Cover

Inhaltsverzeichnis
 
Buch
Autoren
Einleitung
 
Franz von Assisi
Bruder Klaus von Flüe
Hildegard von Bingen
Therese von Konnersreuth
Osho
Moses und die Entstehung des Monotheismus
Zur Übermittlung dieser Seelenlehre
 
ANHANG
Copyright

Buch
Ausgehend von Trancebotschaften aus den kausalen Welten haben das Medium Varda Hasselmann und ihr Energiepartner Frank Schmolke fünf historische Persönlichkeiten ausgewählt, die auf jeweils unterschiedliche Weise das spirituelle Empfinden unserer Kultur prägten: Franz von Assisi, Niklaus von Flüe, Hildegard von Bingen, Therese von Konnersreuth und Osho Rajneesh. Jede Gestalt wird anhand ihres Seelenmusters vorgestellt und ihr Wirken und Nachwirken im Licht der jeweiligen Inkarnationsaufgabe beschrieben. Die Autoren entschlüsseln Vor- und Nachleben der Seelen, erläutern deren Entwicklung sowie die medial geschauten seelischen Eindrücke. Der Leser erhält einen völlig neuen Zugang zu den seelischen Mustern außergewöhnlicher Lebensläufe und ein tief reichendes Verständnis ihrer Persönlichkeitsstrukturen.

Autoren
Dr. Varda Hasselmann, geboren 1946, wuchs in Italien auf. Sie entschied sich gegen eine Universitätskarriere als Romanistin und für den Ausdruck ihrer außerordentlichen medialen Begabung. Seit 1983 arbeitet sie als Trancemedium.
 
Frank Schmolke, geboren 1944, ist Studienrat und Heilpraktiker. Gemeinsam leiten sie Veranstaltungen zur Thematik der seelischen Archetypen und der Seelenfamilie.
 
Bei Goldmann sind von Varda Hasselmann und Frank Schmolke bereits erschienen:
 
Archetypen der Seele (12223 und 21516)
Weisheit der Seele (12262)
Welten der Seele (12196)
Die Seelenfamilie (21529)
 
 
sowie von Varda Hasselmann:
 
Die Seele der Papaya (21522)

Einleitung
In diesem Buch stellen wir unseren Lesern eine gänzlich neue Betrachtungsweise der seelischen Entwicklung des Menschen vor. Sie ist in dieser Präzision und Klarheit revolutionär.
Wir haben fünf Persönlichkeiten ausgewählt, die auf unterschiedlichste Weise das spirituelle Empfinden unserer Kultur geprägt haben: Franz von Assisi, Bruder Klaus von Flüe, Therese von Konnersreuth, Hildegard von Bingen und Osho (Rajneesh Chandra Mohan, »Bhagwan«). Alle werden mit ihren seelischen Archetypen, ihrer Seelenfamilie und ihrer Entfaltungsaufgabe vorgestellt. Die Archetypen werden exemplarisch erläutert und mit Charakter, Lebensweg und Wirkung der historisch überlieferten Persönlichkeit in Beziehung gesetzt. Mit diesem Vorgehen ergänzen wir erstmals das in unserem Buch Archetypen der Seele1 vorgestellte theoretische Lehrgebäude mit anschaulichen, nachvollziehbaren Erläuterungen. Darüber hinaus war es uns wichtig, mehrere Vorleben dieser Persönlichkeiten, die der Bewältigung der jeweiligen seelischen Entfaltungsaufgabe dienten, ausführlich vorzustellen.
Die Auswahl dieser fünf Menschen, die das religiös-spirituelle Erleben unseres Kulturkreises geprägt haben, geschah zunächst entsprechend unserem eigenen Interesse. Zum Beispiel legten zahlreiche Aufenthalte in Assisi uns nahe, nach der seelischen Dimension des heiligen Franz zu fragen, so wie die Quelle es uns lehrt2. Darüber hinaus war es uns wichtig, dass für alle Persönlichkeiten genügend biografisches Material vorlag. Denn nur anhand der Überprüfbarkeit historisch gesicherter Fakten, die das äußere Wirken dieser bedeutenden Gestalten belegen, werden die hier zusätzlich ermittelten seelischen Aspekte ihres Daseins nachvollziehbar und plausibel. Hilfreich waren dabei gut recherchierte Fernseh-Dokumentationen, aber auch ausführliche Lektüre sowie im Fall von Osho unsere persönliche Erfahrung.
Seit 1982 erhalten wir Informationen von einer transpersonalen Wesenheit, die sich durch das Medium Varda mitteilt. Wir bezeichnen sie als die Quelle3. Die empfangenen Botschaften breiten eine neue, umfangreiche Seelenlehre vor dem Hintergrund einer in sich schlüssigen Kosmologie vor uns aus. Sie wurde bislang in vier Bänden vorgelegt. Das neue Buch, Wege der Seele, dient vor allem der Vertiefung jener Aspekte dieser Seelenlehre, die das Phänomen der Seelenalter und die Entfaltungsaufgaben der jeweiligen seelischen Entwicklungsstufen betreffen 4.
Nach Auffassung der Quelle wird der Mensch definiert als ein Zusammenspiel von Körper, Geist, Psyche und Seele. Diese vier Dimensionen erschaffen in jedem Leben ein neues Ich. Die Kreation eines jeweils neuen Ichs ist eine höchst wertvolle Leistung eines jeden Menschen in jedem Leben und darüber hinaus ein bleibender Schatz in den Welten der Seele.
Menschliches Wissen ist notwendigerweise eingeschränkt. Von den vier genannten Dimensionen ist der Körper am besten erforscht. Unser Wissen über den Körper hat im Laufe der letzten Jahrzehnte stark zugenommen. Auch über den Geist und die Psyche des Menschen sind uns viele Erkenntnisse zugewachsen. Aber die Seele ist weithin ein vages, unbekanntes, ja sogar scheinbar okkultes Phänomen geblieben. Dadurch entsteht ein starkes Ungleichgewicht im Verständnis der Menschen von sich selbst. Die zeitlich überdauernde Dimension der Seele wird vielfach nicht wahrgenommen und ihre Realität nicht selten sogar geleugnet. Aber ohne die Wahrnehmung seelischer Realität sind eine wahre Ganzheitlichkeit und ein angemessenes Verstehen von Menschsein nicht erreichbar.
Wir trennen auf Geheiß der Quelle begrifflich zwischen Seele und Psyche. Psyche ist demnach ein vergängliches, nicht körperliches Organ, das uns in Stand setzt, Ängste zu verarbeiten. Eine gesunde Psyche kann Ängste relativ gut verarbeiten, eine weniger gesunde oder weniger gereifte hat damit Probleme. Seele hingegen ist unvergänglich; sie kennt keine Angst und kann daher Leben planen und durchführen, die nach menschlichen Maßstäben körperlich und psychisch sehr unangenehm sind, dennoch aber seelisches Wachstum fördern.
In der Dynamik zwischen dem Willen des Ichs und dem Wollen der Seele setzt sich die Seele letztlich immer durch. Daher ist Verlass darauf, dass ein Inkarnationszyklus immer und von jeder Seele erfolgreich abgeschlossen werden kann. Seele ist damit der Garant einer Sinn stiftenden Existenz jedes Menschen.
Das Phänomen, dass Geist, Körper und Psyche eine natürliche Entwicklung durchlaufen, die man beschreiben kann, ist uns vertraut. Der Körper eines Embryos macht von Tag zu Tag, von Woche zu Woche eine vorhersagbare präzise Entwicklung durch. Und jeder von uns wird mit jedem Geburtstag ein Jahr älter, egal ob er oder sie das mag oder nicht, das heißt, es handelt sich um ein Gesetz von Entwicklung, dem der Mensch folgen muss. Die Psyche reift mit jedem Erlebnis heran und entwickelt sich mit dem Älterwerden des Körpers. Ebenso entfaltet sich der Geist mit Hilfe von Erfahrung, Schulung, Begegnung.
Wir hören nun von der Quelle, dass auch die vierte Dimension des Menschen, eben seine Seele, einem genauen Entwicklungsplan unterliegt, den der lebendige Mensch erfüllen muss und erfüllen will. Nur entwickelt sich die Seele in etwa achtzig bis hundert Einzelinkarnationen über mehr als achttausend Jahre hinweg in immer neuen Körpern, neuen Psychen und neuen Dimensionen von Geist. Dies bedeutet, dass seelische Entwicklung erst wahrnehmbar wird, wenn mehrere Leben einer Seele ins kognitive Bewusstsein treten. Das ist in unserer heutigen westlichen Gesellschaft nicht leicht und ist auch bei weitem (noch) nicht selbstverständlich.
Dabei ist wichtig, dass psychische und seelische Entwicklung getrennt wahrgenommen und dann in ihrem Zusammenspiel verstanden werden. Wir begegnen immer wieder sehr alten Seelen, die eine ausgesprochen unreife Psyche besitzen, und wir kennen deutlich jüngere Seelen bei Menschen, deren Psyche bereits ein reifes Entwicklungsstadium erreicht hat. Nach unserer Erfahrung wird Menschsein gerade dadurch viel tiefer verstehbar, dass die Spannungen, die durch diese »Widersprüche« in einem Menschen entstehen, durch die Seelenlehre der Quelle ganz neu nachvollziehbar und akzeptierbar werden. Dies kann zu einer großen Erleichterung und einem völlig neuen Selbstverständnis führen, wie wir immer wieder zu unserer Freude beobachtet haben.
Der Entwicklungsweg einer jeden menschlichen Seele ist wie die körperliche Entwicklung in ihren Rahmenbedingungen präzise vorgegeben und im Einzelnen nahezu unendlich variabel erfüllbar. Durch unsere Arbeit ist uns deutlich geworden, dass jede Entwicklung duale Bedingungen benötigt: einerseits verlässliche, vorgegebene gesetzmäßige Abläufe im Allgemeinen und andererseits eine große Zahl möglicher frei zu gestaltender Abläufe im Detail – so wie man auch in der Erziehung von Kindern einerseits klare Maßstäbe setzen und andererseits Freiheit lassen muss und dies jeweils entsprechend dem Entwicklungsstand des Kindes neu einrichten sollte. Zu viel Freiheit schadet und zu wenig auch, das heißt, es gibt in der Mitte ein jeweiliges Optimum für die Entwicklung.
So sind die Rahmenbedingungen seelischer Entwicklung des Menschen vorgegeben durch die fünf Seelenalter5. Diese haben wir in Zusammenarbeit mit der Quelle analog zur körperlichen Entwicklung jeweils als Zyklus der Säugling-Seele, der Kind-Seele, der Jungen Seele, der Reifen Seele und der Alten Seele bezeichnet. Jeder dieser Zyklen hat sieben Entfaltungsstufen, sodass der Gesamtablauf des Entwicklungsweges der menschlichen Seele 35 einzelne Schritte kennt. Jede dieser Stufen wird von einer Entfaltungsaufgabe dominiert, die am Ende der Stufe bewältigt sein will. Jede Stufe kann zwei bis vier Leben in Anspruch nehmen. Keine der Stufen kann übersprungen werden. Wir betonen außerdem immer wieder, dass seelische Entwicklung nur in sehr geringem Umfang beschleunigt werden kann. Die Seele hat Zeit. Beschleunigung des Wachstums im üblichen Sinn bezieht sich nach unserer Erfahrung auf die schnellere Entwicklung psychischer Reife, wie sie in der Psychologie und in der therapeutischen Arbeitsweise verstanden wird. Zwei psychisch reife Menschen können aber durchaus sehr unterschiedliche Seelenalter haben. Dies wird im Laufe der Lektüre der Beispiele deutlicher werden.
Was bis jetzt vielleicht ein wenig theoretisch klingt, ist für uns sehr konkrete Wirklichkeit dadurch geworden, dass wir im Verlauf von vielen Jahren Seminararbeit Tausende einzelner Seelenalterbestimmungen durchgeführt haben und an jedem Menschen neu überprüft haben, wie weit diese Theorie trägt. Und wir haben sie immer wieder als erstaunlich wahr und hilfreich erlebt.
Die Überprüfung besteht unter anderem darin, dass eine Person im Seminar ihr Seelenalter und die entsprechende Entfaltungsstufe erfährt, also etwa: »Du hast eine Alte Seele, die sich auf der ersten Stufe des Alten Zyklus bewegt.« Außerdem erfährt der Teilnehmer die damit verbundene Entfaltungsaufgabe, also in diesem Beispiel: »Aus innerer Überzeugung gegen die geltende Moral handeln«. Dann erfolgen Hinweise der Quelle, an welchem Punkt dieser individuelle Mensch mit seiner Entfaltungsaufgabe steht und was die nächsten Schritte der Erkenntnis sein können.
Die Bewältigung der Entfaltungsaufgabe Alt 1 zum Beispiel folgt einem präzisen inneren Ablauf. Zuerst denkt man daran, gegen geltende Moral zu handeln, dann redet man darüber, und irgendwann kommt man auch ins Handeln. Dadurch wird statt einer von außen gesellschaftlich bestimmten Moral eine eigene innere Ethik neu gebildet, die sich allein aus der individuellen Wahrnehmung speist. Und am Ende muss man auch diese eigene Ethik wieder infrage stellen lernen. Dies ist die Abschlussleistung der Stufe Alt 1. Sie gipfelt in einem »Kulminationserlebnis«. Der gesamte Prozess nimmt in der Regel drei bis vier Leben in Anspruch; manchmal sind es nur zwei. Es handelt sich um den Einstieg in den Alten Zyklus der Seele, der in seinem gesamten Entfaltungsverlauf auf immer stärkere Beachtung und immer stärkeren Ausdruck der inneren, subjektiven Wahrheit gerichtet ist.
Es folgen hier einige Beispiele für Durchsagen, die Varda für Seminarteilnehmer des Seelenalters Alt 1 gemacht hat. Die entsprechende Entfaltungsaufgabe lautet: »Aus innerer Überzeugung gegen die geltende Moral handeln«.
Eine seelische Entfaltungsaufgabe darf zu ihrer Bewältigung nicht nur ein ganzes langes Leben in Anspruch nehmen, sondern sogar mehrere Leben. Und du bist jetzt am Anfang. Das bedeutet, es geht für dich in allererster Linie darum herauszufinden: Was sind denn überhaupt meine inneren Überzeugungen, wo finde ich Festigkeit in mir, und wo muss ich Flexibilität zulassen? Was brauche ich an Stabilität, und was brauche ich an Variabilität? Welche Überzeugungen habe ich von einem Menschen, den ich achten kann, übernommen, und welche Überzeugungen habe ich in mir selbst herausgebildet, die ich erfüllen muss, um mir ins Gesicht blicken zu können? Diese Fragen werden dich noch einige Jahre begleiten, und du wirst mit Recht und weil es so ist, wie es sein soll, an deinen eigenen Vorstellungen und Überzeugungen von dir und der Welt immer wieder unsicher werden. Denn was gestern gut und richtig war, muss morgen nicht gültig sein. Eine innere Überzeugung, die authentisch ist, darf sich mit jedem Atemzug ändern, weil du dich änderst und weil die Situation sich ändert und weil die Menschen, auf die du diese Überzeugungen anwenden kannst, sich ändern. Und doch gibt es im Laufe der Zeit für dich etwas, das unverrückbar wird, das sich nicht ändert. Dies zu entdecken wird dir Freude machen; du wirst dadurch viel innere Sicherheit erlangen und auf der Basis dieser Sicherheit auch den Mut finden, wirklich anderes zu tun als diejenigen, die Bestimmtes von dir erwarten, und nicht nur anderes zu denken und zu fühlen, sondern das innerlich als fest und unverrückbar Erfahrene in die Aktivität, in die Tat umzusetzen. Dein Seelenalter hat eine »Heiler«-Qualität (Energie 1). Deshalb wirst du in vielem, was du tust, hilfreich sein. Hilflosigkeit wird dich ansprechen, deine Impulse aktivieren. Und eines Tages wirst du einem Menschen helfen, ihn liebevoll schützen und unterstützen, der es angeblich überhaupt nicht verdient hat, und das wird dich tief befriedigen.
So wie du geschaffen bist, so wie deine Seele dich will und wünscht, verstößt du allein schon durch dein Dasein gegen einige Normen der Gesellschaft, in der du dich inkarniert hast. Dies war dir lange Zeit ein Schmerz und führte zu einer unangenehmen Verwirrung. Wenn du jetzt beginnst, dieses Anderssein und dieses Anderesbrauchen positiv zu sehen als eine Besonderheit, die dir Freiräume schafft und dich aus den engen Grenzen von festen Anschauungen und moralischen Regeln befreit, wirst du umso mutiger auch dementsprechend handeln. Du wirst dich immer wieder bereit finden, dem, was du als richtig und gut und passend empfindest, auch durch deine Handlungen Ausdruck zu verleihen und sie nicht im Bereich des Denkens und Fühlens zu belassen. Aber setze dich nicht unter Druck, wenn du spürst, dass die Angst zu handeln zu groß ist; dann lasse es sein. In jeder Hinsicht wirst du deiner Entwicklung förderlich sein, wenn du immer wieder überprüfst: Ist das, was von mir erwartet wird, auch wirklich das, was ich selbst erfüllen möchte?
Wir wissen, dass du bereits so viel neuen Mut gesammelt hast, dass mehr in deine Reisetasche nicht hineinpasst. Es ist also genug damit, und du hast bereits angefangen zu handeln, so wie es die Aufgabe deiner Seelenstufe erforderlich macht. Du tust, was dir gemäß ist; du wehrst dich gegen das, was dir nicht gemäß ist. Es gibt dem nicht viel hinzuzufügen. Achte nur darauf, dass du nicht übertreibst; achte darauf, dass du dir nicht wehtust und nicht gegen Windmühlenflügel kämpfst, denn das wird dir keine Freude machen. Unterscheide falschen Mut von wahrem Mut. Lies noch einmal die Geschichte von dem Ritter, der überall Feinde sah, wo keine waren, nur um sich als Ritter spüren zu können. Das hast du jetzt nicht mehr nötig. Setze dir neue Ziele, die mehr auf ein Altseelen-Leben gerichtet sind, und lasse dich nicht an die Front schicken, nicht von den anderen und nicht von dir selbst. Es gehört zu den Erfordernissen deines Seelenalters und deiner Stufe, gerade nicht das zu tun, was man von dir erwartet, sondern das, was du von dir erwartest, wenn du ganz mit dir übereinstimmst. Das sei deine einzige Wahrheit.
Du erfüllst deine Entfaltungsaufgabe auf vielerlei Weise und bist bewusst und unbewusst unablässig am Werk, gegen die geltende Moral zu denken, zu reden und zu handeln. Es wäre für deine Entwicklung wünschenswert und förderlich, wenn du nun auch mehr, als es bisher geschieht, andere ermuntern würdest, dasselbe zu tun. Du bist darin bereits sehr erfahren – so erfahren, dass es dir gar nicht mehr klar ist, wie vorbildlich du für andere auf andere wirken kannst. Wenn du also in Zukunft den Eindruck gewinnst, dass irgendjemand sich in Althergebrachtes, in Überholtes verstrickt, nicht loskommt von dem, was andere sagen könnten oder meinen könnten, nicht loskommt von Moden oder ideologischen Einstellungen, die nicht angemessen sind, dann erlaube dir einzugreifen. Deine pragmatische Mentalität wird dir ohne weiteres die Möglichkeiten aufzeigen, wann, wie und wo du solches tun kannst. Man wird dir und deiner inneren Autorität viel Gehör schenken. Es wird für dich stärkend und wärmend sein, wenn du merkst, dass du dem einen oder anderen Mitmenschen aus seiner unbewussten Moralitätsfalle herausgeholfen hast. Du hast viele Möglichkeiten, Alternativen aufzuzeigen; du hast viele Möglichkeiten, zurechtzurücken und klarzustellen, neue Wege zu weisen. Halte dich also nicht zurück. Du beobachtest scharf und nachhaltig und solltest mit den Ergebnissen deiner Beobachtungen nicht hinterm Berg halten.
Deine Entfaltungsaufgabe verlangt von dir in diesem Leben in allererster Linie, dass du dir deiner Besonderheit und deiner abweichenden, oft fast provozierenden Einstellungen bewusst wirst. Es geht also für dich nicht in erster Linie darum, dass du diesen Einsichten entsprechend handelst, sondern dass du dir darüber klar wirst: Du bist anders, du fühlst anders, und du denkst anders – und dass dies für dich nicht nur ungefährlich ist, sondern eine befriedigende Aufgabe. Höre also auf deine inneren Stimmen, und höre auf, so zu tun, als seiest du ein freundlicher Konformist. Versuche, kreativ anzuecken; versuche, deine zärtliche, provokative Art ein wenig mehr herauszustreichen. Sei nicht so schüchtern, wenn es darum geht, auch Unerhörtes oder sogar Freches zu äußern. Verstehe dies als ein Experiment, als einen spielerischen Versuch herauszufinden, wie deine Mitmenschen reagieren, wenn du auf fröhliche Weise ganz du selbst bist.
Du bist mutig, und du handelst immerzu gegen die geltenden Vorschriften, gegen alles, was du nicht anerkennst und was dir nicht einleuchtet, gegen alles, was dich stört und was dir nicht passt. Doch du tust dies sozusagen wie eine Schlafwandlerin, wie ein Kind, das des Nachts auf dem Dachfirst spazieren geht und am Morgen nichts mehr davon weiß. Wir wollen damit sagen: Dein Verstoßen gegen die geltenden moralischen Regeln ist dir seit deiner Kindheit zur Gewohnheit geworden, und wir wünschen dir, dass du in Zukunft das, was du auch im Sinne deiner seelischen Entwicklung unablässig tust, mit mehr Bewusstsein erfüllst, also nicht wie eine Schlafwandlerin handelst, sondern wie ein Mensch, der weiß, was er tut, und sich der Konsequenzen seines Tuns verantwortungsvoll bewusst ist. Dann wirst du erleben, dass es dir noch tiefere Befriedigung verschafft, in voller Absicht so zu sein, wie du bist, und dass du damit auch einige Mitmenschen dazu anregen kannst, sich aus dem engen Korsett der Normen zu befreien, um dafür neue Regeln, die individuell gestaltet werden, entwickeln zu können.
Es ist für dich von großer Wichtigkeit, dich in deinen Lebensäußerungen insofern von den meisten deiner Mitmenschen zu unterscheiden, als diese im Allgemeinen jenen Leuten mit Skepsis und Unglauben begegnen, die keine Probleme haben. Es gehört zu der Moralität deiner Gesellschaft und deiner Zeit, dass Menschen angeblich nur dann authentisch und wachstumsorientiert sind, wenn sie sich möglichst häufig mit schwierigen Problemen auseinander setzen und sich selbst als problematisch empfinden. Du verstößt also gegen die geltende Moral, indem du einen anderen Weg gehst, und du wirst dich bisweilen verteidigen oder gegen Neid oder Missgunst abgrenzen müssen – Gefühle, die du auf dich ziehst, wenn du dazu stehst, dass es dir gut geht. Und wisse, dass du dich damit keineswegs von Wachstumsherausforderungen frei hältst. Das Leben wird dir genügend andere Möglichkeiten anbieten als das, was wir geschildert haben und was nicht deines ist.
Die geltende Moral ist dir einerseits wichtig und andererseits unwichtig. Du bewegst dich wie ein Weberschiffchen zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Einerseits hast du ein großes Bedürfnis, dir selbst und anderen klar zu machen, was richtig und wichtig und sauber und gut ist, andererseits hat dir deine Lebenserfahrung gezeigt, dass die richtige, die wichtige, die saubere und gute Entscheidung nicht immer die beste ist. Und so lernst du nach und nach, dich nicht primär an den Vorschriften und äußeren Regeln der Moral zu orientieren, sondern deine inneren Regeln und deine ureigene Moralität zu entwickeln. Wir empfehlen dir nur, ein wenig häufiger von deinen inneren Einsichten zu erzählen, anderen Menschen davon zu berichten, wie du aufgrund bestimmter Vorkommnisse oder Einsichten deine Meinung zu diesem oder jenem, was du einst für richtig gehalten hattest, ändern musstest und wie es dir und deinem Reifeprozess gut getan hat, nicht immer auf den Grundregeln so genannter menschlicher Wohlanständigkeit zu beharren. Du hast da viel zu erzählen und anderen beizubringen. Für dich kann es interessant sein, dir im Detail verschiedene Moralauffassungen in deiner unmittelbaren Umgebung anzuschauen und diese Auffassungen daraufhin zu untersuchen, wie sie in Hinblick auf die Phänomene von Geburt, Erziehung, Ehe, Alter und Tod gestaltet sind. Und frage dich dann jeweils: Wie stehe ich dazu, wenn ich ganz und gar ehrlich mit mir bin? Und wage ich auch bisweilen – nicht immer, denn dein Modus ist ja »Zurückhaltung« -, dem einen oder anderen Menschen meine Auffassung anzuvertrauen, selbst wenn dieser Mensch anderer Meinung sein sollte als ich selbst? Wenn du dies bisweilen tust, wirst du deiner Entfaltungsaufgabe mehr als gerecht. Du musst dich dafür nicht besonders anstrengen.
Du lebst das letzte Leben auf dieser Stufe und stehst dadurch vor einem Abschluss, der dir im Laufe dieses Lebens noch einen besonderen Akt des Mutes abverlangen wird. Deine Suche ist die nach einer besonderen und ureigenen moralischen Anschauung, die sich im Laufe dieses Lebens zu einer nur auf dich zugeschnittenen Ethik entwickeln wird. Du bist bereits aus einem moralinsauren Umfeld in eine menschlichere Gemeinschaft übergewechselt und fühlst dich jetzt schon wesentlich wohler, weil du gegen die Auffassungen jener Menschen gehandelt hast, unter denen du aufgewachsen bist. Nun wirst du im Laufe der kommenden Jahre entdecken, dass auch die moralischen Regeln und Gesetze, die deine Freiheit zu bedeuten schienen, nicht hundertprozentig mit dem übereinstimmen, was du für richtig, für gut und für ethisch vertretbar hältst. Dieser Prozess wird lange dauern und wird dich in eine neue Freiheit führen, ohne dass du unbedingt diese aktuelle Gemeinschaft spiritueller Sucher verlassen musst. Die Prüfung wird darin bestehen, dass du innerhalb eines Gemeinwesens – ganz gleich, wie es beschaffen ist – deinen eigenen Standpunkt findest und ihn auch vertrittst und dementsprechend handelst.
An allen diesen Durchsagen fällt auf, dass trotz des gemeinsamen Rahmens der Entfaltungsaufgabe Alt 1, »Aus innerer Überzeugung gegen die geltende Moral handeln«, und trotz deutlich wiederkehrender Grundschritte dieses Erfahrungsweges jede Durchsage ganz individuell wirkt und auf einen konkreten Menschen bezogen ist. Weiter wird deutlich, dass es mehrere Leben dauert, diese Aufgabe zu erfüllen, und dass dem Menschen immer nur kleine nächste Schritte innerhalb der Entfaltungsaufgabe möglich sind. Seelische Entfaltung ist nicht auf Jahrzehnte hin angelegt, sondern auf Jahrtausende.
Varda als Medium macht also für jeden Seminarteilnehmer eine Durchsage zum Seelenalter. Dann befragen wir den Angesprochenen, ob das von der Quelle Gesagte etwas mit seiner eigenen Lebenserfahrung zu tun hat. Immer wieder sind wir über die überaus präzisen, stimmigen Rückmeldungen erstaunt. Allerdings sind diese Durchsagen nicht nur mental sehr einleuchtend, sie berühren den Zuhörer auch auf tieferen Ebenen, und deshalb ist es sinnvoll, vor einer umfassenden Rückmeldung einige Zeit verstreichen zu lassen und erst dann mit dem Teilnehmer darüber zu reden. Das Gespräch findet auf einem anderen Niveau statt, wenn jemand zunächst Gelegenheit hatte, seinen Alltag und sein Leben auf die Wahrheit der Durchsage hin zu überprüfen.
Dieses Vorgehen hat einen großen Vorteil gegenüber den herkömmlichen moralischen oder spirituellen Norm- oder Idealvorstellungen. Die Seelenalterangaben der Quelle sind präzise auf den seelischen Entwicklungsstand eines Menschen abgestimmt und daher tatsächlich erfüllbar. Sie zu erfahren bedeutet eine konkrete Wachstumshilfe. Wenn man hingegen einem Menschen etwa einen religiös begründeten Anspruch vor Augen hält, wie zum Beispiel die Forderung, bedingungslos zu lieben, ist er überfordert, falls er sich nicht auf der abschließenden Entfaltungsstufe Alt 7 befindet. Nur sehr wenige Menschen stehen jetzt am Ende ihres Inkarnationszyklus, und gerade sie besuchen nach unserer Erfahrung keine Wachstumsgruppen mehr.
Nur eine durch das Seelenalter eingrenzbare Gruppe von Menschen kommt zu unseren Seminaren. Die seelisch jüngsten sind Reif 2 und die ältesten Alt 5. Das ist das Spektrum an seelischen Entfaltungsstufen, die an unserer Arbeit interessiert sind, mit denen wir zahlreiche konkrete Erfahrungen gesammelt haben und die wir auch sinnvoll beraten können.
 
Als uns die Idee kam, einem größeren Lesepublikum, das unsere Seminare nicht besucht hat, eine grundsätzliche Vorstellung von der Seelenalter-Theorie und den Entfaltungsstufen zu vermitteln, mussten wir auf Persönlichkeiten zurückgreifen, die allgemein vertraut sind und deren historische Biografie einigermaßen bekannt und überprüfbar ist. Dabei haben wir besonderen Wert darauf gelegt zu erforschen, wie sich die Entfaltungsaufgabe von Leben zu Leben entwickelt hat und wann sie aus welchem Grund zu einem für die Seele befriedigenden Abschluss kommt, den die Quelle ein Kulminationserlebnis nennt.
Obgleich wir bei der Auswahl der historischen Persönlichkeiten unserem eigenen Interesse und unserer Intuition gefolgt sind, haben wir im Laufe der Arbeit mit Erstaunen und Dankbarkeit bemerkt, dass wir tatsächlich Menschen mit lauter verschiedenen Seelenaltern ausgewählt hatten, was der Breite des dargestellten Materials zugute kam. Dadurch gelangten wir auf neuartige Weise auch mit Seelen der Entfaltungsstufe Alt 6 und Alt 7 in Berührung, denen wir in unserem Alltag nicht begegnen.
Es sollten Männer und Frauen unter den Beispielen sein. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass Seele kein Geschlecht hat und die Wahl des Geschlechts vor der Inkarnation eng mit den vorgenommenen Entwicklungswünschen und inneren Notwendigkeiten einer Seele zu tun hat. Es mag auch wesentliches Verstehen unterstützen, wenn in den Durchsagen deutlich gemacht wird, dass eine männliche historische Figur weibliche Vorleben hatte und umgekehrt. Es ergab sich, dass mit einer Ausnahme alle ausgewählten Gestalten Alte Seelen waren. Für diese interessante Ausnahme, Therese von Konnersreuth, sind wir besonders dankbar, denn gerade an ihrem Beispiel haben wir viel gelernt.
Um dem Leser, der noch nicht mit der Seelenlehre der Quelle vertraut ist, eine Verständnishilfe zur Verfügung zu stellen, bieten wir im Folgenden einen kurzen Abriss an.

Die Archetypen der Seele

Die Seele des Menschen hat eine klare Struktur. Diese Struktur ist in ihrer Klarheit und grundsätzlichen Einfachheit den Einsichten der neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse ähnlich wie etwa der Struktur der DNS oder den einfachsten Bausteinen der Materie, den Leptonen und Quarks.
Die Quelle legt großen Wert darauf, dass das intellektuell-rationale Verstehen unserer Welt, das wir uns in Jahrhunderten mühsam erworben haben, beim Begreifen der Seele nicht aufgegeben werden muss, sondern vielmehr gerade hier auch mehr und mehr zum Tragen kommen sollte. Ein geradezu atavistisches Seelenverständnis passt nicht mehr in unsere moderne Welt und kann das Bedürfnis des neuzeitlichen westlichen Menschen, auch seine nicht sichtbare Seite zu integrieren, nicht befriedigen.
Wir haben in unserem Buch Archetypen der Seele diese seelische Struktur ausführlich vorgestellt. Sie kann hier für den Leser, der damit noch unvertraut ist, nur kurz rekapituliert werden. Für genaueres Verstehen bitten wir, im genannten Werk nachzulesen.
Die energetische Basis der seelischen Welten sind die sieben universellen Grundenergien. Durch sie bilden sich, vereinfacht gesprochen, in einer zweidimensionalen Projektion die 7 × 7 = 49 Archetypen (siehe die Übersichten im Anhang). Das heißt, es ergeben sich sieben Ebenen, und auf jeder Ebene sieben Archetypen. Diese 49 Archetypen sind die Grundbausteine der seelischen Struktur. Für jede neue Inkarnation wählt die Seele aus jeder Ebene einen Baustein. Daher hat die Seele eines jeden Menschen eine »Matrix« aus sieben Bausteinen, die in einem dynamischen Zusammenspiel seine Grundenergie von Geburt an bestimmen.
Alle Variablen der Matrix haben einen Pluspol (Liebe) und einen Minuspol (Angst). Das Pulsieren zwischen diesen beiden Polen macht die Lebendigkeit eines Menschen aus.
1. Die erste und grundsätzlichste Ebene der Matrix ist die der Seelenrolle. Sie ist grundsätzlich, weil sie im Gegensatz zu den anderen Archetypen in allen Inkarnationen gleich bleibt und also den Kern seelischer Identität darstellt. Für diese sieben Grundrollen wurden die Begriffe »Heiler« (Energie 1), »Künstler« (Energie 2), »Krieger« (Energie 3), »Gelehrter« (Energie 4), »Weiser« (Energie 5), »Priester« (Energie 6) und »König« (Energie 7) gefunden. Dabei ist wichtig, dass diese Wörter nur Hilfsgrößen der Bezeichnung darstellen. Das Reale ist die Energie dahinter. In unserer brasilianisch-portugiesischen Übersetzung der Archetypen stehen zum Beispiel ganz andere Wörter, aber es bleibt die gleiche Energie. Für die Überprüfung gilt es also, die Energieausstrahlung und das Verhalten einer Person zu befragen, um eine Bestimmung der Seelenrolle vornehmen zu können.
2. Die zweite Ebene der Matrix ist das Hauptmerkmal der Angst. Zur seelischen Grundausstattung gehört eine Grundangst, die als Lernhilfe zum Erreichen ihres Gegenteils, der Liebe, dient. Der Mensch lernt durch Kontraste. Und Angst ist das Kontrastmittel zur Liebe. Von einem »Hauptmerkmal der Angst« wird gesprochen, da diese Form der Angst verdeckt auftritt und nur das äußere Hauptmerkmal offensichtlich ist. So ist zum Beispiel das Hauptmerkmal »Gier« leicht zu beobachten, aber dahinter versteckt sich eine tiefe, alte Angst, lebensbedrohlichen Mangel erleiden zu müssen, und hinter »Hochmut« verbirgt sich eine tief verletzte Sensibilität und so weiter. Die Grundängste bilden den Mangel an der entsprechenden Grundenergie ab: »Selbstverleugnung« (1/Angst vor Versagen), »Selbstsabotage« (2/Angst vor Freude), »Märtyrertum« (3/Angst vor Wertlosigkeit), »Starrsinn« (4/Angst vor Veränderung), »Gier« (5/Angst vor Mangel), »Hochmut« (6/Angst vor Verletzung) und »Ungeduld« (7/Angst vor Versäumnis).
Zum Hauptmerkmal tritt ein Nebenmerkmal der Angst in einem Verhältnis von etwa 70: 30, zum Beispiel »Ungeduld« mit »Starrsinn«. Das Nebenmerkmal reguliert die engeren menschlichen Beziehungen, Nähe und Distanz im privaten Bereich.
3. Die dritte Ebene der Matrix betrifft die Entwicklungsziele: »Verzögern« (1), »Ablehnen« (2), »Unterordnen« (3), »Stillstehen« (4), »Akzeptieren« (5), »Beschleunigen« (6), »Herrschen« (7). Diese Ziele ergänzen einander in aufeinander folgenden Inkarnationen: zum Beispiel zuerst »Ablehnen« als Ziel, daraufhin »Akzeptieren«.
Die Entwicklungsziele entfalten eine selbsttätige Wirkung. Ihre Aspekte werden unter allen Umständen gelebt. So kann das Ziel »Akzeptieren« erfahren werden über Nicht-akzeptiert-Werden, Jasagerei, schädliches Akzeptierenwollen, Überfreundlichkeit, um akzeptiert zu werden, unkritisches Gewährenlassen, gütiges Verstehen und Verzeihen und so weiter.
4. Die vierte Ebene der Matrix betrifft den Modus, also die Art und Weise, wie das Energiemuster gelebt wird: »Zurückhaltung« (1), »Vorsicht« (2), »Ausdauer« (3), »Beobachtung« (4), »Macht« (5), »Leidenschaftlichkeit« (6) und »Aggressivität« (7).
Der Modus gibt dem Energiemuster die Farbe. Der Modus stellt die bestmögliche Art da, das Entwicklungsziel, aber auch die anderen Elemente des Seelenmusters zu fördern. Ein Mensch, dessen Seele den Modus »Leidenschaftlichkeit« gewählt hat, tut also nicht gut daran, sich um Zurückhaltung oder Vorsicht zu bemühen, weil das seinen Energieausdruck behindert.
5. Die fünfte Ebene betrifft eine seelisch geprägte geistige Grundeinstellung zu Welt, Wirklichkeit und Wahrheit: die Mentalität. Ein Mensch kann als »Stoiker« (1), »Skeptiker« (2), »Zyniker« (3), »Pragmatiker« (4), »Idealist« (5), »Spiritualist« (6) oder »Realist« (7) zur Welt kommen. Bei jeder Diskussion kann man beobachten, wie diese Grundeinstellung das Verhalten einem Problem gegenüber beeinflusst. Manche Mentalitäten stehen sich näher als andere: »Pragmatiker« können »Realisten« gut verstehen, »Spiritualisten« und »Idealisten« sind sich nahe. »Skeptiker« und »Idealisten« können sich in der Liebe mit ihren Sehweisen gut ergänzen, in ihrer Angst aber nur schwer verstehen.
6. Die sechste Ebene betrifft die Körperzentren: »emotional« (1), »intellektuell« (2), »sexuell« (3), »instinktiv« (4), »spirituell« (5), »ekstatisch« (6) und »motorisch« (7). Jeder Mensch verfügt über alle Zentren, aktiviert aber in bestimmten Situationen besonders zwei davon in einer festen Kombination. Das nennt die Quelle das Reaktionsmuster, also zum Beispiel »motorisch-intellektuell« oder »emotional-intellektuell«. In einer Stresssituation kann man diese Reaktionsmuster besonders gut an sich und anderen beobachten. Die Zentren stehen mit dem indischen Chakra-System in Verbindung, haben jedoch eine andere, nicht hierarchische Reihenfolge.
7. Die siebte Ebene, die uns hier besonders interessiert, betrifft das Seelenalter. Es gibt fünf Zyklen des Seelenalters: Säugling-Seele, Kind-Seele, Junge Seele, Reife Seele und Alte Seele. Da das Seelenalter für das Verständnis des vorliegenden Buches besonders wichtig ist, soll es hier ausführlicher besprochen werden.
Die seelische Perspektive ergänzt die bei uns weithin übliche biologisch-körperliche Sichtweise in einem dualen Sinn. Um diese seelische Perspektive einnehmen zu können, ist Folgendes wichtig: Seele existiert grundsätzlich erst einmal ohne Körperlichkeit in liebevoll selbstverständlicher Verbindung mit ihrer Seelenfamilie in einer Existenzform ohne Zeit und Raum.
Seelen möchten sich inkarnieren aus einem tiefen, in der Seele bereits angelegten Bedürfnis nach Entwicklung. Dabei muss jede Seele sich sieben Bedingungen von Inkarniertsein aussetzen, die uns Menschen selbstverständlich erscheinen, die es aber für ein ursprünglich Körperloses überhaupt nicht sind. Es sind Erfahrungsmöglichkeiten, die nur im Körper gegeben sind. Die Quelle sagt dazu:
Was den Menschen im seelischen Sinne ausmacht, ist zum einen die Bereitschaft zur Vereinzelung (Einsamkeit), zum zweiten die Bereitschaft, einen verwundbaren Körper zu bewohnen, zum dritten die Bereitschaft, mit physischem Leben und physischem Tod in Berührung zu kommen, zum vierten der Mut, sich in Karma als Prinzip von Ursache und Wirkung zu verstricken und sich wieder daraus zu lösen, fünftens, die Begrenztheit von Raum- und Zeitempfinden in Kauf zu nehmen, sechstens, die Auseinandersetzung mit der Materie aufzunehmen, und siebtens, unablässig Entscheidungen zu treffen.
Diese Bedingungen sind die Voraussetzungen für den Lernweg im Körper und energetisch wiederum rückbezogen auf die sieben Grundenergien. Nur wenn wir einmal den außerkörperlichen Standpunkt einnehmen, können wir unsere eigene spezifisch menschliche Leistung, einen Inkarnationszyklus trotz der damit verbundenen Ängste und Schmerzen zu bewältigen, angemessen würdigen und gleichzeitig eine neue Sinnhaftigkeit dieses Prozesses für uns in Anspruch nehmen.
Es dürfte deutlich geworden sein, dass »Entwicklung« eine zentrale Kategorie dieser Seelenlehre ist. Zum Verständnis dieses Systems ist also ein Verständnis von Entwicklungsprozessen notwendig. Auch hier ist wiederum ein duales Verständnis des Vorgangs von entscheidender Bedeutung.
Unsere Gesellschaft ist nach langen historischen Kämpfen zu der Einsicht gelangt, dass alle Menschen gleich sind. Dies ist richtig und falsch zugleich, denn es stimmt auch, dass alle Menschen verschieden sind. Die Wahrheit ist dual. Für das tiefere Verstehen ist wichtig zu unterscheiden, in Bezug worauf Menschen gleich sind und in Bezug worauf sie verschieden sind. Recht verstanden sind alle Menschen gleich an Wert und Würde ihres Menschseins. Und zugleich sind alle Menschen verschieden in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Möglichkeiten usw. Wenn man den Menschen wirklich verstehen will, darf dies nicht durcheinander gebracht werden. Das heißt aber, dass ein Dreijähriger als Mensch nicht weniger wert ist als ein Dreißigjähriger, obwohl beide einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand haben. Das bedeutet aber auch, dass Hitler und Jesus trotz sonstiger krasser Unterschiede einen gleichen Wert als Mensch haben. Das machen sich viele als Konsequenz unserer modernen Auffassung von existenzieller Gleichheit nicht klar.
Diese Überlegungen sind von zentraler Bedeutung für das Verständnis von den Seelenaltern. Eine Kind-Seelen-Kultur tut Dinge (zum Beispiel vollzieht sie Menschenopfer wie bei den Mayas, Etruskern, in der minoischen Kultur auf Kreta usw.), die einer Reifen Seele oder Alten Seele ganz entsetzlich vorkommen und von ihr spontan und selbstverständlich moralisch verurteilt werden. Auf moralischer Ebene ist das begreiflich, aber die alleinige moralische Bewertung verhindert das seelische Verstehen. Denn – und das ist für viele schwierig – die seelische Entwicklung folgt nicht menschlichen moralischen Festlegungen, die ja in jeder Kultur anders sind, sondern sie folgt allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten, die den Sinn haben, Liebe zu lernen. Und Liebe lernt sich nach dem Gesetz der Dualität über die Kontrastwirkung zu ihrem Gegenteil, der Angst und ihren Folgeerscheinungen.
Daher lehnt eine Reife Seele bestimmte Dinge ab, die sie in früheren Inkarnationen selbst betrieben hat, weil sie die existenzielle Erfahrung gemacht hat, dass diese Verhaltensweisen destruktiv sind. Daher kann man sich leicht über andere moralisch entrüsten, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben. Von der körperlichen Analogie her gesprochen ist das so, als ob ein reifer Erwachsener sich über seinen pubertierenden Sohn aufregen würde, der völlig unsinnige und destruktive Dinge tut. Dieser Sohn muss aber, um erwachsen zu werden, Erfahrungen dieser Art machen, und dies weiß der Vater auf einer Ebene auch, obwohl er das Verhalten des Jüngeren vielleicht nicht zu Unrecht moralisch verurteilt. Pubertät kann man nicht abschaffen, auch mit den strengsten moralischen Regeln nicht, denn damit würde man Entwicklung zerstören, und das lässt die Existenz nicht zu. Denn das würde wirkliche Sinnlosigkeit kreieren. Wenn im Folgenden die Seelenalter vorgestellt werden, bitten wir also, nicht zu vergessen, dass alle Seelenalter Teil eines vorgegebenen seelischen Lernweges und daher »vor Gott gleich« sind, obwohl sie sich in ihren Verhaltensweisen und Anschauungen sehr unterscheiden.
Die Seelenalter sind also keinesfalls hierarchisch zu verstehen. Und ebenso gilt, dass unsere Quelle, eine wieder vereinigte Seelenfamilie, bestehend aus »Gelehrten« und »Weisen«, in der kausalen Welt der Seele zwar weiter entwickelt und daher liebevoller und kenntnisreicher, aber existenziell nicht »besser« ist als wir. Jedenfalls betont sie das immer wieder.
 
Eine Säugling-Seele lernt in ihren allerersten Inkarnationen als Mensch, was es überhaupt heißt, einen Säugetierkörper zu bewohnen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir behaupten nicht wie manche Biologen, dass der Mensch ein Säugetier sei. Denn nach unserer Lehre haben Tiere Tierseelen, die grundsätzlich anders sind als menschliche Seelen mit der beschriebenen Matrixstruktur. Ursprünglich muss ein Menschenaffenweibchen einst ein Menschenjunges geboren haben. Das heißt, ein Tierwesen mit einer Tierseele hat zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt ein Menschenwesen mit einer Menschenseele geboren, und dennoch waren diese beiden Wesen als Mutter und Kind biologisch sehr eng verwandt. Den Unterschied zwischen Menschenaffen und Menschen versteht man nicht wirklich ausschließlich über die biologische Entwicklung von Körpern.
 
Als Säugling-Seele (Energie 1, »Heiler«) also lernt ein Mensch, sich überhaupt erst einmal in der körperlichen Welt, die ihm ja völlig unvertraut ist, zurechtzufinden. Da hat man als Seele plötzlich diesen Körper, der Hunger kennt, sexuelle Bedürfnisse entwickelt, verletzbar ist und ganz besonders viel menschliche Nähe braucht, denn die bisherige selbstverständliche Verbindung zu den Seelengeschwistern ist abgebrochen und das Gefühl von Alleinsein und Ausgeliefertsein dadurch fast unerträglich. Man lebt somit in ganz engen Verwandtschaftsverbänden und will möglichst nie allein sein. Komplexe Gesellschaftsformen überfordern einen Menschen in diesem Entwicklungsstadium.
Die Verbindung zur unsichtbaren Welt wird über die Vorstellung von Geistern hergestellt. Animismus ist das angemessene Modell von Transzendenz. Mit den Geistern muss man sich vor allem gut stellen, denn sie machen Angst und sind gefährlich. Man ist ihnen ausgeliefert.
 
Als Kind-Seele (Energie 2, »Künstler«) hat der Mensch ein wenig mehr Selbstständigkeit und Zuversicht erworben. Sie ist ebenso wie ein Kind zwar noch unselbstständig, aber dennoch weiter entwickelt als ein Säugling. Ein Kind beherrscht bereits seine Körperfunktionen und teilweise seine Gefühle, und es ist ein Wesen, das unabhängig von den Eltern die Welt erkunden möchte, soweit es seine Angst erlaubt. Dabei ist es noch nicht fähig, sensibel und verantwortlich mit seinen Entdeckungen und Erkundungen umzugehen. Es findet einen schönen Käfer und reißt ihm ein Bein nach dem anderen aus, um herauszufinden, wie das ist. Das ist nicht bewusst böse gemeint. Kinder sind einfach oft liebevoll, ohne es zu wissen, und angstvoll, ohne es zu wissen.
Eine solche Grundstruktur findet sich analog auch bei der Kind-Seele. Dieses Seelenalter bildet kurzfristige Hochkulturen mit expressiven (Energie 2) künstlerischen Produkten, etwa reich verzierte Tempel, die allerdings die noch immer sehr starke Grundangst, die besänftigt werden muss, durch erschreckende Repräsentationen von Gottheiten und Geistern ausdrücken. Das zentrale Ritual dieser Seelenepoche ist das Opfer, zuerst Menschenopfer, später, bei sinkender kollektiver Angst, Tieropfer (Abraham). Westliche Forscher haben diese Kulturen oft idealisiert, in ihnen den Naturzustand des Menschen vermutet und waren schockiert, später Belege (zum Beispiel durch Schriftentzifferung bei den Mayas) für Menschenopfer und andere unerwartete Grausamkeiten zu finden.
Polytheismus ist die herrschende Religionsauffassung der Kind-Seelen. Diese als übermenschlich-menschlich vorgestellten Gottheiten sind deutlich abstrakter und entfernter als die Geister der Säugling-Seelen. Sie wohnen zum Beispiel auf dem Olymp, an der Schnittstelle zwischen Himmel und Erde und nicht mehr im Baum oder Fluss vor der Hütte.
Die Filmproduktion eines Landes spiegelt gut das kollektive Seelenalter. So produziert Bombay etwa mehr Filme als Hollywood, aber kaum jemand im Westen kennt sie, denn sie sind für ein indisches Kind-Seelen-Publikum gedrehte moderne Märchen. Sexualität ist dem Kindstatus entsprechend verpönt.
 
Im Stadium der Jungen Seele (Energie 3, »Krieger«) will ein Mensch über die Abhängigkeit und Hilflosigkeit des Kindalters der Seele hinauswachsen. Es geht jetzt um Ich-Stärke und Selbstbehauptung, um Durchsetzung des eigenen Willens, um Verfolgung langfristigerer Ziele, um Macht und Reichtum.
Die Analogie ist der junge Erwachsene etwa zwischen 18 und 35, in einer Zeit, da man sich vom Elternhaus löst, waghalsige Unternehmungen startet, sich eine Existenz aufbaut und mit anderen um die beste Position konkurriert. Auch hier sind Filme und Fernsehserien wieder aufschlussreich. Die Vereinigten Staaten als typisches Land Junger Seelen produzieren entsprechende Serien wie »Dallas« und »Denver«, Erfolgsgeschichten skrupelloser, schöner und reicher Erfolgsmenschen. Vom Tellerwäscher zum Präsidenten, man muss es nur wollen – das ist die Idealvorstellung. Und da die Mehrheit auf unserem Planeten Junge Seelen sind, wird Nordamerika für viele entweder zum Vorbild oder zum Hauptgegner. In den Augen Reifer Seelen ist vieles zu verurteilen, was Junge Seelen tun, zum Beispiel die Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt, und so ist die Beachtung ökologischer Werte stärker in jenen Ländern zu beobachten, die neben einem starken Anteil Junger Seelen auch einen beachtlichen Anteil Reifer Seelen beherbergen.
In ihrem Verhältnis zur Transzendenz kennt die Junge Seele drei verschiedene Haltungen: den Ahnenkult, den Monotheismus und den Agnostizismus oder Atheismus, das heißt die Leugnung einer Realität der Transzendenz. Ahnenkult und Monotheismus sind strukturell ähnlich. In beiden Fällen ist eine dominante Vaterfigur beherrschender Faktor der religiösen Anschauung. Im Sinne der Grundenergie 3 (»Krieger«) dieses Seelenzyklus geht es um bedingungslose Treue dieser vorgestellten Figur gegenüber, um vorgeblich göttliche Regeln, die exakt einzuhalten sind und dem Menschen eine Disziplinleistung abverlangen. Dies ist für Junge Seelen eine wichtige entwicklungsfördernde Neuerung gegenüber dem Kindalter der Seele. Außerdem sorgt Energie 3 dafür, dass diese Regeln kollektiv eingehalten und durchgesetzt werden. Die Junge Seele kann es von ihrer Angststruktur her noch nicht ertragen, dass es auch andere Wahrheiten als die eigene gibt. Deswegen ist sie strikt gegen Relativierung und Subjektivität in religiösen Anschauungen.
Gegen Ende des Zyklus der Jungen Seele ist die Ich-Stärke und Durchsetzungsfähigkeit der Welt gegenüber so gewachsen, dass auch diese göttliche Vaterfigur überflüssig erscheint und man gänzlich vom Ich bestimmt und ohne religiösen Hintergrund meint, leben zu können. Dies ist zum Beispiel die Einstellung einer großen Zahl später Junger Seelen in unserem Land. Es handelt sich um einen ersten Höhepunkt auf dem Entwicklungsweg der Seele. Man meint, schon angekommen zu sein.
 
Der Absturz in die Übergangszeit der frühen Reifen Seele (Energie 4) ist umso schmerzhafter. Eben war alles noch klar und einfach. Plötzlich wird alles zweifelhaft und unsicher. Die Quelle definiert Reife als die »Fähigkeit der Distanz zu sich selbst«. Die ersten drei Seelenalter sind in dem Sinne naiv, dass sie kaum Distanz zu sich selbst haben. Die neu erworbene Distanz führt dazu, dass nichts mehr so selbstverständlich ist wie noch in den kürzlich vergangenen Leben. Für die Reife Seele wird zur zentralen Frage: Und was stimmt für mich? Wie muss ich mich mir selbst und dem anderen gegenüber verhalten, dass es meinem jetzt weiterentwickelten Verständnis von Liebe und innerer Stimmigkeit entspricht?