Vorwort
„50 Jahre Badische Weinstraße“

Vielfältig, abwechslungsreich und liebenswert ist die badische Weinlandschaft und sind die durch Winzerhand erzeugten Weine.

Diese Erkenntnis zu haben genügte weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Um diese gottgesegnete Landschaft zu erleben, sind Wege und Straßen notwendig. Dieser Sachverhalt war den Vätern der Badischen Weinstraße vor 50 Jahren wohl bewusst.

Nach den Kriegswirren war in jener Zeit eine positive Aufbruchstimmung festzustellen. Mit den ersten Flurbereinigungen in den Rebbergen wurden auch die Erntemengen stabiler und größer. Damit verbunden war das Bemühen, neue Verbraucherschichten für badische Weine zu gewinnen. Hierzu diente die Kennzeichnung und Namensgebung der „Badischen Weinstraße“ ab der Lichtentaler Allee in Baden-Baden durch das Ortenauer Rebland. Das Ziel war, den Erholungsuchenden und den Feriengästen eine Wegweisung durch die Winzerdörfer zu ermöglichen. Auch in der heutigen Zeit und in der Zukunft hat die Badische Weinstraße durch die Weinbaubereiche eine hohe Bedeutung.

Mit der Kennzeichnung ist es möglich, abseits der Schnellstraßen den Erholungsuchenden all die Reize einer abwechslungsreichen und fruchtbaren Landschaft zu vermitteln. Nicht nur Weingenuss, sondern Wein in Verbindung mit Speisen bringt den Menschen all die Köstlichkeiten der Natur näher. Nirgends in Deutschland leuchten so viel kulinarische Sterne der Gastronomie wie im Weinland Baden. Zurecht preist Johann Peter Hebel das Rebland als Lebland.

Möge das Jubiläum, „50 Jahre Badische Weinstraße“ erneut viele Menschen veranlassen, diese herrliche Landschaft zwischen Schwarzwald und Rheinstrom zu besuchen.

Freiburg im Frühjahr 2004

Gerhard Hurst

Präsident des Badischen

Weinbauverbandes e.V.

Dr. Christoph Loewer

Geschäftsführer des Badischen

Weinbauverbandes e.V.

ISBN 9783954570393

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

3. völlig überarbeitete Auflage,

Copyright bei Aquensis-Verlag Baden-Baden 2004

Vogesenstr. 44, 76532 Baden-Baden

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Franz Hilger (Jahrgang 1935) ist ein echter Schwarzwälder. Er ist seit vielen Jahrzehnten als freier Autor für Buchverlage, Zeitungen und Zeitschriften tätig. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Benediktinerklosters St. Blasien, eine Biografie zu Fürstabt Martin Gerbert sowie Texte für Bildbände und Kirchenführer. 1993 wurde Franz Hilger mit der Goldenen Gerbertmedaille ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Pfaffenweiler im südlichen Breisgau.

In der aktualisierten und neu gestalteten Auflage von „Die Badische Weinstraße“ begleitet Franz Hilger den Leser durch eine traumhafte Landschaft von Baden-Baden bis Weil am Rhein, er führt ihn zu romantischen Stätten, außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten sowie liebenswerten Städten und Gemeinden, die inmitten dieser wunderschönen Wein-Anbaugebiete liegen und die sich so zeigen wie der badische Wein selbst: harmonisch, nuancenreich, elegant und von der Sonne verwöhnt.

Inhalt

Cover

Impressum

Titel

Zum Autor

Vorwort
von Gerhard Hurst und Dr. Christoph Loewer

Übersichtskarte
zur Badischen Weinstraße

Einleitung
Eine Landschaft und ihr Wein

Die Ortenau
Obst und Reben in Hülle und Fülle von Baden-Baden bis Lahr

Der Breisgau
Durch Weindörfer und mittelalterliche Städtchen von Lahr bis Freiburg

Kaiserstuhl-Tuniberg
Fruchtbares Vulkangebirge und mildes Klima zwischen Freiburg und Rheintal

Freiburg
Sympathische Großstadt, unter südlicher Sonne

Markgräflerland
Durch die Heimat des Gutedel von Freiburg bis Basel

Badische Weine
von der Sonne verwöhnt

Weingüter und Winzergenossenschaften
entlang der Badischen Weinstraße

Einleitung
Eine Landschaft und ihr Wein

Kenner des badischen Weines schmücken die verschiedenen Eigenschaften des edlen „Rebensaftes“ mit einer ganzen Reihe von bildhaften Worten wie blumig, vollmundig, harmonisch, rassig, würzig, nuancenreich, elegant, fruchtig, zartduftig, gehaltvoll und so fort. Nicht zufällig entsprechen diesem Reichtum an Attributen für den „Rebensaft“ auch solche wie sonnendurchglüht, fruchtbar, abwechslungsreich, lieblich, anmutig, reizvoll, bezaubernd, die die Landschaft und den Boden, auf dem dieser wächst, umschreiben.

Die „Badische Weinstraße“ – wie sie zur Ehren des badischen Weins im Jahre 1955 benannt wurde – verbindet die bedeutendsten Weinbaugebiete Badens, die nach Eigenart der Landschaft und der Beschaffenheit des Bodens recht unterschiedliche Weine hervorbringen: die Ortenau, den Breisgau, Kaiserstuhl und Tuniberg in der Rheinebene und das Markgräflerland. Der Rotweinboom zeigt sich auch in Baden: Der Anbau roter Sorten nimmt stetig zu und soll bis 2020 40% erreichen.

Im Norden verläuft die Straße durch die Schwarzwaldberge der Ortenau zwischen Baden-Baden und Offenburg. Viele idyllisch gelegene Winzerdörfchen mit verwinkelten Gässchen und alten Fachwerkhäusern finden sich in diesem Stück der Badischen Weinstraße.

Die Ortenau ist das jüngste Weinbaugebiet Badens. Die erste Urkunde, die über den Weinbau in dieser Gegend Aufschluss gibt, stammt aus dem Jahre 1170. Im Mittelalter wurden in der Ortenau meist nur in der Ebene und auf den flachen Hügeln der Schwarzwaldberge Reben angepflanzt. Elbling, Räuschling, weißer und roter Gutedel waren die bedeutendsten Rebsorten dieser Gegend. Auf Veranlassung des Markgrafen Karl Friedrich von Baden mussten die Winzer in der Ortenau den Qualitätsreben den Vorzug geben. In den markgräflichen Rebanlagen im Gewann Klingenberg beim Schloss Staufenberg ließ er den Riesling anbauen, daher heißt der Riesling in der Ortenau noch heute Klingelberger. Auch wurde auf Anregung des Markgrafen Traminer in der Ortenau angepflanzt. Im Jahre 1836 kam es auf Veranlassung des Freiherrn Zorn von Bulach zum Anbau der Rebe Sauvignon blanc aus Frankreich, einer weißen Bordeaux-Variante. Dieser Wein zählt heute noch zu den Besonderheiten der Bulachschen Amtsverwaltung.

Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 2003 hat die Ortenau eine Rebanbaufläche von 2647 Hektar.

Das Weinanbaugebiet Breisgau erstreckt sich südlich von Offenburg über Lahr bis zur Schwarzwaldmetropole Freiburg. In diesem Landstrich sollen schon die Römer den Weinbau gepflegt haben. Als Freiburg vor fast 900 Jahren gegründet wurde, hatten die Bürger der umliegenden Gemeinden Lehen, Haslach, Herdern, Zähringen, Günterstal, die inzwischen zu Freiburg gehören, ihre Hänge bereits mit Reben bepflanzt. In Kriegszeiten brachten die Winzer dieser Dörfer ihren Wein in die befestigte Stadt. Es war daher nichts Außergewöhnliches, wenn Häuser in Freiburg drei- und sogar vierstöckige Keller hatten, um den Wein zu lagern. Das Weinbaugebiet Breisgau hat eine Ertragsfläche von 1643 Hektar.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1333 wird der Name „Kaiserstuhl“ erstmals erwähnt. Schon die Kelten und die Römer haben das Gebiet kultiviert. Unter Karl dem Großen wurde hier mit dem Weinbau begonnen. Die ältesten Weinbaugemeinden am Kaiserstuhl sind Bötzingen, Burkheim und Riegel, diese wurden bereits im 8. Jahrhundert gegründet. Mit 4157 Hektar weist das Weinbaugebiet Kaiserstuhl-Tuniberg die größte Rebanbaufläche Badens auf. Im Mittelalter gab es am Kaiserstuhl die Rebsorten Elbling, Räuschling und Burgunder. Heute ist die charakteristische Rebsorte dieses Weinbaugebiet der wuchtige Ruländer/Grauburgunder. Fachleute sind der Meinung: Am Kaiserstuhl wächst der beste Ruländer Deutschlands. Natürlich gedeihen hier in den sonnenverwöhnten Rebanlagen noch andere Weiß- und Rotweinsorten.

Das südlichste Weinbaugebiet an der Badischen Weinstraße ist das Markgräflerland, es zieht sich vom Süden Freiburgs, von Freiburg-St. Georgen, bis an die Schweizer Grenze hin. Eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 670 macht das Markgräflerland zum ältesten Weinbaugebiet Badens. Eine weitere Urkunde aus dem 8. Jahrhundert belegt, dass das Kloster St.Gallen zu jener Zeit Weinberge in Ebringen und Pfaffenweiler besaß. Im Mittelalter teilten sich den Rebbesitz im Markgräflerland verschiedene Klöster. Zu dieser Zeit wurde der so genannte Heunisch angebaut, eine Rebsorte, die man heute nicht mehr kennt, später kamen dann der Elbling und der Burgunder dazu. Im Jahre 1780 führte Markgraf Karl Friedrich in seinem Land den Gutedel ein. Das Markgräflerland ist das einzige Gutedelanbaugebiet in Deutschland. Die Rebanbaufläche dieses Gebiets beträgt nunmehr 3016 Hektar.

Es ist aber nicht nur der Wein, der hier an den Rebhängen entlang der Badischen Weinstraße gedeiht und in den Kellereien ausgebaut wird, es ist auch die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren vielen Gemeinden, die zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz hat und dieses Land, durch das diese Straße verläuft, zu einem lohnenden Reiseziel macht.

Schon die Römer, die im ersten Jahrhundert das heutige Südwest-Deutschland besiedelten, schätzten die heißen Quellen von Baden-Baden. Kaiser Caracalla ließ hier zu Beginn des zweiten Jahrhunderts für seine Soldaten Badeanlagen errichten, deren Reste man noch besichtigen kann. Die Anlage wurde im Jahre 1847 entdeckt; sie ist ein anschauliches Beispiel für die antiken Thermen. Leider ist der größte Teil der Ruinen des römischen Thermengebäudes überbaut. Aber viel eindrücklicher wirbt der kaiserliche Name heute für die wohl eleganteste und aufwändigste Einrichtung dieser Art in Europa: die 1985 eröffnete Caracalla-Therme. Die Baden-Badener Quellen seien wahre Geschenke der Natur, so wird immer wieder gesagt, aus einer Tiefe von etwa 2000 Metern kommt das heilkräftige Wasser und spült heilsame Mineralien an die Erdoberfläche. Täglich sprudeln etwa 800000 Liter Wasser empor, das noch bis zu 68 Grad heiß ist.

Kurhaus Baden-Baden

Zu Beginn des 19 Jahrhunderts entwickelte sich Baden-Baden zu einem der berühmtesten Kurorte Europas – eine sehenswerte Stadt mit einer reizvollen Umgebung. Besonders die Spielbank, die größte und älteste in Deutschland, avancierte zu einem Treffpunkt der internationalen Gesellschaft. Von der fast zwei Kilometer langen Lichtentaler Allee entlang der Oos, der historischen, von exotischen Bäumen gesäumten Promenade, führt eine breite Freitreppe zum Kurhaus und zum Casino. Der kleine Fluss Oos wurde von den Kelten Ausava genannt, das heißt „leuchtendes Wasser“. Das Kurhaus, ursprünglich „Konversationshaus“, entstand in den Jahren 1821 bis 1824 nach den Plänen von Friedrich Weinbrenner. Außer den vielen Hotels, den Reit-, Golf- und Tennisanlagen, die zu einem Weltkurort gehören, und den medizinischen Badeanstalten, wie das im Renaissancestil erbaute Friedrichsbad oder das moderne Caracallabad, findet der Besucher eine Reihe interessanter Baudenkmäler verschiedener Stilepochen. Da steht inmitten eines Parks die ehemaligen Residenz des Markgrafen von Baden, in der früher das Zähringer Museum und die stadtgeschichtliche Sammlung untergebracht waren, da sind Kirchen wie die Russische Kirche und die Bernharduskirche, beide im byzantinischen Stil erbaut, oder die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene griechisch-orthodoxe Stourdza-Kapelle. Nennenswert ist auch die 1864 erbaute evangelisch-lutherische Kirche. Freunde der Kunst haben Gelegenheit, in der Staatlichen Kunsthalle wechselnde Ausstellungen oder in der benachbarten, neu errichteten Sammlung Frieder Burda Kunst von Weltrang zu besichtigen. In dem im Stil der Pariser Oper erbauten und 1992 nach einer aufwändigen Sanierung wiedereröffneten Theater agiert ein festes Ensemble. Hier wird stets ein abwechslungsreiches Programm geboten: Theateraufführungen, Konzerte, literarische Abende, Tanzveranstaltungen, Schlosshofserenaden sowie Kleinkunst. Im April 1998 ging ein lang gehegter Wunsch der Baden-Badener in Erfüllung: Das Festspielhaus wurde eröffnet. In den Jahren 1992 bis 1994 kam es zu einer umfassenden Renovierung und Erweiterung des Kongresshauses, es verfügt nunmehr über zwölf Seminarräume, drei großen Auditorien und großzügigen Ausstellungsflächen. Im Sommer 2003 konnten nach achtjähriger aufwändiger Sanierung die römischen Badruinen, Überreste eines Soldatenbades aus dem ersten Jahrhundert, wieder zugänglich gemacht werden.

Baden wie einst die Römer: in der Caracalla-Therme

Die Landschaft um den Weltkurort ist vielgestaltig, sie reicht von den mit Reben bewachsenen Vorbergen bis hinauf zu den dicht bewaldeten Bergen des Schwarzwaldes. Der 568 Meter hohe Battert, ein zerklüfteter Porphyrfelsen nordöstlich der Stadt, bietet ideale Klettermöglichkeiten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Nur wenige Kilometer entfernt überragt, von Wald umrahmt, die Ruine Ebersteinburg die umgebenden Berge. Das Schloss war einst Stammburg des alten Geschlechts der Grafen von Eberstein, dann im 13. Jahrhundert der Markgrafen von Baden. Südlich der Gemeinde Ebersteinburg liegt die bizarre Wolfsschlucht, das urromantische Vorbild für Webers „Freischütz“. Nicht weit entfernt soll einer Legende zufolge von der Engelskanzel, einem imposanten Felsmassiv, auf dessen Gipfel ein Steinkreuz steht, ein Engel gegen die verführerischen Reden des Teufels gepredigt und auf dem gegenüberliegenden Felsen, der Teufelskanzel, der Teufel das Christentum verdammt haben.

Neues Schloss

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Battert-Naturschutzgebiet befindet sich das Alte Schloss. Schon seit dem 16. Jahrhundert ist es eine Ruine. Die ältesten Teile des Gebäudes, die Oberburg oder der Hermannsbau mit dem Bergfried, wurden im 11. bzw. zu Beginn des 12. Jahrhundert als Burg Hohenbaden erbaut. Von der Plattform des Turmes und vom Mauerkranz bietet sich eine herrliche Aussicht auf das Rheintal und die Vogesen.

Das landschaftliche Wahrzeichen Baden-Badens ist der 668 Meter hohe Merkur. Zahlreiche Wanderwege mit schönen Ausblicken führen zu dem ebenmäßig geformten Kegel, der seinen Namen dem Fund eines altrömischen Votivsteins für den Gott Merkur verdankt. Eine Kopie dieses Steins mit dem Konterfei des griechischen Gottes ist an der Südseite des Merkur-Aussichsturms angebracht. Vom Bahnhof Merkurwald führt eine der steilsten Standseilbahnen Europas zum Gipfelbahnhof.

Blick vom Weingut Eckberg Baden-Baden in den Nordschwarzwald

Von hier oben reicht der Blick zu dem 623 Meter hohen Kleinen Stauffenberg und zu der ehemaligen Ritterburg Eberstein. Ganz in der Nähe ist der Grafensprungfelsen: Nach einer Legende soll von hier der Graf Wolf von Eberstein mit seinem Pferde über die Murg gesprungen sein. Im Schlossgut Eberstein kredenzt man als Weinspezialität „Eberblut“. Vom Cäcilienberg, einem Ausläufer des 414 Meter hohen Leisbergs, bietet sich eine gute Sicht auf den Baden-Badener Stadtteil Lichtental mit dem im Jahre 1245 gestifteten Zisterzienserkloster. Der Chor der Abteikirche zeigt Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurden 1946 freigelegt. In der Nähe des Klostergebäudes wohnte von 1845 bis 1871 Johannes Brahms. Es ist die einzige noch erhaltene Wohnstätte des Komponisten in Deutschland.

Ein großartiger Ausblick auf das Rebland, die Rheinebene und die Vogesen bietet sich vom Aussichtsturm des 524 Meter hohen Fremersberg. Das Klostergut Fremersberg, ein ehemaliges Franziskanerkloster, wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaut. Westlich des Berges liegt in einem ehemaligen Steinbruch der idyllische Vormberger See.

Das Klostergut Fremersberg, von der Südseite aus gesehen

Über die Winzergemeinde Varnhalt, vorbei an der ehemaligen Ritterburg Yburg, führt die Badische Weinstraße zu einer der größten Weinbaugemeinden Mittelbandes, nach Neuweier. Die Rebkulturen dieser Gemeinde waren bereits im 16. Jahrhundert bekannt. Die Yburg, deren Grundmauern aus dem 12. Jahrhundert stammen, wurde 1689 zerstört. Die Weine der Reborte Varnhalt, Umweg, Neuweiher und Steinbach werden nach einem verbrieften Recht in Bocksbeutelflaschen abgefüllt. Der 1816 verstorbene Neuweierer Schlossherr Freiherr von Knebel war gleichzeitig Bischof von Eichstätten in Mittelfranken. Vom Frankenland her schätzte der Freiherr wohl den Bocksbeutel und ließ deshalb den Wein seines Gutes ebenfalls in solche Flaschen abfüllen. Als besondere Spezialität dieser Gegend gilt der Mauerwein, der beim Schloss Neuweiher gezogen wird.

Varnhalt wurde bereits im Jahre 1368 erstmals erwähnt. Besonders zu beachten ist ein Weinlehrpfad, der mit Findlingen und entsprechenden Schrifttafeln mit Lagebezeichnung und Weinsorten versehen ist. Ältester überlieferter Lagename von Steinbach ist „Stich den Buben“. Die Bezeichnung geht zurück auf den Meisterkoch Hans Stichdenbuben, der im 15. Jahrhundert im Diensten des Markgrafen Karl I. von Baden stand. Dieser verlieh dem Koch für seine „allzeit willigen und getruwen Dienste“ ein Rebgrundstück.