte

Die Eltern



Eugen und Elsbeth Zipperer, geb. Siebeneicher


und ihr einziges Kind Heinz

Die Tanten

Lotte heiratet Willi Schoenebeck,sie haben keine Kinder.



Frieda heiratet Otto Schmäske, auch diese Ehe bleibt kinderlos.

Der Schulfreund

Fritze Schukat, Kenner der Interna von Heinz, seit seiner Pensionierung Hobby-Journalist, Co-Redakteur einer Seniorenzeitschrift und Moderator der Norderstedter Erinnerungswerkstatt „Senioren schreiben als Zeitzeugen ihr Leben auf“.

Heinz


 

wird am 15. Januar 1935 in Berlin geboren. Er wohnt mit seinem Eltern Eugen und Elsbeth und den Großeltern Leonhard und Marie in Schulzendorf, einem ruhigen Vorort südöstlich von Berlin.

– Heinz geht von 1941 bis 1948 im Nachbarort Eichwalde auf die Einheitsschule

– wechselt 1948 auf das Gymnasium in Berlin-West, absolviert dort 1955 das Abitur

– tritt 1955 in den Dienst der deutschen Bundespost ein und ist 1966 zum ersten Mal im Rundfunk zu hören

– nimmt 1966 den Geburtsnamen seiner Mutter Siebeneicher als Künstlernamen an

– heiratet 1970 Brigitte. Sie haben zwei Kinder: Melanie und Jan

– 1977 Scheidung von seiner Frau Brigitte, die er 1978 noch einmal heiratet

– 1985 erneut Scheidung

– heiratet 1988 Waltraud, geb. Weingärtner. Waltraud bringt zwei Kinder mit in die Ehe: Nadja und Tanja.

Um es gleich vorweg zu sagen...

... ich halte weder mich noch mein Leben für so beispielhaft, dass andere einen Nachahmungstrieb entwickeln sollten. Es ist auch nicht so bedeutend, dass die Welt darüber ein Buch mit Geschichten erwarten müsse.

Dennoch gab es Gründe, die Feder in die Hand genommen zu haben.

Meine Familie wird mich an manchen Stellen so nicht wiedererkennen und Entscheidungen anders getroffen haben.

Geschichte soll im Folgenden in zweifachem Sinne verstanden werden: Geschichte als Historie im Sinne einer schnörkellosen Berichterstattung und Geschichte als Erinnerungswerkstatt von erlebten Ereignissen aus Sicht des Betroffenen.

Keinesfalls aber als Sammelsurium erfundener, schöner oder schlimmer Unwahrheiten.

Also ein schwieriges Unterfangen, denn bei allem sollen meine Gedanken das Gefühlsbild und das Geschichtsbild subjektiv abrunden.

Viele Episoden, die ich hier beschreibe, haben sich mir so wie geschildert dargestellt.

Dabei kann es auch sehr gut sein, dass ich den Ereignissen und Personen Farben zugewiesen habe, die manchmal zu matt oder zu grell der wirklichen Nuance nicht entsprechen. Es gibt keine Wahrheit, die uns nicht gefiltert, gekürzt, verbogen, zu laut oder zu leise erreicht.

Wir fügen als Leser neben unserer eigenen Farbenpalette noch die Lupensicht hinzu und sind verwundert über das gebotene Zerrbild.

Die Frage, ob rein private Erlebnisse mit Mitgliedern der eigenen Familie Interesse bei Nichtbetroffenen wecken kann, ist die eigentliche Spannung in diesem Buch.

Parallelen werden gesehen, beschriebene Ereignisse mit den Aufzeichnungen der Geschichtsbücher verglichen und die eigene Erfahrung hinzugefügt.

Über manches wird man nur staunen können, anderes wird abschrecken. Doch irgendwo verstecken sich große und kleine Freuden.

Gehen Sie auf die Suche danach. Diskutieren Sie mit Ihren Enkeln, und überspringen Sie dabei gewagte Unzulänglichkeiten. Mit wem haben Sie Mitleid, wem geben Sie Recht, was können wir aus dem Gebotenen lernen?

Vergnügen wünsche ich Ihnen dabei nicht. Sollten Sie es dennoch finden, sind Sie schon viel weiter als ich.

Ihr
Heinz Siebeneicher

„Über manches in diesem Buch und in meinem Leben wird man nur staunen können, anderes wird abschrecken. Doch irgendwo verstecken sich große und kleine Freuden. Gehen Sie auf die Suche danach. Diskutieren Sie und überspringen Sie dabei gewagte Unzulänglichkeiten. Mit wem haben Sie Mitleid, wem geben Sie Recht und was können wir aus dem Gebotenen lernen?“ HS

Mit dem Ende fängt’s an

Nach einer Kunstpause von 22 Sekunden hub er zu sprechen an. Es sollte eine klagende Philippika gegen den Ungeist der Menschheit werden, es wurde eine klägliche zur Beerdigung meines Vaters.

Die Rede bestand aus Textbausteinen, die der Pfarrer auswendig gelernt und so aufgebaut hatte, dass er sie nach Bedarf umstellen konnte. An vorgesehenen Freiplätzen war nur der Name des Hingeschiedenen einzufügen. So leierte er die Bausteine gekonnt herunter. An der Stelle vom „anbefohlenen Ratschluss des Allmächtigen“ erhellte sich sein Gesicht für einen kurzen Augenblick, er muss an das folgende Mittagessen gedacht haben, das seine Köchin zu Hause schon bereitet hatte. Die Frage war: Klöße oder Speckpfannkuchen? Bei „Klöße“ verfinsterte sich sein Blick sofort wieder, denn Semmelknödeln und Ähnliches mochte er ums Verrecken nicht. Außerdem war jetzt gerade Baustein „Sünder“ an der Reihe, die wir alle allzumal sind.

Der Sündenfall war da: Der Herr Pfarrer hatte nämlich vergessen, den Namen des Verstorbenen an der richtigen Stelle einzufügen, was zu einiger bedeckter Unruhe bei den Trauergästen führte. Das konnte nur bei „Speckpfannkuchen“ passiert sein, denn auf die freute er sich mächtig.

Er blätterte schnell zurück, kniff die Augen zusammen – er war weitsichtig und verhaspelte sich bei dem Namen des Verstorbenen, der tatsächlich schwer auszusprechen war.

Persönliches zu dem Toten fiel ihm nicht ein. „Wir stehen doch alle gleich vor unserem Schöpfer, ein jeglicher so wie sein beladener Nächster.“

Die hölzernen Sitzreihen der Einsegnungshalle boten Platz für 300 Personen. Die meist abgewetzten verbrauchten Sitzbänke waren unbequem, nicht zum Ausruhen geeignet. Der Raum war halb gefüllt, roch nach Gärtnerei und Frühbeet und schien jedes Hüsteln zu verstärken. Das unentwegte Scharren mit den Schuhen auf der rauen Zementplatte schadete den traurigen Worten wenig, die wir nun endlich erwarteten.

Es war das typische Umfeld einer Trauerfeier. Schwarze Tücher rechts und links sollten dem Raum Würde verleihen, verdeckten aber nur den bröckelnden und rissigen Putz an den gekalkten Wänden. Jede optimistische Weltbetrachtung wäre in dieser Atmosphäre erstickt.

Ganz vorne stand der blumenumkränzte Sarg. Auf Schleifen zwischen Gestecken und Sträußen stand das Übliche aus dem kargen Archiv der Beerdigungsfirma:

„Ruhe sanft“, „In bleibender Erinnerung“, „Als letzten Gruß“, „...werden wir stets in Achtung und Gedenken bewahren.“

„Die Kollegen“, Die Freunde“, „Dein Sohn“, „Deine Frau“.

Sogar der Chef meines Vaters, Herr Schult, war gekommen. Das war der „scharfe Hund“, wie mein Vater immer sagte, der die Mitarbeiter knechtete, sogar nachts aus dem Bett trommelte und bei jeder Kleinigkeit mit Rausschmiss und Entlassung drohte. „In ehrender Bewunderung“ war sein Beitrag.

Jetzt schritt der Herr Pfarrer die erste Reihe ab, Händedruck, Beileid.

Und dann die Rede. Jeder kannte sie schon.

Ich dachte an den Tod meiner Mutter, die vor elf Jahren, 1967, beim Kuraufenthalt in Ottobeuren an Lungenembolie verstorben war.

Sie benachrichtigten mich damals während einer fröhlichen Unterhaltungssendung, die ich zu moderieren hatte. Nach der vorletzten Pointe rief man mich ans Telefon. Nach der letzten reiste ich ab.

Die Beerdigung war in Heidenheim an der Brenz, wo meine Mutter zuletzt Arbeitsstelle und Heimat gefunden hatte. Ich war allein, stand in der Leichenhalle dort, wo Mutter aufgebahrt war. Schräg, dass man sie besser sehen konnte in der abgedunkelten Halle. Sie sah blass und zerfurcht aus, resignierend mit geschlossenen Augen. Als wollte sie sagen: „...das war ein Leben!“

Mein Vater war ohne Ankündigung aus Wolfsburg zur Trauerfeier erschienen. Das Traurigste war, dass er nicht trauern konnte.

Mutter hätte ihn nicht erkannt, nach 17 Jahren Trennung wäre er ihr fremd gewesen.

Das Studio unterm Tisch und ein sturer Opa

So muss es gewesen sein: Durch irgendeinen genetischen Umstand oder durch das leichte Eingreifen des unergründlichen Schicksals wachte ich eines Tages auf – ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt – und spürte meine Faszination zum Rundfunk. An allem, was und wie gesendet wurde, aber auch an allem, was die Rundfunktechnik zu bieten hatte.

Rundfunk war in unserer Familie etwas Alltägliches. Wir hatten mehrere Geräte, einen Volksempfänger, ein großes Telefunken-Radiogerät mit Mittel-, Lang- und Kurzwelle. UKW (oder FM) gab es zu jener Zeit noch nicht. Aber 1945, als die Russen in Berlin einmarschierten, mussten meine Eltern alle Rundfunkgeräte abgeben und durften sich – als die Russen wohl zuviel davon hatten – etwas später wieder ein Gerät abholen. Ein anderes.

Die Russen und deren Statthalter nahmen so etwas nicht genau. Es war eine ungewöhnliche, erschreckende Zeit, von der noch zu berichten ist.

Berlin war dennoch die ideale „Spielwiese“ für einen rundfunkbegeisterten Jungen. Gleich nach Kriegsende wurde hier ein Rundfunksender eingerichtet, der „DIAS“ – „Drahtfunk im amerikanischen Sektor“, der wenig später in „Rundfunk im amerikanischen Sektor“ umbenannt wurde und bis zum Jahr 1993 sendete.

Das war meine Welt! Das wollte ich verstehen, nachmachen, mitmachen und natürlich selbst senden!

Der erste Schritt auf meinem Weg in die Welt des Rundfunks war der Eigenbau meines ersten Detektors. Das ist ein einfaches Gerät, mit dem über Kopfhörer Radio gehört werden kann, ohne Batterie und Netzanschluss.

Also besorgte ich mir die nötigen Kleinigkeiten: Einen Kristall und eine Fühlnadel (Gleichrichter), wickelte aus Kupferdraht eine Spule, schaute mir die Schaltung irgendwo ab und konnte dann endlich RIAS-Berlin bei uns im Wohnzimmer in Schulzendorf hören. In einer lausigen Qualität mit enormen Störgeräuschen – aber immerhin, es klappte. Das Prinzip funktioniert natürlich auch heute noch, auch wenn sich kein Mensch und schon gar nicht ein zehnjähriger Junge die Mühe machen würde, so etwas zu bauen. Dafür gibt es heute Stereo-Receiver, Internet-Radio, Disc-Man, I-Pod, digitales Fernsehen und Play-Station.

Das alles war damals noch fern. Ich hatte ja meinen Empfänger, mit dem ich auch nachts unter der Bettdecke Radio hören konnte.

Das gab meiner, damals noch recht diffusen Sehnsucht, „irgendetwas mit Rundfunk zu machen“, enormen Auftrieb. Ich hatte meinen Traum entdeckt.

Mein Denken und Trachten drehte sich immer mehr um den Rundfunk. Natürlich versuchte ich meine Spielkameraden mit dieser Begeisterung anzustecken. Allen voran meinen Freund Udo Kisse, den es für mich zu überzeugen und zu interessieren galt.

Udo spielte mit. Und Udos zwei Jahre jüngere Schwester Christel musste mitspielen.

Wir trugen zusammen, was nur irgendwie nach Rundfunk aussah: Das Aufzieh-Grammophon und einige Schellack-Schallplatten von Udos Vater, zwei Haarbürsten als Mikrofone, der Platz unter dem großen Tisch im Wohnzimmer als Studio mit einer Decke drüber, und Christel musste sich still davor setzen. Sie war unser Publikum draußen an den Rundfunkgeräten und musste sich unser Programm anhören.

Udo und ich spielten Rundfunk ohne Draht.

„Hier ist RIAS- Berlin, eine freie Stimme der freien Welt. Sie hören jetzt Tanzmusik“.

Das waren die Worte meiner allerersten Moderation. Ich war 13 Jahre alt, saß in Schulzendorf unter dem Tisch im Wohnzimmer, sprach in eine Haarbürste und wusste, dass mir „draußen“ jemand zuhörte. Und wenn es nur Udos kleine Schwester war.

Dann legte ich eine Schellackplatte mit dem Orchester Willi Stanke auf. Dann Kutte Widmann.

Unser Musikprogramm hielt sich in Grenzen. Wir spielten die wenigen Schallplatten, die wir hatten, rauf und runter: Orchester Willi Stanke, Orchester Willi Berking, Horst Kudritzki, Ilse Werner, Zarah Leander… Natürlich immer wieder unterbrochen von unseren Ansagen und dem nötigen Aufziehen des Grammophon- Motors.

Zusätzliche Spannung bekamen unsere Rundfunkspiele durch die tatsächliche Rundfunksituation im Berlin jener Zeit: West- und Ostberlin bekämpften sich in diesen Jahren, in denen der Krieg, Gott sei Dank, vorüber war, der Kalte Krieg aber gerade begonnen hatte. Natürlich auch über die Ätherwellen. Hier RIAS- Berlin mit Sendungen wie „Aus der Zone, für die Zone“ und dort Sendungen mit ähnlichem Inhalt, aber natürlich völlig anderer ideologischer Ausrichtung. Zwei Radionetzwerke in einem Berlin. Beide in Weltanschauung und Informationsfreiheit diametral entgegengesetzt, und beide taten so, als würden die Ostberliner der russenhörigen Ideologie zu 99,9 Prozent folgen und die im Westen ihrer freiheitlichen. Ich brauche nicht zu ergänzen, wer von beiden in Wirklichkeit Vertrauen genoss.

Im Sowjetsektor waren der „Berliner Rundfunk“ (Ost) und der „Deutschlandsender“ (Ost) stationiert (Beispiel: „Die aktuelle Ätherwelle“, dem späteren „Schwarzen Kanal“ ziemlich ähnlich). Im Westen gab es den „NWDR-Berlin“, den späteren „SFB“, den späteren „ORB“, den späteren RBB)“ und RIAS-Berlin, nach der deutschen Wiedervereinigung aufgelöst und als „Deutschlandradio Kultur“ (West) mit der „Stimme der DDR“ (Ost) weitergeführt.

Diesen Wirrwarr von politischer Berieselung aus dem Äther unmissverständlich aufzulösen, war damals auch für den Geübten keine leichte Aufgabe.

Die Schwierigkeit, die geschickt platzierte politische Propaganda zu orten und zu unterscheiden, spiegelte sich auch in unserem Spiel wider. Einmal vertrat Udo den Ostsender, ich den Westsender und dann wieder umgekehrt. Wer „Ost“ war, konnte im Stile Karl-Eduard von Schnitzlers agieren! Wer „West“ war, räumte auf mit der Weltrevolution und der Irrlehre der sozialistischen Überlegenheit.

Der Ostmann hatte es leichter, konnte er doch gleich draußen vor der Haustür den Segen der Planwirtschaft am eigenen Leibe fühlen.

Es gab noch Lebensmittelkarten und leere Regale, es gab noch Hunger und Sorge um die Zukunft.

So entwickelte sich bei mir die Faszination für den Rundfunk als Informations- und auch als Unterhaltungsmedium immer weiter und sollte eines Tages zur Vollendung gelangen.

Mein Hundeleben mit fünf Katzen

Rundfunk und alles, was damit zusammenhängt, ist eine meiner beherrschenden Kindheitserinnerungen. Drei andere Themen aus meiner frühen Wahrnehmung haben sich über die Jahre in meinen Gedanken und Gefühlen ebenso bewährt und gehalten. Gemeint ist die Erinnerung an meinen Großvater und an die beiden Hunde Türas und Pussy. Dabei vervollständigten sich die Erinnerungsfetzen erst viel später zu einigermaßen deutlichen Bildern. Meine Mutter sprach viel darüber und half mir damit, die Abläufe zu ordnen. Als ich etwa 16, 18 Jahre alt war, schilderte sie meine Entwicklungsgeschichte ausführlich und unermüdlich und vergaß dabei nie meine selbst gewählte Nähe zu Tieren. Der liebe Gott muss mir wohl eine latente Sorge und Zuneigung um und für Tiere mitgegeben haben. Das war früher schon so und ist bis heute so geblieben. Zum einen leben in unserem Haus fünf Katzen, die wir alle in erbärmlichem Zustand aufgenommen und aufgepäppelt hatten, und die jetzt einen Zustand genießen, den sie selbst wohl als Katzenhimmel auf Erden bezeichnen würden, sieht man einmal davon ab, dass wir ihnen den Drang zum anderen Geschlecht durch Kastration aus gutem Grund genommen haben. Dazu lebt in unserem Hause ein schäferhundähnliches Prachtexemplar, das stündlich und täglich den Begriff Treue ausführlich vorlebt.

***

In der Nachkriegszeit war die Kleintierhaltung reglementiert. Jeder Bürger durfte maximal ein Huhn halten. Bei Überschreitung dieser Höchstgrenze hätte die „Überproduktion“ abgeliefert werden müssen. Damals schon war der Staat ein gefräßiges Untier, das sich mit Kontrollen und Strafandrohung blendend zu ernähren wusste.

Wir hatten vier Hühner: Für Oma, Mutter, Vater und für mich je eines. Alle vier Wochen kam der Viehzähler. Der musste feststellen, ob jemand illegal zusätzliches Geflügel in seinem Haus oder Grundstück hielt.

Die Legeleistung der vorhandenen Hühner musste also möglichst hoch und von jedem einzelnen Huhn nachgewiesen sein. Zur Unterscheidung hatte Vater unsere Hühner mit verschiedenen Zahlenringen am Hühnerfuß ausgestattet. Kam dem Huhn der Legedrang, standen ihm Fallnester zur Verfügung, in die das Tier das Ei zu legen hatte.

Das Huhn drückte beim Besuch des Nestes eine Klappe hoch, die kurz danach wieder herunterfiel und so dem Tier den freien Ausgang verwehrte. Wir konnten damit kontrollieren, welches Huhn wie viele Eier legte, wofür im Küchenschrank eine Liste vorbereitet war.

Hühner pflegen sich durch Gackern bemerkbar zu machen, wenn sie ein Ei gelegt haben. Es war also Pflicht bei uns, bei jedem Gackern den Stall aufzusuchen, das Ei zu entnehmen und dabei das Huhn zu befreien und das Protokoll in der Küche zu vervollständigen.

Ich weiß bis heute nicht, warum die Hühner freiwillig die Legefalle aufsuchten, sie hätten auch an jeder anderen freien Stelle des Hühnerhofes ihr Ei ablegen können. Ließ die nachgewiesene Eierproduktion nach, wurde das faule Huhn rücksichtslos dem Kochtopf zugeführt. Für mich ein ungerechtes, grausames Verfahren, vor dem ich alle unsere Hühner gern geschützt hätte, aber Vater war auch hier der Stärkere.

Aus unserem Hühnerbestand war ein Tier mit dem Ring Nummer 14 auffällig zahm. Es lief mir nach, sprang auf meinen Stuhl, fraß aus der Hand und kuschelte sich auf meinen Arm.

Auch mein Vater staunte über dieses wesensfremde Verhalten und ließ das Huhn gewähren. Selbst als die Eierlegequote sank, schenkte Vater dem Wunderhuhn das Leben.

Da hatte er die Rechnung ohne den Viehzähler gemacht und so stand er vor der Entscheidung, entweder auf Eier zu verzichten und dem Huhn das Leben zu schenken oder mir mit einer Schlachtung weh zu tun. Mein harter Vater war unschlüssig. Als der Viehzähler kam, nahm ich dann die Lösung des Problems selbst in die Hand.

Ich schnappte mein Huhn, sprach tröstende Worte und versteckte die „Vierzehn“ neben mir unter meiner Bettdecke. Das Tier schwieg unerwartet und rührte sich nicht, als hätte es gewusst, worum es ging. Kein Gackern, kein Reißaus-Versuch, sondern Einsicht und kluges Verhalten. Mit diesem Verfahren konnten wir sicherstellen, auch in Zukunft regelwidrig fünf Hühner für vier Personen zu halten.

Die „Vierzehn“ war inzwischen zwölf Jahre alt geworden und hatte das Eierlegen total eingestellt. An ihren Bein-Innenseiten waren gewaltige Sporen gewachsen, wie sie sonst nur an Beinen der Hähne vorkommen. Klarer Fall von hormoneller Umstellung, Klimakterium beim Federvieh eben.

Eines Morgens hörte ich mein Tier, wie es versuchte, im Hühnerhof die Befehlsgewalt zu übernehmen. Es drückte den linken Flügel auf den Boden und schliff den anderen Hühnern bedrohlich hinterher. Zu allem Überfluss krähte die „Vierzehn“ bestimmt und vernehmlich, so dass sie als „böse Alte“ unter den Hühnern zu gelten schien.

Das Unsägliche geschah: Eines Tages musste ich mit ansehen, wie meine Mutter die „Vierzehn“ nach dem Tötungsakt rupfen und in einem Topf gar kochen wollte. Ich brach verzweifelt in Tränen aus, verstand meine Mutter nicht, die sich doch sonst so herzlich und einfühlsam gab und sprach wochenlang kein Wort mit ihr.

Diese Tat war genauso brutal wie sinnlos, denn mir wurden Seelenqualen auferlegt, während sich das Huhn nach einigen Stunden Kochzeit als zäh und ungenießbar hätte erweisen müssen.

Dazu war es nicht gekommen, denn ich riss das Tier aus dem Topf und begrub es schnell an einem geheimen Ende unseres Gartens. Das Kreuz aus Weidekätzchen legte ich in einen Strauch und schützte damit meine „Vierzehn“ vor jeder möglichen Grabschändung und Störung der Todesruhe.

Vielleicht liegt meine positive Einstellung zu jeder Kreatur auch darin, von frühester Kindheit mit Tieren aufgewachsen zu sein. In unserem Haus waren wir in ständiger Gemeinschaft mit Hunden und Katzen.

Die Promenadenmischung Pussy war eine Hundedame.

Unser Bernhardiner Türas war ein ebenso mächtiger und beeindruckender wie freundlicher und zahmer Hundemann. Bellen oder gar Knurren war ihm fremd, er gab sich immer zufrieden, fröhlich, spielerisch und gut gelaunt. Es war absolut kein Hund, vor dem irgendjemand hätte Angst haben müssen.

Wer ihn kannte, wurde zum Hundefreund. Wer aber nicht von seinem Großmut, seiner Treue und Anhänglichkeit gehört hatte, der ließ sich unweigerlich von seiner Gestalt und seiner Größe, dem kraftvollen Maul und den geschmeidigen Bewegungen dieses absolut harmlosen Tieres erschrecken.

Türas spielte auch die Hauptrolle in meinem allerersten Hunde-Erlebnis, von dem mir immer wieder erzählt wurde.

Türas lebte draußen in einer Hundehütte aus Holz, die Opa, der Stellmacher, gebaut hatte. Türas war stets ein geduldiger Spielkamerad für mich, der sich alles von mir, seinem kleinen, noch unbeholfenen Freund gefallen ließ. Türas war fünf Jahre alt, ich zwei.

Es muss ein unauffälliger Durchschnittstag gewesen sein, als meine Mutter mich vermisste. „Heinz, wo bist du?“, rief sie. Ob ich ihren Ruf wahrgenommen hatte oder nicht, blieb uns verborgen. Je öfter sie, ohne Antwort zu erhalten, rief, umso bestimmter und energischer wurde sie. Letztlich, der Verzweiflung nahe, suchte sie mich überall. In Haus und Garten, vor der Tür und hinter allen Büschen.

Vergebens.

Ich war Mutters Ein und Alles.

Nicht auszudenken, wenn mir irgendein Missgeschick widerfahren wäre. Sich der Nachlässigkeit oder Unaufmerksamkeit von Oma und Vater zeihen zu lassen, wäre noch erträglich gewesen, aber eine Schuld am Schaden ihres Sohnes sicher nicht.

Immer noch keine Spur von Heinz.

Der Durchschnittstag drohte zum Schwarzen Tag zu entarten und meine körperliche Unversehrtheit in höchste Zweifel zu ziehen.

Türas lag vor seiner Hütte und schien die plötzliche Aufregung ringsum nicht zu beachten. Auch Mutters Rufe, deren Intensität sich bis zum Überschlag steigerte, ließ Türas ungerührt an sich abtropfen.

Er gähnte sogar, als wollte er sagen: „Was soll denn diese Hektik?“

Mutter beachtete ihn zunächst gar nicht, aber als sie an seiner Hütte vorbeilief, sah sie mich, ihren Heinz. Förmlich zur Salzsäule erstarrt blieb sie abrupt stehen und verlor scheinbar die Orientierung.

In der hintersten Ecke der Hütte saß ich und spielte mit Türas’ zerkautem Tennisball.

Wenn meine Mutter zunächst erleichtert war und eine große Sorge von ihr abzufallen schien, war sie am Ende ratlos. Schon der erste Versuch, mir ihre Hand entgegen zu strecken, um mich sachte aus meiner Gefangenschaft zu befreien, veranlasste den Hund zu einem leisen aber bestimmten Warn-Knurren. Etwas, das Mutter von ihm noch nie gehört hatte.

Inzwischen konkurrierte der Knautschball in meinem Mund mit dem buschigen Schwanz von Türas, den ich in der kleinen Hand festhielt, als sollte er mich wegziehen. Mutter lief vor der Hütte hin und her, lockte und drohte, versprach Streicheln und Hiebe, winkte mit der einen und klopfte mit der anderen Hand auf ihre Knie, um den Hund zu locken.

Der gähnte schon wieder, aber nicht mehr gelangweilt, sondern eher fauchend. Unser lieber Türas war plötzlich ein ganz anderer Hund als gewohnt. Jetzt fletschte er sogar die Zähne, bellte und nahm Angriffsstellung ein. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er nichts und niemanden an mich, seinen in der Hütte geborgenen Schützling heranlassen würde. Auch nicht die Person, mit der er seit Jahren lebte, die sich um ihn kümmerte, ihn mit Futter versorgte und immer gut zu ihm war.

Wie unter Menschen ein gutes Essen manche Unstimmigkeit glätten kann, so gelang es auch meiner Mutter, die Situation zu lösen: Mit gekochtem Reis und mancher Hundeleckerei ließ sich Türas schließlich doch vom Eingang seiner Hütte zum etwas entfernt platzierten Fressnapf mit dem verführerisch duftenden Inhalt weglocken. Mutter konnte mich schnell aus meinem Versteck ziehen und mich und sich in Sicherheit bringen.

Das war an einem Freitag passiert, an dem Opa wie immer am Wochenende von seiner Werkstatt in Berlin nach Hause, nach Schulzendorf, gekommen war.

Oma stand im Haustürrahmen und drückte ihren Körper so gegen die Scharnierseite der Tür, dass eine Berührung mit dem Eintretenden von vornherein ausgeschlossen war. So ging es weiter.

Schweigend setzte sich Opa zu Tisch. Es gab mageren Rinderbraten mit breiten Bandnudeln und Krautsalat.

„Gibt’s was Neues?“

„Nein.“

„Was macht der Hund?“

„Gut.“

„Ich leg mich hin.“

„Krieg ich Haushaltsgeld?“

„Kannst es wohl wieder nicht abwarten“, er stand auf, fingerte an der Innentasche seiner Jacke und zog zwei Hunderter hervor. Er missachtete Omas aufgehaltene Hand und ließ die beiden Scheine durch die Finger auf den Boden gleiten. Oma trat sofort drauf und bückte sich schnell.

Marquis de Sade hätte das nicht besser provozieren können. Es gibt Partys, bei denen das Bücken der anwesenden Damen zum genüsslichen Kult gehört. Opa hatte auch Spaß daran. Dämonischen. Laszive Gedanken waren ihm bei seiner Ehefrau fremd.

Oma kochte, wusch, nähte, putzte und besorgte Vorrat für die ganze Woche, was nicht billig war. Da kam sie auf eine List.

Als Opa sich zum Mittagsschläfchen niederlegte und die Anzugsjacke über die Stuhllehne hing, näherte sich Oma langsam dem Stuhl vor der Bettstatt, griff nach der Innentasche der Jacke und – zuckte zurück. Das gleichmäßige Atmen des Schlafenden war jäh durch einen tiefen Seufzer und ein eruptives Schnarchgeräusch unterbrochen worden und gipfelte in einem asthmatischen Hustenanfall. Damit nicht genug.

Pussy, der Hund, hatte sich unbemerkt unter Opas Schafwolldecke verkrochen und mit vorgestreckter Schnauze höchst interessiert Frauchens Überfall beobachtet.

Als Pussy zum Fletschen, Knurren oder gar zum Bellen ansetzte, zog sich Oma resignierend zurück und verzichtete auf jede weitere Geldbeschaffung. Sie war nicht nur deshalb enttäuscht, weil ihr Vorhaben gescheitert war, sondern vor allem wegen Pussys feindlichem Verhalten.

Sie war es doch, die den Hund die ganze Woche über bei sich hatte, fütterte und versorgte. Kaum aber war Herrchen im Haus, änderte sich die Hierarchie und Opa übernahm das gesamte Kommando.

Vielleicht ist es meiner Großmutter trotz aller Widrigkeiten hin und wieder gelungen, ihr Haushaltsgeld aus Großvaters Geldbörse unbemerkt aufzubessern. Ich hätte es ihr gern gegönnt, aber ich glaube nicht, dass sie es geschafft hätte, denn auf Pussy konnte sich Opa immer verlassen.

Wenn das Geld schon keine Seele hat, wie man sagt, dann war Pussy selbst eine Seele von Hund. Ein außergewöhnliches Tier. Kein Wachhund, kein Schoßhund, kein Jagdhund, ein Bastard mit guter charakterlicher Disposition. Opa sagte immer, der Hund könne lesen und schreiben, wir müssten nur seine Sprache verstehen. Pussy war eine grandiose Selbstdarstellerin, die sich auf fast menschliche Art verständlich machen konnte.

Aber Frieden gab’s kaum in Schulzendorf

Wir sind jetzt mitten in der Kriegszeit, die Fliegerbomben fallen gleich nach Einbruch der Dunkelheit auf Berlin und zwingen uns schon wieder in den Keller. Der Luftschutzwart unserer Straße geht bei jedem Voralarm auf Streife und kontrolliert das Wohlverhalten seiner Schützlinge. Als ob er auch nur einen vor Bomben und Granatsplittern hätte retten können.

Bei uns stellt er nicht zum ersten Mal stirnrunzelnd fest, dass mein Opa Leonhard anordnungswidrig im Bett zu bleiben pflege, wenn’s knallt. „Die Verbrecher können mich gern haben“, nuschelt Großvater dann im fränkisch-bayerischen Idiom. Danach dreht er sich um und schläft ein. Es bleibt ungeklärt, ob er mit „Verbrecher“ die Nazis oder die Bomberpiloten meinte.

Die Nächte verlaufen fast gleichartig: Sirene Voralarm, Vater hört Drahtfunk mit Luftlagemeldungen, alle rennen in den Keller, Sirene Hauptalarm und dann Bombergrollen und Bombendonnern in der Ferne über Berlin. Großvater bleibt im Bett.

Unser Ort Schulzendorf ist Randgebiet ohne kriegswichtige Einrichtungen. Nicht ’mal eine Flak haben sie hier in Stellung gebracht. Unser Keller ist mit dicken Balken zusätzlich gesichert. An der Eisentür sitzt Vater, dann rechts Mutter mit mir, links Oma und der Hund Pussy. Opa schläft oben. An diesem Samstagabend ist zwar alles wie gewohnt, aber dennoch schleicht sich ein unbekanntes Gefühl der Unsicherheit ein.

Die Bomber sind schon über uns, obwohl der Drahtfunk das Planquadrat Gustav-Heinrich-acht noch nicht nennt. Pussy ist unruhig wie noch nie. Erst rennt sie zu Vater, der sie wegstößt, dann schleicht sie mit eingezogenem Schwanz zu meiner Mutter Else, die mich sofort noch fester an sich drückt.

Pussy rennt zur Wohnungstür, schiebt sie mit der Schnauze auf und stürmt nach oben ins Schlafzimmer. Winselnd berührt sie den schlafenden Opa, dreht wieder ab und stolpert zwei Stufen auf einmal nehmend zurück in den Keller. Dann wieder hoch zu Opa, zerrt an dessen Bettdecke, bellt zweimal auf und rennt hinunter.

Immer wieder geht das so, bis Opa entnervt aufsteht und sagt:

„Pussele, was ist denn?!“ Und dann kommt er zum ersten Mal in den Luftschutzkeller. Niemand sonst hätte ihn je bewegen können, den „verdammten Keller“ aufzusuchen.

Plötzlich wackeln die Wände, Putz rieselt aus den Fugen und ein Pfeifen und Donnern löscht das elektrische Licht. Eine Bombe ist eingeschlagen.

Niemand steht auf, Mutter und Pussy zittern, Oma betet, Opa flucht. Vater öffnet die Eisentür einen kleinen Spalt. Beißender Rauch dringt ein. Dann geht Vater hinaus, hilft Löschen. Nachbars Haus steht in Flammen. Entwarnung.

Opa geht nach oben und streichelt Pussy flüchtig im Vorbeigehen an den Ohren.

„Bist‘n guter Hund“ sagt er und holt eine Wurst aus der Küche. Die letzte von der Eisernen Ration.

***

Meine Eltern lebten nicht wie die Turteltauben.

Ich habe vielleicht ein- oder zweimal gesehen, dass sie Zärtlichkeiten austauschten, wenn ein Begrüßungskuss auf die Wange schon zu dieser Kategorie freundlicher menschlicher Emotionen zu zählen ist. Eher kann ich mich an Streit erinnern.

Als mein Vater eines Abends von seiner Firma nach Hause kam und sich auf der Veranda zum Essen niederließ, servierte meine Mutter Erbsensuppe. Für damalige Verhältnisse Ende des Jahres 1944 ein fürstliches Mahl, natürlich ohne Fleisch oder Fettzusatz.

Schon der erste Löffel brachte meinen Vater derart in Rage, dass er den Teller mit den heißen Erbsen anhob und mit roher Gewalt meiner Mutter auf den Schoß knallte.

So schnell wie das ging, konnte ich den Grund für die Attacke erst aus dem folgenden Streitgespräch erahnen: Zu heiß, zu salzig, zu fad.

Wir wohnten in einem 2-Familienhaus im Erdgeschoß. Geschätzte Wohnfläche mit zwei Zimmern, Wohnküche, Bad und einer Erker-Veranda etwa 70 Quadratmeter. Darüber wohnten meine Großeltern auf etwa gleichgroßer Fläche. Ein Treppenaufgang führte im Halbrund nach oben und war beidseitig mit einer Tür begrenzt.

Wie oft mein Vater die untere Tür aufgerissen und nach oben zu seiner Mutter gebrüllt haben mag, ist im Dunkel meiner Erinnerung nicht mehr auszumachen. Gründe für seine Explosionen gab es immer: Manchmal hatten unsere Hühner so wenig Eier gelegt, dass mein Vater annehmen musste, Oma habe sich heimlich an den Eiern vergriffen. Oder Omas Hund hatte nicht rechtzeitig vor Vaters Eintreffen unsere Wohnung verlassen und das Weite gesucht, was Vater jedes Mal zu Wutausbrüchen reizte. Verzweifelt fragte ich ihn dann, warum er denn Omas Hund nicht leiden könne.

„Weil er keine Eier legt und ungenießbar ist“, war seine Erklärung. Deshalb mochte er sich auch lieber mit unseren Kaninchen befassen, die ihr Leben in Holzställen fristen und zu bestimmten Feiertagen lassen mussten.

Mein Vater schlachtete eigenhändig unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich hätte auch nicht zusehen wollen, wie er den Todesakt vollführte, wusste ich doch alles schon vom Erzählen. Mit der einen Hand an den Ohren haltend und mit der anderen einen Knüppel führend betäubte er das Tier mit kräftigem Schlag auf den Hinterkopf. Darauf setzte er geübt das Messer an die Kehle, schnitt die Hauptschlagader an und ließ das Blut in eine Schüssel fließen. Dann zog er dem Tier das Fell über den Kopf und danach über ein selbstgebautes Holzgestell zum Trocknen. Mir hat so ein Sonntagsbraten nie geschmeckt.

Schläge hinter die Ohren oder mit dem Teppichklopfer dahin, wo sie nur treffen konnten, waren mir ja selbst geläufig. Sie führten zwar nicht zum Tode, aber doch die ganze Familie in helle Aufregung. Meist nur, weil meine Schulzeugnisse halbjährlich und meine Schulhefte bei unverhofften Kontrollen zu väterlichen Beanstandungen mit körperlichen Züchtigungen Anlass gaben.

Ich höre ihn heute noch schreien: „Wo ist die Hundepeitsche?“

Oma musste sie in kluger Voraussicht tags zuvor versteckt haben, was aber meinen Vater nur zusätzlich reizte. Mutter war ihm ohnehin nicht gewachsen und zeterte nur in Tränen aufgelöst. Prügel setzte es auch, wenn ich die sonstigen strengen Gebote meines Vaters nicht oder nur teilweise beachtete: Umliegende Straßen regelmäßig auf Verdauungs-Rückstände von Pferden kontrollieren. Pferdeäppel hatten damals einen hohen Düngewert und beeinflussten spürbar das pflanzliche Wachstum im Garten. Mein Onkel meinte scherzhaft: „Ihr macht Pferdemist auf die Erdbeeren, wir machen Sahne drauf.“

Oder herunter gefallene Äpfel und Birnen einsammeln und der Marmeladenkocherei meiner Mutter zuführen. Verfluchtes Fallobst! So oft ich auch zwischen Himbeerstauden und unter stacheligen Rosen- und nassen Johannisbeersträuchern auf Knien rutschend angefaulte Kernfrüchte einsammelte, fand mein Vater am Abend immer wieder welche, die ich übersehen haben musste. Oder solche, die zwischen Abschluss der Aufsammelaktion und dem Kontrollgang meines Vaters noch vom Baum gefallen waren. Dann betrat er wütend das Schlafzimmer, zog mich aus dem Bett und jagte mich Schlaftrunkenen in die feuchte Gartenlandschaft „zur Pflichterfüllung und familiären Beitragsleistung“.

„Wer nicht arbeitet, braucht schließlich auch nicht zu essen.“

Die oft seelenlose Härte meines Vaters lernte ich schon in diesen frühen Jahren kennen.

Zu Weihnachten konnte ich mich über einen Laubsägekasten freuen mit vorgezeichneten Sperrholzplatten. Man brauchte mit der Laubsäge nur den Markierungen zu folgen und konnte am Ende Löwen, Häuser, Bieruntersetzer oder

Blumen aussägen. Ich hatte keine Erfahrung als kleiner Handwerker und entschied mich lieber für mittelgroße Sterne. Schließlich war noch Weihnachtszeit und Mutter würde sich vielleicht über ein paar Kerzenhalter freuen. Tat sie auch: „Schön hast du das ausgesägt, mein Junge. Hätte gar nicht gedacht, dass du so eine Begabung für das Manuelle hast“, dabei strich sie mir stolz übers Haar und lächelte.

Als Vater etwas später von seiner Arbeit nach Hause kam, zeigte ihm Mutter meine Werkstücke: „Schau, was Heinz gebastelt hat, hab gar nicht gedacht, dass er so was kann.“ Vater unterzog die Brettchen einer strengen Prüfung. Mit ernster Miene hielt er die Sterne gegen das Licht, fühlte mit den Fingerspitzen die Ränder ab und maß die Gleichmäßigkeit der Zacken.

Sein Gesicht verfärbte sich ins Grünliche und er presste verächtlich sein Urteil hervor: „Die typische Schlamperei. Alles krumm und schief, kein Wunder bei der Affenliebe.“ Damit war Mutter gemeint, die Schlimmes ahnend in eine Art Abwehrstellung wechselte. Vater nahm mein Erstlingswerk, schritt zum Herd, legte die Flamme frei und warf meine Sterne mit samt aller anderen Muster ins offene Feuer.

Ende der Feierabendstimmung. Mutter und die ahnungsvoll herbei geeilte Oma ließen ihren Tränen freien Lauf. Ich rannte fluchtartig auf die Straße und hoffte, dort Schutz zu finden, aber der gerade einsetzende Heulton der Sirenen ließ ebenfalls nichts Gutes erwarten: Fliegeralarm. So schlimm der immer war, heute kam er mir wie ein Segen vor, beendete er doch unser häusliches Ungemach.

***

Seit 1941 besuchte ich die Schulzendorfer Volksschule, noch nicht wissend, dass amerikanische Bomber von 1943 an meine Lernzeit immer mehr verkürzen würden.

Denn fast täglich heulten die Sirenen und beendeten jeden Unterricht.

Wir Schüler rannten dann so schnell wir konnten nach Hause, um damit einer Gefahr auszuweichen, von deren Ausmaß niemand von uns eine Ahnung hatte.

Ich erreichte gerade atemlos unser Grundstück, als schon unübersehbare Bomberstaffeln silbrig glänzend am Himmel brummten und ihre todbringende Last nach Berlin trugen. Dann stolperte ich mitsamt meinem Schulranzen die Kellertreppe hinunter und blieb hechelnd auf einem umgedrehten Papierkorb sitzen. Endlich in Sicherheit.

Aber an diesem Tag waren es nicht die Bomber, die meine Gefühle so tief verletzt hatten, sondern es war das Verhalten eines Mitschülers.

Bruno hieß er.

Wir hatten gerade große Pause und tobten wie die Wilden im Klassenzimmer herum, als ein junger Vogel durch das geöffnete Fenster herein segelte, ungeschickt auf dem Boden landete und verängstigt kraftlos sitzen blieb. Wir knieten uns sofort im Kreise um ihn und beobachteten die hilflose Kreatur, die uns aus großen Augen ansah.

Da betrat Bruno die Szene. Er war ein brutaler zweifacher Sitzenbleiber, dem keiner von uns körperlich gewachsen war. Niemand traute sich ihm zu widersetzen. Er drängte sich zwischen die Kinder, griff nach dem kleinen Vogel und riss ihm vor aller Augen den Kopf ab.

Grinsend warf er die beiden zuckenden Körperteile in den Papierkorb und blickte provozierend in die Runde.

Den Kindern stockte der Atem, einige rannten aus dem Zimmer, andere fingen an zu weinen, die meisten allerdings zogen sich schweigend zurück, als hätten sie nichts gesehen.

Keiner wagte sich an Bruno heran. Keiner widersprach. Der Deutschlehrer, der anschließend die Klasse betrat, erfuhr nichts von der Untat. Bruno grinste nur dümmlich und drückte seine körperlichen Massen in die enge Schulbank.

Ich weiß nicht, was aus Bruno geworden ist. Im Kittchen wird er vielleicht gelandet sein oder später wegen Gnadenlosigkeit vor dem Feind eine Auszeichnung erhalten haben.

Ich weiß nur, dass mein Herz nur selten so aufgewühlt und voller Mitgefühl für den kleinen Vogel war, dass ich vor kindlicher Empörung dem Täter ein Messer hätte zwischen die Rippen stechen oder ihn sofort erschießen können.

Ich wollte es nicht fassen, dass ein unschuldiges Vogelküken von einem widerlichen Unmenschen kraft verbrecherischer Gewaltanlage sinnlos geopfert werden konnte.

Ich hatte das noch nicht zu Ende gedacht, als im selben Augenblick schon die Verschlüsse der Halterungen unter den Flügeln der amerikanischen Bomber „Flying Fortress“ klickten, um die todbringenden Phosphorkanister freizugeben. Beim Aufschlag würden sie alles unlöschbar in Brand setzen, was vor die Häuser, Keller und Luftschutzräume schützend installiert war. Wenn dann die Retter und die Löschkommandos anrückten, um sich der Feuersbrunst entgegen zu stellen, schlügen die nachfolgenden Kettenminen mit großem Erfolg ein und vollendeten ungestört ihr vernichtendes Werk.

Am nächsten Tag sprach der Reichsrundfunk von 556 Heldentoten.

Es war kurz vor Kriegsende. Vater hatte Kartoffeln beim Bauern bestellt, die der unmittelbar vom Pferdewagen vor die Haustür schüttete.

Als Zeuge jener Zeit füge ich hinzu: Ja, es gab noch die Allerweltslebensmittel, wie Brot, Milch, Gemüse usw. Die große Knappheit bis zur unmittelbaren Hungersnot trat erst ein, als der Krieg beendet war und die Russen wie die Wandalen hausten, Frauen reihenweise vergewaltigten und Widerspenstige einfach niederschossen.