Beziehungsfähigkeit

 

 

Das Prinzip der christlichen Ehe

 

 

 

 

 

Oscar Steinemann

 

 

 

Impressum

 

Beziehungsfähigkeit – Das Prinzip der christlichen Ehe

Copyright © 2021 Oscar Steinemann / blc-Verlag

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Stuttgarter Str. 106

70736 Fellbach

 

Lektorat: Tina Müller / https://tina-mueller.com/lektorat/

 

ISBN: 978-3-9822993-3-4

 

 

 

 

 

 

 

WIDMUNG

 

Für meine Ehefrau. Mit ihr darf ich schon das zweite Mal das Glück erfahren, einen Partner fürs Leben gefunden zu haben.

Inhalt

Vorwort

Die Ehe im Christentum

Die Ehe in der Bibel

Ehe in der Antike und im Frühmittelalter

Wandel im Hochmittelalter

Die Reformation (1500)

Die Liebesehe ab dem 18. Jahrhundert

Die Bedeutung der Ehe aus kirchlicher Sicht

Ist die Ehe ein Auslaufmodell?

Ein kleines, christliches Plädoyer für die Ehe zwischen Mann und Frau

Vor Problemen wegzulaufen ist nicht die Lösung

Seil aus drei Schnüren

Eine gesunde Basis

Dating Tipps – oder: wie finde ich einen Partner?

Ein Wort zur Vorsicht

Die Wahl des Portals

Die Erstellung des Profils

Die erste Ansprache

Der weitere Gesprächsverlauf

Das erste Treffen

Die 5 Säulen einer guten Beziehung

Vertrauen

Respekt

Liebe und ihre Facetten

Kommunikation in der Ehe

Der Spiegel

Nonverbale Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Ich-Botschaften

Sexualität und Bindung in der Ehe

Wann wird die Sexualität befriedigend?

Blockaden in der Sexualität

Scheidung

Eine friedliche Scheidung gibt es nicht

Narzissmus in Beziehungen

Narzissmus im Arbeitsleben

Wie kann ich mich wehren?

Gesunder Narzissmus

Die Stellung von Mann und Frau

Gemeinsame Spiritualität

Die Ehe ist Heilung

Schlusswort

Danksagung

ÜBER DEN AUTOR

Vorwort

 

Eines vorneweg: die perfekte Ehe gibt es nicht! Aber viele glückliche Ehen.

Eine gut funktionierende Beziehung ist immer noch einer der zentralen Eckpfeiler in unserer modernen Welt, die unser eigenes Wohlbefinden und Glück bestimmen. Das zieht sich sowohl durch die Kulturen als auch durch die Menschheitsgeschichte und ist somit Teil dessen, was uns als Menschen ausmacht. Mehr noch, stabile Familien können sogar über das Bestehen einer ganzen Kultur entscheiden.

Trotzdem scheint es immer mehr bei der Umsetzung dieses doch so wichtigen Grundbedürfnisses zu hapern. Warum nur haben wir in der westlichen Welt Scheidungsraten von bis zu 50 %? In Deutschland liegen wir meist zwischen 35 % und 40 %. Sind wir wirklich beziehungsunfähiger geworden? Auf den modernen Menschen stürmen so unglaublich viele Anforderungen ein, dass es dann ausgerechnet daheim, wo man sich doch Geborgenheit und Entspannung vom Alltag wünscht, gerne mal kracht.

Keiner möchte das, denn man ist ja zusammen, weil man sich eine Steigerung der Lebensqualität wünscht, ein Stückchen Glück eben.

Dieses Buch soll dabei helfen, dieses Glück zu bewahren und auszubauen. Es soll Handwerkzeuge liefern, damit das Projekt Ehe nicht nur gelingt, sondern ein Baustein zur eigenen Selbstverwirklichung wird. Dabei eines schon mal vorab: Den Begriff „Ehe“ können wir getrost erweitern um den Begriff „Beziehung“. Denn die Grundsätze sind immer die gleichen. Einiges aus dem Buch werden Sie vielleicht schon gehört haben. Gut so! Wir müssen Dinge immer wieder hören, damit wir sie in unser Leben einbauen. Genauso wie Sie eine Fremdsprache lebendig und verständlich halten, wenn Sie diese immer wieder anwenden, aktiv praktizieren, funktioniert auch eine gute Beziehung am besten durch Übung der richtigen Verhaltensweisen. Die Wiederholung ist ein sehr gutes Mittel, um diese im Alltag präsent zu halten.

Die hier enthaltenen Tipps und Vorschläge richten sich an alle Menschen, weil sie universell anwendbar sind. Trotzdem wird sich der christlich orientierte Mensch besonders angesprochen fühlen, weil ich immer wieder aus der Bibel zitieren werde. Die Konfession hat nichts mit diesem Buch zu tun, noch ist sie Bestandteil. Aber unsere westliche Kultur ist christlich geprägt und die Bibel ist ein wahrhaft zeitloses Buch, das die Menschheit schon tausende von Jahren begleitet. Sie ist immer noch überraschend aktuell, einfach, weil ihre Anleitung meist aus zeitlosen Grundsätzen besteht und es in der Verantwortung des Menschen selbst liegt, diese auf sein Leben umzumünzen. Die moderne Psychologie ist – wenig überraschend – sehr oft gut mit diesen Grundsätzen kompatibel. Trotzdem gibt es einige klare Standpunkte und so wird hier zum Beispiel der Fokus auf eine Stabilisierung der Ehe gelegt, wie man treu bleiben kann, und es wird nicht erklärt, wie man seine sexuelle Freiheit durch Seitensprünge ausleben kann.

Als Seelsorger in einer christlichen Gemeinde ist es meine Überzeugung, dass biblische Grundsätze allen Menschen dieser Welt helfen glücklicher zu leben, auch wenn sie selbst gar nicht an die Bibel glauben. Trotz diesem Fokus ist es kein biblisches Lehrbuch, sondern ein Beziehungsratgeber. Denn Beziehungsmanagement ist universell anwendbar und verbessert ganz allgemein unsere Interaktion mit dem Mitmenschen. Also ist ein Eheratgeber immer auch ein Ratgeber für das zwischenmenschliche Wohlbefinden, auch außerhalb einer Ehe. Und das ist letztendlich auch das Ziel dieses Buches. Das eigene Leben zu verbessern, es auf ein höheres, weil glücklicheres Niveau zu heben. Auch für Singles.

 

Die Ehe im Christentum

 

Die Ehe in der Bibel

Es gibt in der Bibel diverse Stellen, die sich mit dem Thema Ehe und dem Zusammenleben von Frau und Mann befassen.

Im Alten Testament ist oft davon die Rede, dass Mann und Frau sich zusammentun und nicht alleine durchs Leben gehen sollen. Das Alleinsein, die Absonderung als solche kann im Christentum als eine Urform des Unguten verstanden wissen. Das deutsche Wort "Sünde" stammt sprachgeschichtlich auch von "absondern", damit ist das Verlassen der Gemeinschaft mit Gott und den Menschen gemeint. Die Urbedeutung von „heilig“ hat allerdings ebenfalls etwas mit Absonderung zu tun, dann aber sinngemäß mit „abgesondert für einen guten Zweck“, oder „ausschließlich, eigen“. Im Laufe der christlichen Geschichte hat es dann seine eigenen Bedeutungen entwickelt.

Im Alten Testament liegt der Blick oft auf den Nachkommen und darauf, dass die Ehe fruchtbar werden möge, was ja auch das kulturelle Selbstverständnis bis in die Neuzeit hinein widerspiegelt. Schon in Genesis 1, 26-28 fordert Gott Mann und Frau dazu auf, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren. An manchen späteren Stellen im Alten Testament wird auch noch die Vielehe (ein Mann mit mehreren Frauen) zumindest beschrieben, wenn vielleicht auch nicht akzeptiert, während Jesus dann im Neuen Testament unmissverständlich klarstellt, dass Gott eigentlich von Anfang an einen anderen Plan mit den Geschlechtern hatte (vgl. Matthäus Kapitel 19, 3-6).

Nirgendwo in der Bibel gibt es zwar verbindliche Anweisungen darüber, wie genau die Schließung einer gültigen Ehe auszusehen hat, aber es gibt doch einige Faktoren, die als unumstritten und konstitutiv für eine Ehe betrachtet werden können.

So gab es etwa auch schon zu Jesu Zeiten Klarheit und Transparenz bezüglich der Anerkennung und Gültigkeit der Ehe, die nicht etwa nur den Brautleuten vorenthalten war. Es gab familiäre und auch quasi-öffentliche Gebräuche, die die Eheschließung legitimierten und Mann und Frau dann auch öffentlich als Brautpaar bekannt machten. Der genaue Ablauf dieser Eheschließungen unterlag dem kulturellen und historischen Wandel und ist nicht mehr genau zu rekonstruieren. Klar ist auf jeden Fall, dass die Eltern und die Großfamilie beim Zustandekommen und bei der Schließung der Ehe eine gewichtige Rolle gespielt haben.

Auch wenn Paulus davon spricht, dass man heiraten könne und solle, setzt er offenbar Kenntnis seiner Leserschaft über die Durchführung der Eheschließung voraus, ohne exakte Riten oder gesetzliche Bestimmungen zu benennen. "Im Herrn" müsse es geschehen (vgl. 1. Korinther 7, 39).

Im weiteren Verlauf des Neuen Testaments gibt es dann viele Stellen, in denen der Liebescharakter der Ehe betont wird und in denen sowohl der Mann als auch die Frau aufgefordert werden, sich gegenseitig zu lieben und "ein Fleisch zu werden". Damit war die Bibel ihrer Zeit weit voraus. Die wohl schönsten Verse über die personale Liebe zwischen Mann und Frau formuliert dann Paulus im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs, die wir später noch betrachten werden. Diese Stellen werden heute noch während vieler Trauerfeiern rezitiert.

Ehe in der Antike und im Frühmittelalter

In der hellenistisch und römisch geprägten Kultur der Antike konnten Ehen innerhalb derselben sozialen Schicht öffentlich geschlossen werden. Die Kinder, die aus dieser Verbindung entstammten, wurden als legitime Erben angesehen.

Dennoch waren die Männer weit von der Vorstellung entfernt, die Sexualität auf diese offizielle Ehefrau zu beschränken. Derartig monogame Gedanken waren sogar verpönt. Es war gesellschaftlich akzeptiert und erwünscht, dass der Mann neben der Ehefrau, die mehr geistige Partnerin, Hausfrau und gesellschaftliche Begleiterin war, mindestens eine Geliebte hatte. Mit dieser Geliebten, die einem niederen Stand entstammte, hatte er Geschlechtsverkehr und mitunter auch weitere Kinder, die aber nicht in gleichem Maße erbberechtigt waren wie die Kinder, die seine offizielle Ehefrau zur Welt gebracht hatte.

Die moralischen Vorstellungen wandelten sich dann unter dem Einfluss des Christentums, das nach dem Mailänder Toleranzedikt von 313 n. Chr. erstmalig erlaubt wurde und sich unter Kaiser Konstantin zur Staatsreligion entwickelte.

Ausgebreitet hatte sich diese neue Religion vor allem unter benachteiligten Personengruppen wie Frauen und Sklaven. Bisherige Praktiken wie blutige Gladiatorenkämpfe, Kindstötung (vor Erstarken des Christentums hatte der Vater das Recht, missliebige Kinder nach der Geburt zu töten), Sklaverei und auch die Polygamie wurden von nun an mehr und mehr geringgeschätzt und irgendwann ganz abgeschafft.

Die Ehe hatte von da an eine christliche Färbung, wurde aber als ein rein weltlicher Vertragsabschluss initiiert. Eine kirchliche Feier war möglich, aber nicht notwendig. Während dieser kirchlichen Zeremonie wurde nur der Segen Gottes erbeten für den Ehebund, der zu diesem Zeitpunkt schon Bestand hatte und nicht erst durch die Feier in der Kirche gestiftet wurde.

Mit Übergang von der Antike zum Mittelalter gewannen dann die Germanen mehr und mehr an Einfluss in Europa, während sich die Welt Roms mit ihrer Kultur im Niedergang befand und das Weströmische Reich dann auch im Jahre 476 unterging. Die Germanen hatten verschiedene Formen der Ehe entwickelt. Im Vordergrund stand die patriarchale Form der Muntehe, die unter freien Germanen und später im Mittelalter unter Adligen die am weitesten verbreitete Form der Ehe war. Bei der Muntehe ging die Frau gewissermaßen in den Besitz der Familie des Mannes über, der dafür einen Muntschatz zu entrichten hatte, der die Frau sozial absichern sollte für den Fall, dass er vor ihr starb.

Sinn dieser Vereinigung war also die Absicherung der Frau sowie das Schmieden eines politischen und wirtschaftlichen Bündnisses. Um persönliche Gefühle ging es dabei nicht. Daneben gab es noch die sogenannte Kebsehe, die ein freier Mann mit einer Untergebenen schließen konnte, bei der die Zustimmung dieser Kebsfrau als Sklavin oder Leibeigene nicht nötig war.

Wandel im Hochmittelalter

Nachdem im Frühmittelalter die staatlichen Autoritäten mehr und mehr zerfallen waren, übernahm die Kirche zunehmend die Rolle der Hüterin über Ordnung und Rechtmäßigkeit, wozu dann auch die Stiftung von Ehen und die Beachtung der ehelichen Rechtspflege gehörte. Seit dem 2. Laterankonzil von 1139 oder spätestens ab dem 2. Konzil von Lyon im Jahre 1276 wurde die Ehe zu den 7 Sakramenten in der Katholischen Kirche (Taufe, Beichte, Kommunion, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung) gezählt.

Als Sakrament gilt dabei nicht die einmalige Eheschließung, sondern die ab diesem Moment gelebte langjährige Verbindung zwischen Mann und Frau. Ein Sakrament ist eine symbolhafte Handlung, was die Gegenwart von vielen Zeichen und Symbolen bei der Spendung von Sakramenten verdeutlicht (Wasser, Licht, Ringe etc.). Sakramente stehen aber nicht wie normale Symbole für irgendeine andere Wirklichkeit (so wie etwa ein Logo für eine Marke steht), sondern sie sind Realsymbole, die die gemeinte Wirklichkeit wirklich realisieren und in Kraft setzen. Dadurch, dass Mann und Frau bei der Spendung des Sakraments der Ehe die Eheformel ("Ich nehme dich an als...") sprechen, wird der Bund der Ehe damit verwirklicht.

Nur Eheleute, die auf diese Weise vermählt wurden, durften nach Ansicht der Kirche als Ehepaar zusammenleben, andere Formen des Zusammenlebens galten als Unzucht.

Dennoch blieben Ehen in der Regel reine Zweckgemeinschaften, die dafür Sorge tragen sollten, dass die Frauen und Kinder sozial abgesichert waren. Dass die Frauen noch keine eigenständige Rolle übernehmen konnten und verheiratet wurden, sobald sie die Geschlechtsreife erlangt hatten, lag auch an der hohen Kindersterblichkeit und der hohen Kindbettsterblichkeit im Mittelalter. So wurde Albrecht Dürers Mutter etwa mit 15 Jahren verheiratet und bekam 18 Kinder, von denen nur drei nach ihrer Mutter verstarben.

Ein anderer Grund für die Verbreitung der Eheschließungen im Mittelalter war der Wunsch, die Sexualität auf diese Weise zu kontrollieren und einzudämmen. Höher angesehen war aber der zölibatäre Stand der Geistlichen. Dass die Ehe als Sakrament betrachtet wurde, hat den Frauen und ihren Rechten auf lange Sicht genutzt. Denn es setzte sich nach und nach die Auffassung durch, dass ein Sakrament nicht auf Zwang basieren kann und eine arrangierte Ehe, die gegen den Willen der Frau geschlossen wird, aus kirchlicher Sicht nicht gültig sein kann.

Die Reformation (1500)

Für Martin Luther war die Ehe ein „weltlich Ding“, das genau aus diesem Grund kein Sakrament sein könne. Als rechtliche Institution, die nicht von Jesus Christus gestiftet wurde, sondern älter ist als das Neue Testament, kann die Ehe kein sakramentales Heilswort Gottes an die Menschen sein. Gerade in der weltlichen Einrichtung der Ehe erfährt der Mensch immer wieder sein Scheitern und seine Erlösungsbedürftigkeit, so Luther. Nach lutherischem Verständnis ist Gnade immer reines Geschenk, das nicht wie die Ehe von menschlicher Bemühung abhängt. Er gesteht der Ehe durchaus eine religiöse Qualität zu, aber eher als „mysterion“, also als Geheimnis, wie er dem Epheserbrief entnimmt, und nicht als Sakrament.

Luther, der als Augustinermönch ein zölibatäres Leben gelobt hatte, brach dann auch persönlich mit der katholischen Lehre der Sakramente und ehelichte die (ebenfalls ursprünglich zölibatär lebende) ehemalige Nonne Katharina von Bora.

Damit bröckelte die Vorrangstellung der zölibatären Lebensweise. Ehe und Familie waren nun ein ebenso guter und heilvoller Weg, lehrten die Reformatoren. Die besondere Gnade Gottes war jetzt nicht mehr nur den Protagonisten des geistlichen Standes vorenthalten. Jede Ehefrau und jeder Ehemann konnte Gott auf gleiche Art und Weise gefallen, wenn sie oder er den Alltag in Beruf und Familie meisterte.

Luther blieb aber vehement bei der Vorstellung, dass die Sexualität eine Sünde sei. Die Ehe könne jedoch dazu genutzt werden, die Ausübung dieser Sünde in den Rahmen der geordneten Verbindung zwischen Mann und Frau einzuhegen. Die gesetzlichen Bestimmungen für diese Verbindung solle der Staat vornehmen, so Luther, die Kirche solle im Anschluss nur Gottes Segen auf die Brautleute herabrufen.

Die Liebesehe ab dem 18. Jahrhundert

Dass Ehen aus Liebe geschlossen werden und nicht aus anderen Beweggründen, erscheint uns heute selbstverständlich und alternativlos zu sein. Es gibt aber noch viele Regionen auf der Erde, in denen Ehen aus anderen Motiven heraus geschmiedet und eher arrangiert als freiwillig eingegangen werden, und auch in unserem Kulturkreis ist die Liebesehe eine relativ junge Erscheinung.

Das 18. und das 19. Jahrhundert brachten einen tiefgehenden Wandel auf vielen verschiedenen Ebenen mit sich. Zunächst sind natürlich die äußeren Revolutionen auf politischer Ebene zu nennen: die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776, die Französische Revolution 1789 und die Deutsche Revolution von 1848. Auf wirtschaftlicher und technischer Ebene ist die Industrielle Revolution zu nennen. Unzählige Neuerungen und Erfindungen fielen in diese Zeit wie etwa die Dampfmaschine, der Elektromotor oder die Fotographie. In geistig-religiöser Hinsicht war diese Zeit geprägt von der Säkularisierung, die durch die Revolutionen und später in Deutschland durch den Kulturkampf unter Bismarck noch mal verschärft wurde. Das Bürgertum erhob sich und nahm die einst scheinbar gottgegebene Ordnung nicht mehr hin.

Auf der Ebene der Kunst trat die Romantik ihren Siegeszug ab 1800 an. Da fielen die ersten Forderungen nach einer Ehe, die nicht mehr nur Sachzwängen untergeordnet und arrangiert war, sondern dem freien Willen zweier Liebenden entsprang, auf fruchtbaren Boden.

Die erste bekannt gewordene Stimme, die in diese Richtung abzielte, stammte von Jean-Jacques Rousseau, der in seinem Buch "Julie oder Die neue Heloise" von 1761 anmahnte, dass Zuneigung die Basis für ein gemeinsames Leben von Mann und Frau darstellen sollte und nicht wie ehedem die Pflicht.

Auch andere Schriftsteller der Literatur der Romantik wie zum Beispiel Bernardin de Saint-Pierre oder Friedrich Schlegel stießen mit ihren Romanen ins gleiche Horn.

In den folgenden Jahren verbreitete sich das Ideal einer Ehe aus freiem Willen und Liebe immer mehr, blieb aber weitgehend beschränkt auf die Schichten, die Zugang zu Bildung hatten. In großen Teilen der Gesellschaft verlief die Auswahl der Ehepartner wie gehabt nach wirtschaftlichen Kriterien oder innerhalb des eigenen Standes.

Die Frauenbewegung, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Bürgertum entstand, prangerte die nun abfällig „Versorgerehen“ genannten Arrangements in scharfer Weise an und nannte diese unsittlich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die traditionelle Ehe eine kurze Zeit der Renaissance, weil sich viele Menschen nach dem nationalsozialistischen Terror und den Wirren der Kriegszeit nach klaren Strukturen und einer beschaulichen Ordnung sehnten. Mit Aufkommen der 68er und der sexuellen Revolution und der Erfindung der Pille entkoppelten sich die Bereiche Ehe und Familie auf der einen Seite und Sexualität auf der anderen Seite. Die Folge davon waren eine neue Freiheit und die zunehmende Gleichberechtigung der Geschlechter, aber auch eine Erosion der bisherigen Ordnung, die sich aktuell unter anderem in ungefähr 150.000 Scheidungen pro Jahr in Deutschland niederschlägt. Nichtsdestotrotz bleibt die Ehe mit Gründung einer Familie ein Ideal für viele Menschen, was man auch an der großen Anteilnahme der Massen an Hochzeiten in den Königshäusern ablesen kann.

Die Bedeutung der Ehe aus kirchlicher Sicht

Die Katholische Kirche zählt ebenso wie die orthodoxe Christenheit die Ehe zu den sieben Sakramenten. Das Sakrament ist dabei nicht die einmalige Eheschließungszeremonie in der Kirche, sondern die fortwährende Verbindung der Gatten. Dementsprechend sind die Spender bei diesem Sakrament nicht wie bei den anderen Sakramenten Priester (oder Bischöfe) als Stellvertreter Christi, sondern die Eheleute selbst. Die Frau spendet dem Mann das Sakrament und der Mann der Frau.

Die kirchliche Eheschließung setzt ein hohes Maß an Liebe und Verständnis der Gatten untereinander voraus. Oftmals geht der Feier ein Ehekurs oder Ähnliches voraus, in dem die wesentlichen Aspekte erläutert werden. Dazu gehören die Einzigkeit, die Unauflöslichkeit und der gemeinsame Wunsch nach Kindern. Sind diese Punkte nicht gegeben oder im Vorfeld gar nicht thematisiert worden, liegt nach katholischem Eherecht kein hinreichender Ehewille vor. In diesem Fall kann zwar keine Scheidung ausgesprochen werden, aber eine Annullierung der Ehe, die damit als nicht existent betrachtet wird. Man kann aber auch kirchlich noch mal heiraten, wenn die Gattin oder der Gatte verstorben ist.

Die Führung der Ehe soll in gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Liebe erfolgen. Beide Parteien haben den Auftrag, an der Heiligung des Partners mitzuarbeiten und ein Ehe- und Familienleben nach christlichen Grundsätzen zu gestalten. Die Symbole und Symbolhandlungen bei der Zeremonie verdeutlichen die wichtigsten Aspekte: Die Eheleute streifen sich gegenseitig die Ringe an als Zeichen dafür, dass sie sich gegenseitig das Sakrament spenden. Der Ring selbst ist ein Symbol für die Unauflöslichkeit der Ehe. Der Priester legt seine Stola über die Hände der Brautleute als Zeichen für den Segen Gottes.

Eine evangelische Eheschließung ist keine sakramentale Handlung, sondern lediglich die religiöse Feier der vorherigen (standesamtlichen) Trauung. Das trifft meist auch auf die inzwischen große Anzahl von Freikirchen zu. Generell sollen sich nach allgemein christlicher Auffassung Frau und Mann gegenseitig ehren und lieben und nicht aus Sachgründen heiraten oder gar gegen ihren Willen verheiratet werden.

Wegen der grundsätzlichen Übereinstimmung im Eheverständnis sind konfessionsverschiedene Ehe längst kein Sonderfall mehr.

 

 

 

Ist die Ehe ein Auslaufmodell?

 

Eine mir so zugetragene Begebenheit, wie sie immer wieder auftreten mag: Die beiden Partner steckten in einer Beziehungskiste. Die Frau wollte nach gewisser Zeit des Zusammenseins unbedingt heiraten, ihr Freund aber auf gar keinen Fall. Es gelang ihr jahrelang nicht, ihn umzustimmen, bis beide eines Tages bei der Hochzeitsansprache einer Verwandten zugegen waren. Nach dieser Ansprache verkündete der Mann seiner verblüfften Freundin: „Ich bin einverstanden, dich zu heiraten.“ Verwundert fragten ihn seine Bekannten, woher denn der plötzliche Sinneswandel käme. „Weil ich bei der Ansprache erfahren habe, dass ich als Ehemann nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte habe!“

Das hört sich zunächst einmal amüsant an. Ob das aber vielleicht der Grund ist, dass das Heiraten heutzutage nicht mehr „in“ ist? Weil die Leute Angst davor haben, ihre Freiheit aufzugeben, nur Pflichten sehen und keine Entscheidung treffen möchten, die sie später vielleicht bereuen? Vielleicht haben sie das Gefühl, die eigenen Wünsche in der Ehe zurückstellen zu müssen. Das ist allerdings bis zu einem gewissen Grad in jeder Partnerschaft nötig, egal ob verheiratet oder nicht.

Trotzdem hat die Ehe ein etwas verstaubtes Image. „Warum soll ich mich binden, wenn wir auch so zusammenleben können? Es bringt mir doch keine Nachteile!“ „Um zu lieben, brauche ich doch keinen Trauschein!“. So oder ähnlich reagieren viele junge Menschen, wenn sie nach den Gründen für ihre Ehelosigkeit gefragt werden. Nicht selten fallen dann auch Schlagwörter wie Selbstbestimmung, Emanzipation oder Freiheit – Werte, die heutzutage einen hohen Stellenwert im Leben vieler genießen. Könnte es aber sein, dass wir ins andere Extrem fallen und es mit der Selbstliebe übertreiben? Und überhaupt: wer sagt denn, dass in der Ehe keine Selbstbestimmung, Emanzipation oder Freiheit möglich ist?

Wir fragen gerne als Erstes: Was bringt es mir? Sogar in Sachen Liebe. Ist das nicht berechnend, lieblos? Wir wünschen uns Wärme und Geborgenheit, sind wir aber auch bereit, selbiges zu geben? Wir wollen um unserer selbst willen geliebt werden, sind wir aber auch bereit, den anderen bedingungslos zu lieben? Extreme sind nie gut. Und narzisstisch geprägte Eigenliebe tötet Beziehungen genauso zuverlässig ab wie sich Zucker im Wasser auflösen wird.

Es ist kein Geheimnis, dass in einer Ehe nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Verheiratete sind „besonderen Belastungen ausgesetzt“, sagt die Bibel:

„Wenn du heiratest, begehst du jedoch keine Sünde. Das gilt für Männer wie für Frauen. Nur werdet ihr als Verheiratete besonderen Belastungen ausgesetzt sein, und das würde ich euch gern ersparen“ (1. Korinther 7,28, Hoffnung für alle)

Das war die Aussage des Apostels Paulus, er selbst wahrscheinlich Witwer, als er das niederschrieb. Probleme in der Ehe sind so alt wie die Menschheit selbst. Das wird jedes Ehepaar bestätigen können. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass dies auf alle unsere engeren Beziehungen zutrifft. Es stellt sich daher die Frage: Ist eine glückliche, lebenslange Ehe eine Utopie? Oder anders gefragt: Ist die Ehe ein Auslaufmodell?

Ein kleines, christliches Plädoyer für die Ehe zwischen Mann und Frau

Für Gott ist die Ehe eine heilige, dauerhafte Verbindung eines Mannes und einer Frau. Darüber lässt die Bibel keinen Zweifel. Sie hilft aber auch mit Rat, wenn es um unsere Beziehungen geht.

Im Epheserbrief, Kapitel 5, ab Vers 21 wird das christliche Miteinander zwischen Mann und Frau beschrieben. Es wird unter andrem von einer Verpflichtung gesprochen, nämlich dass der Mann seine Frau zu lieben hat, und die Frau verpflichtet ist, ihrem Mann Respekt zu zollen. Auch von Unterordnung wird gesprochen.

Für viele mag das eine hoffnungslos veraltete Vorstellung sein, geschrieben vor 2.000 Jahren, also niemals auf den modernen Menschen anwendbar. Dem ist aber nicht so. Wie schon im Vorwort erwähnt, hat die Bibel maßgeblich unsere westliche Kultur geprägt. Sie ist immer noch überraschend aktuell, einfach, weil ihre Anleitung meist aus zeitlosen Grundsätzen besteht und es in der Verantwortung des Menschen selbst liegt, diese auf sein Leben umzumünzen.

Und kann man nicht dem Konstrukteur, Gott, zugestehen, dass er weiß, was für uns das Beste ist? Wenn hier im angeführten Epheserbrief von Respekt und Liebe gesprochen wird, so sind dies notwendige Grundpfeiler einer dauerhaften Beziehung, auf die wir später auch noch ausführlich eingehen werden. Das gilt natürlich für beide Seiten gleichermaßen, auch wenn es – in der Bibel treffen beschrieben – geschlechterspezifische Schwerpunkte geben mag.

Und wenn hier von der Unterordnung der Frau unter dem Mann geschrieben wird, dann wird im Kontext das gleiche Wort für das gegenseitige Unterordnen innerhalb der Christenversammlung verwendet. Also ist hier eine demütige Grundeinstellung gemeint, die den anderen genauso wichtig nimmt wie sich selbst und die Bedürfnisse des anderen wahrnimmt und berücksichtigt. Das ist der Grundsatz dahinter und gilt für alle in der Christenversammlung. Die Bibel ist strikt unparteiisch, Mann und Frau sind gleichwertig – nur damit keine Zweifel aufkommen. Sie war in dieser Hinsicht sogar geradezu revolutionär, denn im damaligen Judentum war die Frau wenig wert und sie hatte erbärmlich wenig Rechte. Ich gehe darauf in einem späteren Kapitel noch näher ein.

Freilich ist heutzutage – egal ob christlich geprägte Kultur oder nicht – die lebenslange Treue zum Lebenspartner nicht mehr die Norm. Immer mehr Menschen entscheiden sich dagegen zu heiraten. Noch vor ein paar Jahrzehnten war es verpönt, ein uneheliches Kind zu haben. Heute ist das ganz normal. Inzwischen wird jedes dritte Kind unehelich geboren (zum Vergleich: in den 60er-Jahren lag die Zahl unehelich geborener Kinder laut Statista Research Department im einstelligen Prozentbereich). Den Deutschen ist das Heiraten offensichtlich immer weniger wichtig, wie zahlreiche Umfragen und Statistiken belegen. Wer heute länger als fünf oder zehn Jahre mit seinem Partner verheiratet ist (oder überhaupt in jungen Jahren heiratet), wird teils schräg, teils verwundert angeschaut. Als käme man aus einer anderen Zeit.

Trotzdem erleben wir heute wieder eine teilweise Rückkehr zu den christlichen Werten, auch wenn Religiosität nach wie vor in weiten Bereichen verpönt ist (korrekterweise muss man sagen, dass dies sich nur auf die weltliche Welt, oder Mittel/Nordeuropa bezieht. Allein in Südeuropa sieht die Sachlage schon wieder anders aus).

So plädiert Jürg Willi, ein Schweizer, und einer der bekannten und bedeutenden Paartherapeuten unserer Zeit für die Ehe:

„Im Unterschied zu unverbindlichen, kurzweiligen Beziehungen erschaffen die Partner eine eigene, gemeinsame, innere und äußere Welt, in der sie sich in ihrer persönlichen Entwicklung herausgefordert und beantwortet fühlen. Die gemeinsam gestaltete Umwelt wirkt wiederum auf das Paar zurück und verankert es in der Welt, seien es nun die Kinder, das gemeinsam erworbene Haus oder die Freunde.“

Ständige neue Partnerschaften lassen diese tiefe Bindung erst gar nicht entstehen. Sie bleiben auf der Stufe der Bedürfnisbefriedigung stehen, denn Wachstum benötigt Zeit.

Wie betrachtete eigentlich Jesus Christus die Ehe? Als er das Hochzeitsfest in der Stadt Kana besuchte, zeigte er, dass er der Ehe positiv gegenüberstand. Er vollbrachte sogar sein allererstes Wunder dort. Der Wein ging aus. Also verwandelte er Wasser in Wein, der so gut war, dass der damalige Festleiter den Bräutigam schimpfte. Er hätte den besseren Wein doch nicht bis jetzt aufheben sollen, sondern zuerst servieren sollen. Jesus selbst lebte ziemlich spartanisch, aber er gönnte anderen gute Dinge und genoss sie auch selbst, wenn die Gelegenheit passte. Sympathisch, nicht? Und auch ein schönes Zeichen, was die Ehe für uns bedeuten soll. Sie soll Freude schenken.

Wir kennen unseren Lebenspartner, wir legen einen Gutteil des Lebensfokus auf ihn. Die Ehefrau und der Ehemann beglücken sich gegenseitig. Sie sind die Adressaten der Liebesworte, der besonderen Zärtlichkeiten. Zusammen bauen wir hier, ehrlich und einfühlsam, unser Familienleben, die Ruheoasen, unser Eigenheim, die Urlaubsaktivitäten und natürlich die gemeinsame Erziehung unserer Kinder auf. Die Schwiegereltern haben die Familie erweitert. Hoffentlich in allerbester Weise. Wir haben in einer glücklichen Beziehung die meisten Gemeinsamkeiten erlebt, viele verbindenden Erinnerungen über Jahre hinweg. Wir entwickeln automatisch gemeinsame Vorlieben, Alltagsrituale und Angewohnheiten. Wir sind uns nirgendwo so nahe wie in der Ehe. Und ganz nebenbei sind wir auch noch die besten Freunde.

Das und mehr ist das Potenzial einer guten Ehe.

Vor Problemen wegzulaufen ist nicht die Lösung

Wegzulaufen, wenn es schwierig wird, kann jeder. Ehepaare, die trotzdem zusammenbleiben und ihre Probleme gemeinsam versuchen zu lösen, sind hier die wahren Helden! Meist stille Helden, weil nur wenige die damit verbundene Leistung mitbekommen, aber darum geht es auch nicht. Man wächst an gemeinsam bewältigten Problemen. Man wächst mit einer Geschwindigkeit und auf eine Art, die man sonst im Leben nicht erreicht. Dabei erwartet auch Gott nicht, dass man seine Ehe um jeden Preis rettet. Die Heilige Schrift sagt klipp und klar, dass Betrug nicht geduldet werden muss. Es gibt Gründe, sich zu trennen, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch vor Gott.

Geht es dem Paar besser, das einfach so zusammenlebt? Der Ehebund bietet eine gewisse Sicherheit für die Familie. Wer wünscht sich schon einen Partner, der gewissermaßen ausdrückt: „Ich möchte dich nur für eine bestimmte Zeit. Wenn ich dann genug von dir habe, tausche ich dich einfach gegen einen anderen Lebensabschnittspartner aus.“ Von den Kindern mal ganz schweigen.

Wer dieses moderne Lebenskonzept ausprobiert hat, stellt oft fest, dass das Zusammenleben ohne Trauschein nicht die erhofften Vorteile gebracht hat. Ganz im Gegenteil. So berichtet ein Paar, das unverheiratet zusammenlebte, dass sie bei Problemen im Hinterkopf immer sofort an Trennung dachten. Dieses Mindset hat ihnen verständlicherweise nicht wirklich geholfen, besser miteinander auszukommen. Eher hinderte es sie daran, sich gemeinsam um eine Lösung zu bemühen. Dann haben sie tatsächlich geheiratet. Wie ist es ihnen nach der Hochzeit ergangen? Sie gaben sich nach eigener Aussage mehr Mühe, nicht zu streiten, als das vorher der Fall. Sie drohen jetzt nicht mehr ständig mit der Trennung, sondern versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden. Die Ehe hat ihrem Leben eine positive Wendung gegeben. Sie haben sich weiterentwickelt, satt vor dem Schulungsprozess davonzulaufen.

Verweigerern wir die Lösung des Problems, indem wir ihm ausweichen, dann verweigerten wir auch das Lernen.

Seil aus drei Schnüren

Ist lebenslange Treue also wirklich ein realistisches Ziel? Auf jeden Fall! Und nicht nur aus christlicher Sicht. In der Bibel gibt es einen interessanten Vergleich:

„Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell!“ (Prediger 4,12, Hoffnung für alle)

Mit der dritten Schnur ist hier Gott als dritter im Ehebund gemeint. Wenn das Ehepaar sich bemüht, Gott mit einzubinden und seine Ratschläge umzusetzen, hilft das immens. Wie eine dritte Schnur, die noch mehr Stabilität verleiht.

Es sei einmal ein einfacher Vergleich erlaubt. Nehmen wir ein elektrisches Gerät, beispielsweise ein Smartphone. Jedes Gerät kommt mit einer Bedienungsanleitung daher, in der zum Beispiel steht, dass man es nicht extremen Temperaturen aussetzen soll. Der Hersteller erwartet, dass man sich daranhält. Nur so ist gewährleistet, dass es zuverlässig funktioniert. Wenn jemand das Handy so lange falsch behandelt, bis es versagt, bedeutet das dann, dass das Gerät grundsätzlich nichts taugt? Auf so eine absurde Idee würde bestimmt niemand kommen. Mit der Ehe ist es ähnlich. Klar kann man jetzt etwas Lebendiges, wie die langjährige Beziehung in einer Ehe, nicht unbedingt mit einem Smartphone vergleichen. Aber der Grundgedanke zieht schon. Hält man sich an bestimmte Prinzipien, die der „Konstrukteur“ des Menschen und „Erfinders“ der Ehe festgelegt hat, wird es funktionieren. Hält man sich nicht daran, gefährdet man die Funktion. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass dann die Einrichtung der Ehe grundsätzlich eine schlechte Idee ist. Es hat denn eher etwas mit uns zu tun, die sich nicht an die Gebrauchsanweisung halten möchten, oder auch mit unserer Unvollkommenheit.

Natürlich ist für eine glückliche Ehe nicht der Glaube an Gott oder die Bibel Voraussetzung. Das beweisen allein schon entsprechende Beziehungen aus unserer Umgebung. Es ist allerdings meine Überzeugung, dass wir uns viel leichter tun, wenn wir die „Gebrauchsanweisung“ beachten und wenn wir diese „dritte Schnur“ als zusätzlichen Stabilisierungsanker nutzen.

Dieses Buch ist in diesem Geist geschrieben und in der festen Überzeugung, dass die Ehe kein Auslaufmodell ist. Nun, das kommt vielleicht nicht ganz überraschend, hatten wir vorhin doch das Unterthema „Ein christliches Plädoyer für die Ehe zwischen Mann und Frau“. Es gibt auch heute im einundzwanzigsten Jahrhundert noch gute Gründe zu heiraten.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass beide Ehepartner den Freiraum bekommen, sich zu entfalten.

 

 

 

Eine gesunde Basis

 

„Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat?“ (Lukas 14,28, Elberfelder Bibel)

 

Für eine gesunde Beziehung reicht es nicht aus sich die – durchaus legitime und wichtige – Frage zu stellen: „Was bringt es mir?“ Damit sie stabil und dauerhaft wird, ist die Gegenfrage genauso wichtig: „Was bringt es dem Partner?“

Eine gesunde und ehrliche Nabelschau hilft uns immens dabei die Weltanschauung zurechtzurücken. Die Jagt sich bestmöglich zu positionieren, das Bestmögliche für sich „abzugreifen“, kann auch nach hinten losgehen, nämlich dann, wenn die Täuschung vorüber ist und die „Ent-täuschung“ beginnt, also das Aufhören der Täuschung.

Natürlich werden wir hohe Ansprüche stellen, natürlich möchten wir unser Leben auf ein möglichst hohes Niveau bringen. Die beste Möglichkeit das nachhaltig zu erreichen ist selbst ein hohes Niveau zu entwickeln und vorzuhalten. Können wir viel bieten, ziehen wir interessantere Menschen in unser Leben. Die Bibel ist eine hervorragende Charakterschulung fürs Leben. Sie ist ein Gegenstück zu dem, was uns die Schule, Arbeitswelt und Zeitgeist anerziehen möchten. Folglich hilft sie dem gläubigen Menschen sich permanent zu spiegeln und weiterzuentwickeln, vor allem wenn es durch Mitmenschen in unserer Umgebung ergänzt wird, die ähnlich denken. Und auch der nicht gläubige Mensch wird profitieren, denn das Buch schert sich ja nicht um die Einstellungen der Leser (und wenn es um das geht auch nicht um den Zeitgeist), sondern gibt einfach nur Rat. Wir werden das gut sehen, wenn wir später die Definition der Liebe im Einzelnen behandeln.

Man könnte dieses Kapitel auch „Vorbereitung auf eine stabile Ehe“ nennen. Die Praxis zeigt leider, dass überraschend wenige junge Leute, die vor diesem Schritt stehen, sich schon im Vorfeld über die Basis Gedanken machen. Wenn doch, dann sind sie eher auf die materielle Situation gerichtet. Wie steht es aber um die Persönlichkeit? Erst wenn die ersten Probleme auftauchen und man hilflos davorsteht, sucht man Anleitung.

Sie sind die Ausnahme und lesen dieses Buch schon vor einer festen Beziehung? Dann ist das doch schon ein bedeutender Schritt in Richtung sich als Mensch interessanter zu machen und entsprechende Personen ins eigene Leben zu ziehen. Der jetzige oder zukünftige Partner wird es positiv bemerken. Vor allem aber ist es doch auch Ihr Glück, um das es hier geht. Denn wenn wir antreten, um das Projekt Ehe anzugehen, dann um glücklich zu werden und Glück zu schenken.