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Der Herausgeber

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Dr. phil. Charles Benoy ist Psychologe, psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut. Absolvent der Universitäten Luxemburg, Fribourg und Basel. Seine klinische Tätigkeit absolviert er in der Rehaklinik des Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique (CHNP) in Ettelbrück in Luxemburg. Er forscht am Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie an der Klinik für Erwachsene der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel in der Schweiz. Darüber hinaus ist er als verhaltenstherapeutischer Supervisor tätig, hat verschiedene Lehraufträge inne und ist Past-Präsident und ordentliches Mitglied des Vorstandes der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen (SGZ).

Charles Benoy (Hrsg.)

COVID-19 – Ein Virus nimmt Einfluss auf unsere Psyche

Einschätzungen und Maßnahmen aus psychologischer Perspektive

2., erweiterte und überarbeitete Auflage

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Pharmakologische Daten, d. h. u. a. Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen, verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autoren haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, können Verlag und Autoren hierfür jedoch keine Gewähr und Haftung übernehmen. Jeder Benutzer ist daher dringend angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifische Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

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2., erweiterte und überarbeitete Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Umschlagsgestaltung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, Bildlizenzen von Shutterstock.com

Print:

ISBN 978-3-17-040590-5

E-Book-Formate:

pdf:        ISBN 978-3-17-040591-2

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mobi:     ISBN 978-3-17-040593-6

Grußwort

des deutschen Bundesministers für Gesundheit Jens Spahn

 

 

 

Die Coronavirus-Epidemie und ihre Auswirkungen erleben wir alle als besondere Belastung. In einer Zeit, in der öffentliche Einrichtungen, Schulen und Kindergärten, Sport- und Kulturstätten geschlossen sind, neue Anforderungen im Beruf gestellt werden, Einkaufsmöglichkeiten begrenzt und Besuchszeiten in Kranken- und Pflegeeinrichtungen eingeschränkt sind, stehen viele Menschen vor einer enormen Herausforderung. Bürgerinnen und Bürger werden bei der Bewältigung ihres familiären und beruflichen Alltags zu Krisenmanagern. Weniger soziale Kontakte und Austausch mit anderen, Furcht vor Ansteckung, gesundheitliche Ängste, Unsicherheit über die berufliche Zukunft und Sorgen um Kinder und Familie können zudem eine zusätzliche psychische Belastung darstellen. Die jetzt zur Verfügung stehende Corona-Schutzimpfung wird uns den Weg aus der Pandemie ebnen. Dennoch werden wir noch einige Zeit mit Einschränkungen und Belastungen leben müssen.

In dieser Situation halte ich es deshalb für besonders wichtig, dass die physische, psychische und soziale Dimension von Gesundheit gleichermaßen in den Blick genommen wird. Neben dem stärkenden Wir-Gefühl in den Familien und einem solidarischen gesellschaftlichen Zusammenstehen in der Corona-Krisenzeit zeigt sich, dass auch ein leistungsfähiges, belastbares Gesundheitswesen, wie wir es haben, den Menschen verlässlichen Halt geben kann. Mit unserer Gesundheitspolitik wollen wir dazu beitragen und für ein durch Corona verändertes Zusammenleben eine gute Basis schaffen. Das ist ein hoher Anspruch, und hierzu braucht es auch das Vertrauen der Menschen. Deshalb ist es gerade in der Coronavirus-Epidemie wichtig, dass wir jede und jeden Einzelnen mit ihren individuell unterschiedlichen Belastungen und gesundheitlichen Bedürfnissen in der jeweiligen persönlichen Lebenswirklichkeit in den Blick nehmen.

Die Beiträge in diesem Buch spiegeln diese umfassende und breite Betrachtungsweise wider. Dabei begrüße ich sehr die Vernetzung der verschiedenen gesundheitsrelevanten Bereiche, wodurch wir viele hilfreiche Erkenntnisse gewinnen werden. Ich bin überzeugt, gemeinsam können wir so die Voraussetzungen schaffen, weiter gut und noch besser mit dieser herausfordernden Situation und mit vergleichbaren künftigen Lagen umgehen zu können.

Berlin, im März 2021
Jens Spahn
Bundesminister für Gesundheit, Mitglied des Deutschen Bundestages

Grußwort

des Schweizer Bundesrats Alain Berset

 

 

 

Das Coronavirus hat unseren Alltag komplett verändert. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben unser soziales Leben stark eingeschränkt, zahlreiche Leute konnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen oder mussten von zu Hause arbeiten. Kinder mussten zu Hause betreut und im Homeschooling unterrichtet werden.

In dieser außerordentlichen Situation steigen der psychische Druck und die Unsicherheit. Viele Menschen machen sich Sorgen, sie fürchten eine Infektion, haben Angst um Angehörige oder wissen nicht, wie sie finanziell über die Runden kommen. Die soziale Isolation verstärkt die Einsamkeit, die Mehrfachbelastungen zu Hause führen zu Stress. Emotionale Verstimmung, problematischer Suchtmittelkonsum und Suizidgedanken können die Folgen sein.

Unter diesen Umständen ist ein niederschwelliger Zugang zu psychologischer Unterstützung besonders wichtig. Für Menschen, die bereits vor der Coronapandemie an einer psychischen Erkrankung gelitten hatten, ist die Krise eine zusätzliche Belastung. Therapien konnten oft nicht in gewohnter Form weitergeführt werden. Die Beratung per Telefon oder Video verlangte von Patientinnen und Patienten wie auch von den Psychologinnen und Psychologen viel Flexibilität, zeigte aber auch das Potenzial von telemedizinischen Behandlungsformen auf.

Wie sich diese Pandemie auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung genau auswirkt, ist derzeit schwierig abzuschätzen. Die Folgen werden uns aber noch lange beschäftigen. Es wird eine umfassende Aufarbeitung brauchen, damit wir aus diesen Erfahrungen lernen können. Wir müssen wissen, wie die psychische Gesundheit der Bevölkerung betroffen ist und welche Maßnahmen nötig sind, um die negativen Folgen zu mindern. Das vorliegende Buch leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Die Menschen haben dazu beigetragen, das Virus einzudämmen, indem sie sich solidarisch an die Hygiene- und Verhaltensregeln gehalten haben. Solidarität ist nun auch gefragt, um die Auswirkungen des Virus auf die psychische Gesundheit anzugehen. So können besonders vulnerable Personen in unserer Gemeinschaft vor weiteren negativen Folgen bewahrt oder angemessen unterstützt werden.

Bern, im März 2021
Alain Berset
Bundesrat der Schweiz, Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern

Grußwort

des luxemburgischen Premierministers Xavier Bettel

 

 

 

Es ist mir zunächst eine große Freude und ein besonderes Anliegen, die Autoren, den Herausgeber und den Verlag dieser wichtigen Veröffentlichung zu beglückwünschen für den Erfolg der 1. Auflage. Ich danke ihnen, aber auch den Lesern für das Interesse an diesem außerordentlich wichtigen Gesichtspunkt dieser weltweiten Pandemie.

In Luxemburg haben wir den Aspekt der mentalen Gesundheit von Beginn an versucht in den Vordergrund zu stellen und uns Mühe gegeben, eine Balance herzustellen zwischen einer resoluten Bekämpfung des Virus, ohne gleichzeitig die psychischen Auswirkungen von tiefgreifenden Maßnahmen völlig außer Acht zu lassen. Es ist uns sicherlich nicht immer gelungen. Wir waren und wir sind uns sehr bewusst, dass das Einschränken von elementaren Freiheiten einen Einfluss auf die Psyche der Menschen hat. Gerade Patienten mit psychischen Vorerkrankungen waren und sind hier besonders betroffen und es wird auch wohl noch einige Zeit dauern, bis das allgemeine Umfeld sich so stabilisiert hat, dass auch betroffene Patienten wieder die Ruhe und Regelmäßigkeit in ihrem Alltag vorfinden, die für eine stabile mentale Verfassung eine Grundvoraussetzung darstellt.

Allerdings sind nicht nur »Betroffene betroffen«. Vieles, was vor einem Jahr kaum bis überhaupt gar nicht vorstellbar gewesen wäre, ist zu unserem Alltag geworden und die große Mehrheit der Menschen scheint sich irgendwie daran gewöhnt zu haben, dass Atemschutzmasken zu einem Werbeartikel geworden, der Geruch von Desinfektionsmittel allgegenwärtig ist und Videokonferenzen die meisten »Meetings« ersetzt haben.

Die Annahme, dass die Bevölkerung sich in den meisten Ländern zwar etwas ungeduldig, aber ansonsten eher verständnisvoll zeigt, ist zwar nicht falsch, allerdings auch eine sehr kurzfristige Sichtweise. Die wirklichen Auswirkungen der Pandemie an sich wie auch die der Maßnahmen, die zur Bekämpfung getroffen werden mussten, sind derzeit noch kaum absehbar. In der weltweiten Berichterstattung wird in den nächsten Monaten und wahrscheinlich Jahren sehr viel die Rede sein von wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen dieser weltweiten Pandemie und der damit einhergehenden Krise. Es wird zu Rezessionen und zu staatlichen Konjunkturprogrammen kommen, Betriebe werden weltweit unterstützt werden müssen, um Arbeitsplätze zu erhalten und die wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Dies wird die mediale Aufmerksamkeit stark dominieren. Es beschreibt allerdings nur einen Teil dessen, was als »Langzeitfolgen« der COVID-19-Pandemie beschrieben werden kann.

Die vorliegende Publikation liefert Ansätze und einen Überblick von möglichen langfristigen Auswirkungen, die wir als Gesellschaft nicht aus dem Blick verlieren dürfen und die uns unbedingt auch weiter beschäftigen müssen. Es ist davon auszugehen, dass unser Verhalten im Alltag sich nachhaltig verändert hat und weiter verändern wird. Es ist davon auszugehen, dass besonders Kinder noch einige Zeit benötigen, um die Erfahrungen der letzten Monate wirklich einordnen zu können, und es ist auch davon auszugehen, dass die letzten Monate mehr als nur eine »Klammer« in der Geschichtsschreibung waren und es nachhaltigere Konsequenzen haben wird als nur, dass auch in Zukunft weniger Geschäftsreisen und mehr Videokonferenzen gebucht werden.

Ich begrüße diese 2., erweiterte Auflage, bin sehr gespannt, die zusätzlichen Beiträge zu lesen, und ich wünsche dem interessierten Leser viele Freude und uns allen einen möglichst baldigen Übergang in das, was wir als Normalität bezeichnen – was auch immer das in den nächsten Monaten sein mag.

Luxemburg, im März 2021
Xavier Bettel
Premierminister des Großherzogtums Luxemburg

Herausgeber- und Autorenverzeichnis

 

 

 

Der Herausgeber

Benoy, Charles, Dr. phil.

Psychologischer Psychotherapeut

Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique Luxembourg, Rehaklinik

17, avenue des Alliés, L-9012 Ettelbrück

und

Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie ZPP

Wilhelm Klein-Strasse 27, CH-4002 Basel

Charles.Benoy@chnp.lu

Die Autorinnen und Autoren

Cloos, Jean-Marc, Dr. med. Dr. sc. med.

Medizinischer Direktor der Psychiatrischen Abteilung

Hôpitaux Robert Schuman

9, rue Edward Steichen, L-2540 Luxembourg

jean-marc.cloos@hopitauxschuman.lu

De Boer, Claudia, Dipl.-Psych.

Staatlich anerkannte Psychotherapeutin

Privatpraxis für Psychotherapie

52, Haaptstrooss, L-6833 Biwer

claudia.deboer@pt.lu

Del Fabbro, Olivier, Dr.

ETH Zurich

Chair for Philosophy, D-GESS

Clausiusstrasse 49, CLW B 1, CH-8092 Zürich

olivier.delfabbro@phil.gess.ethz.ch

Frischlich, Lena, Dr.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Institut für Kommunikationswissenschaft

Bispinghof 9-14, D-48143 Münster

lena.frischlich@uni-muenster.de

Gassmann, Daniel, Dr. phil.

Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut

Praxisgemeinschaft für Psychotherapie

Bundesgasse 16, CH-3011 Bern

praxisgemeinschaft-gassmann@bluewin.ch

Gradwohl, Gassan, M.Sc.

Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut

Praxisgemeinschaft »Am Markt«

Hutgasse 2, CH-4001 Basel

gassan.gradwohl@praxis-gradwohl.ch

Hale, Miriam-Linnea, M.Sc.

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

Faculty of Humanities, Social and Educational Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

miriam-linnea.hale@uni.lu

Holl, Elisabeth, M.Sc.

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

Faculty of Humanities, Social and Educational Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

elisabeth.holl@uni.lu

Kruse, Andreas, Prof. Dr. Dr. h.c.

Direktor des Instituts für Gerontologie

Universität Heidelberg

Bergheimer Str. 20, D-69115 Heidelberg

andreas.kruse@gero.uni-heidelberg.de

Lutz, Annika P. C., Dr.

Dipl.-Psychologin, Research Scientist

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

annika.lutz@uni.lu

Melzer, André, Ass.-Prof. Dr. rer. nat.

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

Faculty of Humanities, Social and Educational Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

andre.melzer@uni.lu

Michaux, Gilles, Dr. rer. nat.

Psychologischer Psychotherapeut

GesondheetsZentrum, Fondation Hôpitaux R. Schuman

44, rue d’Anvers, L-1130 Luxembourg

gilles.michaux@hopitauxschuman.lu

Neuser, Violaine

Dipl-Psychologin

GesondheetsZentrum, Fondation Hôpitaux R. Schuman

44, rue d’Anvers, L-1130 Luxembourg

violaine.neuser@hopitauxschuman.lu

Reuter, Jean, Dr. med.

Facharzt für Intensivmedizin

Centre Hospitalier de Luxembourg

4, rue Ernest Barblé, L-1210 Luxembourg

reuter.jean@chl.lu

Schatto-Eckrodt, Tim, M.A.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Institut für Kommunikationswissenschaft

Bispinghof 9-14, D-48143 Münster

tim.schatto-eckrodt@uni-muenster.de

Schulze, Hartmut, Prof. Dr. phil.

Dozent und Leiter des Instituts für Kooperationsforschung und -entwicklung

Fachhochschule Nordwestschweiz

Hochschule für Angewandte Psychologie

Riggenbachstrasse 16, CH-4600 Olten

hartmut.schulze@fhnw.ch

Schumann, Frank

Projektleiter

Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e. V.

Fachstelle für pflegende Angehörige

Am Südstern 8–10, D-10961 Berlin

f.schumann@diakonie-stadtmitte.de

Sischka, Philipp E., Dr.

Research Scientist

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

philipp.sischka@uni.lu

Sollberger, Daniel, PD Dr. med. Dr. phil.

Chefarzt und stv. ärztlicher Direktor

Erwachsenenpsychiatrie Baselland

Bienentalstrasse 7, CH-4410 Liestal

daniel.sollberger@pbl.ch

Stadler, Christina, Prof. Dr. phil. Dr. med.

Klinische Professorin und Leitende Psychologin

Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken

Wilhelm Klein-Strasse 27, CH-4002 Basel

christina.stadler@upk.ch

Steffgen, Georges, Prof. Dr. rer. nat.

Professor für Sozial- und Arbeitspsychologie

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

georges.steffgen@uni.lu

Tammen-Parr, Gabriele

Projektleiterin

Pflege in Not – Beratungs- und Beschwerdestelle bei Konflikt und Gewalt in der

Pflege älterer Menschen

Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e. V.

Bergmannstr. 44, D-10961 Berlin

info@tammen-parr.de

Vögele, Claus, Prof. Dr.

Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie

Université du Luxembourg

Department of Behavioural and Cognitive Sciences

11, Porte des Sciences, L-4366 Esch-sur-Alzette

claus.voegele@uni.lu

Walitza, Susanne, Prof. Dr. med. Dipl.-Psych.

Klinikdirektorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Neumünsterallee 9, CH-8032 Zürich

susanne.walitza@puk.zh.ch

Walter, Marc, Prof. Dr. med.

Chefarzt und stv. Klinikdirektor

Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Wilhelm Klein-Strasse 27, CH-4002 Basel

marc.walter@upk.ch

Weichbrodt, Johann, Dr. sc.

Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Teamleiter

Fachhochschule Nordwestschweiz

Hochschule für Angewandte Psychologie

Riggenbachstrasse 16, CH-4600 Olten

johann.weichbrodt@fhnw.ch

Wolff, Kira, Dr. med.

Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Zentrum für Psychische Gesundheit

Universitätsklinikum Frankfurt

Heinrich-Hoffmann-Straße 10, D-60528 Frankfurt am Main

kira.wolff@kgu.de

Inhalt

 

 

 

  1. Grußworte aus der Politik
  2. Herausgeber- und Autorenverzeichnis
  3. Geleitwort: Wenn du das Virus aushalten willst, richte dich auf den Widerstand ein – ein philosophischer Kommentar
  4. Olivier Del Fabbro
  5. Vorwort zur 2. Auflage
  6. 1   Psychologische Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der einhergehenden Maßnahmen
  7. Charles Benoy
  8. 2   Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den sozialen Zusammenhalt
  9. Georges Steffgen und Philipp E. Sischka
  10. 3   Auswirkungen des Maskentragens
  11. Annika P. C. Lutz und Claus Vögele
  12. 4   Umgang mit den Ängsten der Pandemiezeit
  13. Gassan Gradwohl und Daniel Gassmann
  14. 5   Umgang mit Ärger und Aggressionen in Zeiten der Pandemie
  15. Georges Steffgen und Claudia de Boer
  16. 6   Mediennutzung und Medienwirkung in Zeiten der Pandemie
  17. André Melzer, Elisabeth Holl, Miriam-Linnea Hale, Tim Schatto-Eckrodt und Lena Frischlich
  18. 7   Krankenhäuser im Ausnahmezustand – psychologische Begleitung des Gesundheitspersonals
  19. Jean Reuter, Violaine Neuser, Gilles Michaux, Charles Benoy und Jean-Marc Cloos
  20. 8   Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psycho- therapeutische und psychiatrische Versorgung
  21. Kira Wolff und Marc Walter
  22. 9   Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die kindliche Entwicklung – Risikofaktoren und Resilienz
  23. Christina Stadler und Susanne Walitza
  24. 10 Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf ältere Menschen
  25. Andreas Kruse
  26. 11 COVID-19 bringt pflegende Angehörige in Not
  27. Gabriele Tammen-Parr und Frank Schumann
  28. 12 Homeoffice als Pandemie-Maßnahme – Herausforderungen und Chancen
  29. Johann Weichbrodt und Hartmut Schulze
  30. Nachwort: Wie wird die COVID-19-Pandemie unsere Gesellschaft verändern?
  31. Daniel Sollberger

Geleitwort: Wenn du das Virus aushalten willst, richte dich auf den Widerstand ein – ein philosophischer Kommentar

Olivier Del Fabbro

1910, im Antlitz des 1. Weltkrieges, schreibt der US-amerikanische Philosoph, Psychologe und Arzt William James einen Aufsatz mit dem Titel The Moral Equivalent of War – Das moralische Äquivalent des Krieges (James 1987). James behauptet hier, dass die Geschichte ein Blutbad ist – »History is a bath of blood« (James 1987, S. 1282). Die Aussage bezieht sich auf die brutale und grausame Menschheitsgeschichte, die zahlreichen Kriege, Revolutionen und bewaffneten Kämpfe jeglicher Art.

James’ Essay will dem Krieg den Krieg erklären. Doch auch wenn James sich als Pazifist sieht, ist er nicht ›naiv‹, wie er selbst zugibt. Er weiß nur zu gut, dass Kriegsbefürworter sich nicht von Friedensrhetorik überzeugen lassen. Patriotismus oder Skepsis am ›Gutmenschentum‹, wie man heute sagt, sind zu tief im Idealismus solcher Kriegsbefürworter verankert. Wie aber sollen letztere überzeugt werden?

James sieht zwei Möglichkeiten. Erstens muss man in den kriegerischen Tugenden, wie zum Beispiel der Furchtlosigkeit und dem Gehorsam von Befehlen, Werte sehen, die es auch heute noch zu verteidigen gilt. Und zweitens lassen sich diese Werte ohne Probleme auf den zivilen Alltag übertragen. Das Leben, so James, ist hart. Menschen schuften und erleiden alltäglich Schmerzen. Heroisch wird deswegen nicht mehr nur gegen eine gegnerische Armee gekämpft, sondern ganz allgemein gegen die Natur. Fensterputzer und Tellerwäscher, Minenarbeiter und Straßenbauer, sie alle, so James weiter, bezahlen ihre Blutsteuer im alltäglichen Kampf gegen die Natur.

Seit Beginn des Jahres 2020 wurde dies wieder besonders deutlich. Bereits kurz nach dem Ausbruch der Pandemie wurde kriegsmetaphorisch gesprochen: Macron, Trump und sogar der Papst äußerten sich über die Pandemie als Kriegssituation und bezeichneten das Virus als Gegner, den es zu bekämpfen gilt, wobei Ärzte und Pflegekräfte die Soldaten sind, die an der Front kämpfen (Del Fabbro 2020, S. 16 f.). Doch mittlerweile kämpfen, nach den vielen Restriktionen und unzähligen Ausgangssperren, nicht mehr nur Ärzte und Pflegekräfte an der Front, auch der Alltagsbürger und die Bevölkerung selbst befinden sich im Krieg. Die deutsche und die südkoreanische Regierung zum Beispiel versuchen mit Videokampagnen die Bürger ihres Landes, mal ironisch mit Witz und sarkastisch als Faulpelz auf der Couch (Bundesregierung 2020), mal als heldenhafte Kämpfer begleitet von dramatischer Musik (KCIS 2020), zu stilisieren und anzusprechen. Ersteres tritt wohl jenen zu Nahe, die an der Isolation, aus welchen Gründen auch immer, leiden. »Nichts tun«, wie es im Video heißt, ist nicht immer lustig. Das südkoreanische Video erscheint eher wie ein Propaganda-Video, das versucht, Leid und Elend angesichts der alltäglichen hochstilisierten Helden unter den Teppich zu kehren. Zur Propaganda dient auch die seit Winter 2020 installierte Ausstellung in Wuhan, die die Bekämpfung des Virus seitens der kommunistischen Partei Chinas glorifizierend darstellt (Wurzel 2020).

Doch wer in den Krieg zieht, benötigt realistisch betrachtet weit mehr als nur Ideologie, kriegerische Tugenden oder Witz. Es benötigt auch Handfestes wie logistische Organisation, Strategie, Material, heute wie immer schon die jeweils verfügbaren hochtechnologischen Waffen, gut ausgebildete Soldaten. Die Kriegsgeschichte lehrt uns, dass derjenige mit den besseren Waffen und der schlaueren Strategie gewinnt und nicht Moral oder Ideologie (Morris 2015). Doch wie schützen Menschen sich gegen die sie bedrohende Natur? Wie passen sie sich dieser Bedrohung an? Welche Strategie entwickeln sie?

Solche Probleme werden heute nicht individuell, sondern strukturell, d. h. institutionell angegangen. Von Ministerien oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis hin zu Krankenhäusern und Altenheimen. Egal, wie diese Institutionen konkret organisiert sind, sie alle haben eine duale Machtstruktur, die sich von der Makrostruktur der Entscheidungsträger bis zur Mikrostruktur der einzelnen vor Ort operierenden Akteure durchzieht. Je mehr eine Institution auf ihre auf dem Feld Operierenden hört, weil diese am meisten Einblick in die Sachlage haben, desto pragmatischer, will heißen: anpassungsfähiger an neue Problemlagen ist sie (Ansell 2011). Es geht also nicht darum, Hierarchien aufzulösen, sondern Entscheidungsträger, d. h. Manager, Generäle und Politiker davon zu überzeugen, dass der einzelne Soldat, Arzt, Pfleger auf dem Schlachtfeld keine passive Marionette, sondern ein aktiver Bestandteil des funktionierenden Apparates ist.

Als Institution ist die WHO damit unmittelbar an die Erfahrungen und Berichte der Ärzte und Pfleger vor Ort gebunden, und genau das ist auch beim Auftauchen des Virus in Wuhan passiert. Nur hat die chinesische Regierung als Vermittlerin zwischen Ärzten und WHO hier zunächst die Ansteckungsgefahr von Corona heruntergespielt und vertuscht – trotz Warnung der Ärzte – und im wahrsten Sinne des Wortes nichts getan (Mitchell et al. 2020). Donald Trump, der die Chinesen in allen möglichen Aspekten angreift, tritt diesbezüglich in das genau gleiche Fettnäpfchen: Auf der einen Seite die öffentliche Diskreditierung der eigenen wissenschaftlichen Beratergruppe rund um den mittlerweile bekannten Arzt und Immunologen Anthony Fauci und die Wissenschaft per se (Viglione 2020). Auf der anderen Seite das Ignorieren derselben Berater und die Unterminierung ihrer Partizipation in Sachen Entscheidungen durch Trumps Corona-Task-Force-Koordinatorin Deborah Birx (Piller 2020).

Doch während Politiker und hohe Beamte ihre Machtkämpfe unter sich austragen, sendet CNN mehrfach Berichte von in Tränen aufgelösten Ärzten und Pflegern, die sich entweder selbst infiziert und dadurch im Krankenhaus isoliert seit Monaten ihre Familie nicht mehr gesehen haben oder die von ihren Erfahrungen mit allein sterbenden Personen berichten (CNN New Day 2020a; CNN New Day 2020b; CNN News 2020). In Europa scheinen Politiker im Vergleich zu den USA und China mehr auf die Wissenschaftler zu hören. Dennoch hat es auch in der norditalienischen Lombardei, dem ersten Krisenherd in Europa, an Allgemeinmedizinern vor Ort gefehlt, die Krankenhäuser hätten vorwarnen können (Johnson und Ghiglione 2020). Zudem tauchen immer mehr Berichterstattungen des müden und überstrapazierten Pflegepersonals auf (Brotz 2020). Sollte beispielweise die Situation in Belgien eintreten, dass das Gesundheitssystem überfordert sein wird und nicht mehr alle Patienten aufgenommen werden können, so eine belgische Pflegerin schluchzend, muss über Leben und Tod entschieden werden (Matthaei und Wellenzohn 2020). Wie im ›richtigen‹ Krieg also. Wie soll man mit einer solchen Entscheidung leben können, fragt die Pflegerin mit Tränen in den Augen: »Je ne sais pas« – »Ich weiß es nicht«, so ihre Antwort …

Ärzte und Pflegekräfte am Anschlag, in Isolation Alleinsterbende, Wissenschaftlern misstrauende Politiker und so weiter und so fort – ist die Welt aus den Fugen? Befinden wir uns im Chaos?

Der Krieg gegen die Natur, so Bruno Latour in Face à Gaïa, bleibt nur dann ein Naturzustand im Hobbesschen Sinn, wenn kein Gesellschaftsvertrag mit der Natur abgeschlossen wird (Latour 2015). Mit anderen Worten: Nicht-menschliche Akteure, wie das neuartige Coronavirus, müssen einen repräsentativen Platz in unserer politischen und juristischen Landschaft erhalten – ein sogenanntes Parlament der Dinge – und zum Teil haben sie diesen Platz auch. Wenn die in der Öffentlichkeit stehenden Virologen und Immunologen à la Anthony Fauci, Christian Drosten, Hendrik Streeck, Anders Tegnell, Pflegekräfte und Ärzte, Patienten und Infizierte, sich momentan zu Wort melden, dann sprechen sie im Namen des Virus, was es angerichtet hat und wie es zukünftig wahrscheinlich handeln wird und sie informieren die Öffentlichkeit – die res publica – darüber, was Fakten und mögliche Szenarien sind. Politik, Gesellschaft und das soziale Leben an sich geraten dort in Gefahr, wo dieser Dialog zwischen Mikro- und Makrostruktur nicht mehr möglich ist, der Zugang zur öffentlichen Debatte versperrt wird und politische Entscheidungen damit nur noch einer Handvoll Akteuren überlassen wird.

Der Kriegsveteran Karl Marlantes, der seine Erfahrungen aus dem Vietnamkrieg in What it is like to go to war festgehalten hat, plädiert für einen aufgeklärten Umgang mit dem Krieg (Marlantes 2011). Zwischen Krieg, Liebe, Sex, Frieden und Gerechtigkeit herrscht die Harmonie, die eine Vermittlerposition zwischen all diesen Aspekten einnimmt. Vielleicht hilft diese Perspektive auch in Zukunft als Vorbereitung für einen aufgeklärten Umgang im Krieg gegen die Natur. Natürliche Agenten werden im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Mächten immer brutaler, angriffslustiger, wandlungsfähiger und gnadenloser (Gill 2020). Vielleicht sollte der Mensch darüber nachdenken, wie er seinen natürlichen Gegnern in Zukunft überlegter, besonnener und das bedeutet in der aktuellen Lage des Klimawandels wohl auch friedlicher entgegentreten kann. Ein Anfang würde darin bestehen, seine eignen Reihen so zu organisieren, dass die Kriegsführung agiler, anpassungsfähiger, weniger sklerotisch, weniger grausam und damit schließlich auch gerechter zugeht.

Wenn wir heute glauben, im Krieg mit der Natur als ganzer zu sein, weil Corona ausgebrochen ist, dann lehrt uns James’ Essay auch, dass wir eigentlich immer schon im Krieg mit den natürlichen Agenten waren und es eben wohl auch immer sein werden. Nicht nur der Corona-Infizierte und die Pflegekraft auf der Intensivstation, sondern auch der Krebskranke und der Grundschullehrer ›kämpfen‹ und leisten Widerstand. Damit wird eigentlich jeder alltägliche Atemzug zu einem Kampf, der, so Arthur Schopenhauer, den »beständig eindringenden Tod« abwehrt (Schopenhauer 1986, S. 427). Letztlich aber, so Schopenhauer weiter, weiß jeder zur Reflexion fähige Mensch, dass der Tod über das Leben siegen wird: »[…] er spielt nur eine Weile mit seiner Beute, bevor er sie verschlingt.« (Schopenhauer 1986, S. 427) Schopenhauers Pessimismus ist kaum zu übertreffen, doch lässt sich mit Sigmund Freud, im Angesicht des lauernden Todes, der Gewalt und schlussendlich auch des Krieges, Schopenhauers Pessimismus ummünzen. Da für Freud das Leben zu ertragen die Pflicht aller Lebenden ist, schlägt er vor, das lateinische Sprichwort »Si vis pacem, para bellum – Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum Kriege« umzuändern in »Si vis vitam, para mortem – Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein« (Freud 1974, S. 60).

Vielleicht ist in der jetzigen Zeit eine weitere Umformulierung vonnöten: Wenn du das Virus aushalten willst, richte dich auf den Widerstand ein.

 

Literatur

Ansell C K (2011) Pragmatist Democracy. Evolutionary Learning as Public Philosophy. New York/Oxford: Oxford University Press.

Brotz S (2020) Pflege-Leiter schlägt Alarm. »Ich habe noch nie so viele Ärzte und Pflegende weinen sehen«. SRF News, 19.12.2020. (https://www.srf.ch/news/schweiz/pflege-leiter-schlaegt-alarm-ich-habe-noch-nie-so-viele-aerzte-und-pflegende-weinen-sehen, Zugriff am 10.01.2021).

Bundesregierung (2020) #besonderehelden. Zusammen gegen Corona. (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/besonderehelden-1-1811518, Zugriff am 10.01. 2021).

CNN New Day (2020a) Doctor fights back tears describing single day of heartbreaking losses. CNN, 24.11.2020 (https://edition.cnn.com/videos/health/2020/11/24/minneapolis-doctor-shirlee-xie-coronavirus-hospitalizations-intv-newday-vpx.cnn, Zugriff am 10.01.2021).

CNN New Day (2020b) Doctor chokes up describing virus cases: this is really upsetting. CNN, 08.07.2020 (https://edition.cnn.com/videos/health/2020/07/08/doctor-chokes-up-coronavirus-covid-19-deaths-newday-vpx.cnn, Zugriff am 10.01.2021).

CNN News (2020) Woman’s story from hospital bed brings Anderson Cooper to tears. CNN, 21.08.2020 (https://www.youtube.com/watch?v=Y6bobmaLGys, Zugriff am 10.01. 2021).

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Vorwort zur 2. Auflage

 

 

 

Das Vorwort zur 1. Auflage begann ich mit der Aussage, dass uns die Pandemie unvorbereitet trifft. Trotz aller Ankündigungen und Vorhersagen der virologischen und epidemiologischen Expertinnen und Experten muss ich zum Zeitpunkt der Fertigstellung der 2. Auflage jedoch feststellen – und beziehe mich damit vor allem auf mein ganz persönliches Empfinden – dass uns nun wohl gleichermaßen die Dauer dieser Krise unvorbereitet trifft. Ohne Zweifel ist die COVID-19-Pandemie aus psychologischer und verhaltenswissenschaftlicher Perspektive hochspannend. Wir können sozusagen live dabei zuschauen, mit welcher Flexibilität und Geschwindigkeit alle Menschen gemeinsam ihr Verhalten anpassen und Gewohnheiten umstellen. Vieles ist heute alltäglich, das vor einem Jahr noch undenkbar schien. Wenn ich einen Schritt zurücktrete und dies mit etwas Distanz betrachte, finde ich das faszinierend. Gerade weil kleinste Verhaltensänderungen im Alltag oft so schwermütig, langsam und kräfteraubend sein können.

Betrachte ich die Krise jedoch nicht von außen, sondern befinde mich in meinem persönlichen Alltag selbst mitten drin, so merke ich, wie schwer es mir auch nach mehr als einem Jahr immer noch fällt zu akzeptieren, dass wir in einer Pandemie leben. Regelmäßig hänge ich gedanklich im Davor fest, bewerte in alten Bezugsrahmen oder warte sehnsüchtig darauf, dass das alles bald aufhört. Und so zeigt mir die aktuelle Situation auch an mir selbst – zum Beispiel an Momenten wie gerade eben, in denen ich beim Schreiben darauf schaue und nicht drinsitze –, wie schwer es meiner eigenen und der menschlichen Psyche allgemein fällt, Unangenehmes, Ungewolltes oder Schmerzhaftes zu akzeptieren. Als psychologische Psychotherapeuten wissen wir, dass es in dieser Situation um die innere Haltung geht, also darum, mit dem Virus statt trotz des Virus zu leben. Dass also ein aktiver, bewusster und selbstbestimmer Umgang uns in schwierigen oder herausfordernden Situationen hilft und unsere Psyche stärkt. Und so hat mir ganz persönlich die Arbeit an dem nun vor Ihnen liegenden Sammelwerk geholfen, aktiv mit der Pandemie umzugehen und mich immer wieder gedanklich von ihren alltäglichen Hürden und Bürden zu lösen.

Nachdem die Autoren und Autorinnen sowie der Verlag für die 1. Auflage einen Kraftakt in Rekordzeit hinlegten, war es mir zugegebenermaßen ein wenig unangenehm, die Autoren knapp ein halbes Jahr später bereits für die 2. Auflage anzuschreiben. Umso mehr freue ich mich über die durchgängig positive Resonanz und ganz speziell darüber, dass das Autorenteam für die Nachauflage sogar äußerst bereichernden Zuwachs erhalten hat. Alle Autorinnen und Autoren haben erneut in Rekordzeit den aktuellsten Wissensstand ihres spezifischen Gebietes aufgearbeitet, alle Kapitel wurden umfänglich aktualisiert und dem Sammelwerk wurden neue wichtige Aspekte hinzugefügt. Ich möchte mich daher an dieser Stelle sehr herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen für die bereichernde und fruchtbare Zusammenarbeit bedanken. Auch möchte ich den Ministern der Länder Deutschland, Schweiz und Luxemburg erneut danken, dass sie die wissenschaftliche Arbeit aller Autorinnen und Autoren erneut mit einem Grußwort ehren. Schlussendlich danke ich dem Lektorat des Kohlhammer Verlags für das Vertrauen und die Wertschätzung sowie dafür, das vorliegende Werk in allen verlegerischen Prozessen vorgezogen zu haben, um der Leserschaft den aktuellen Wissensstand anbieten zu können.

Alle Autorenbeiträge wurden bis zum 5. Februar 2021 eingereicht und berücksichtigen daher nur jene Entwicklungen bis zum besagten Datum.

Nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine spannende Lektüre und hoffe, auch mit der 2. Auflage die Erwartungen unterschiedlichster Interessengruppen zu erfüllen.

Luxemburg, im März 2021
Charles Benoy

1          Psychologische Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der einhergehenden Maßnahmen

Charles Benoy

1.1       Einleitung

Am 31. Dezember 2019 wurde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals von einer Häufung unbekannter Lungenerkrankungen in Wuhan, der weitläufigen Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei, berichtet. Bereits einige Tage später meldeten die chinesischen Behörden, ein bisher unbekanntes und neuartiges Coronavirus als Erreger für die Lungenerkrankungen identifiziert zu haben, welches den Namen SARS-CoV-2 erhielt. Am 30. Januar 2020, lediglich einen Monat nach der erstmaligen Meldung aus Wuhan, stufte die WHO die neuartige Epidemie als internationale Notlage ein. Die ersten bestätigten Neuerkrankungen außerhalb Chinas wurden Ende Februar 2020 gemeldet. Nur ca. zwei Wochen später, am 11. März, erklärte die WHO den Ausbruch schlussendlich zur Pandemie, was mit weitreichenden weltweiten Maßnahmen einherging.

Infektionserkrankungen dieses globalen Ausmaßes, einhergehend mit den weitreichenden Maßnahmen und Einschränkungen, die uns allen (immer noch) gegenwärtig sind, sind für die Psyche eine sehr bedeutsame Belastung. Diese außergewöhnliche Situation trifft unsere Psyche unvorbereitet, die Maßnahmen sind unvergleichlich. Wir Menschen haben für diese Situation keine gelernten Verhaltensmuster, auf die wir zurückgreifen können. Die Situation ist zudem unvorhersehbar und langandauernd. Für unsere Psyche, die auf das Streben nach Sicherheit und Kontrolle eingestellt ist, bedeutet das in erster Linie sehr ausgeprägten Stress und die Notwendigkeit einer umfassenden Anpassungsleistung. Aus vorhergehenden Epidemien wissen wir um die psychischen Belastungen und Folgen dieser Stressreaktionen. Neben der Eindämmung aller somatischen Folgen des neuartigen Coronavirus sollten die psychologischen Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Vorherige Epidemien sind im Ausmaß zwar nicht vergleichbar, weisen aber gleichwohl auf beträchtliche psychische Folgen hin (z. B. Barbisch et al. 2015).

Die vielzähligen weltweiten Untersuchungen über die psychischen Folgen der COVID-19-Krise und den damit zusammenhängenden Maßnahmen bestätigen die vorhergesagten ausgeprägten Auswirkungen auf die menschliche Psyche. Untersuchungen aus früheren Epidemien erlauben uns zudem, die langfristigen Folgen abzuschätzen.

In der vorliegenden 2. Auflage wurden die Struktur des Kapitels an die vielen neuen Erkenntnisse angepasst und die Inhalte vollständig überarbeitet und ergänzt. So werden aufeinanderfolgend erst die wichtigsten negativen Faktoren für die menschliche Psyche, die in Studien ermittelten Auswirkungen auf die menschliche Psyche sowie die spezifischen gesellschaftlichen Risikogruppen ausgeführt, um schlussendlich Empfehlungen und Maßnahmen zu beschreiben, die die psychischen Belastungen mindern können.

1.2       Negative Einflussfaktoren der Pandemie auf die menschliche Psyche

Einschränkung menschlicher Kontakte

Im Gegensatz zu den meisten Erkrankungen, unter denen vor allem die direkt Betroffenen und deren Angehörige leiden, hat COVID-19 Auswirkungen auf das Leben der gesamten Gesellschaft. Auch wenn sich die Maßnahmen länderübergreifend unterscheiden, so haben alle das gleiche Ziel: die direkten zwischenmenschlichen Kontakte einzuschränken, um die Übertragung des Virus einzudämmen. Diese Einschränkung von direkten sozialen Kontakten stellt jedoch für unsere Psyche eine der wohl größten Herausforderungen dar.

Der Mensch ist nämlich ein soziales Wesen. Wie kein anderes Lebewesen wissen wir uns mit einer großen Anzahl anderer Menschen (und über weite Distanzen) zu vernetzen. Die Verbindung zu Artgenossen herzustellen und aufrechtzuerhalten, ist in gewissem Maße ein Teil unserer genetischen Aufgabe und löst im menschlichen Gehirn positive Gefühle wie Verbundenheit, Glück und Sicherheit aus. Wir brauchen den direkten Austausch zu anderen Menschen, um uns zugehörig zu fühlen, Feedback einzuholen und uns sicher zu fühlen. Die menschliche Kommunikation funktioniert vielschichtig und nicht lediglich über die Sprache. Hier spielen direkter Körperkontakt, Körpersprache, Mimik und vieles mehr eine sehr wichtige Rolle. Schränken wir gewisse Kommunikationskanäle der zwischenmenschlichen Kommunikation ein, fehlt es dem Menschen an zwischenmenschlichem (Beziehungs-)Feedback, wie beispielsweise der Rückmeldung, auch weiterhin geliebt, gebraucht, geschätzt oder gesehen zu werden. Fehlen dem menschlichen Hirn diese wichtigen Informationen, reagiert es mit Stress und Unsicherheit. Emotionen wie Einsamkeit, Trauer, Angst oder auch innere Unruhe, Wut oder Aggressionen können die Folge sein.

Die aus den reduzierten zwischenmenschlichen Kontakten resultierenden negativen emotionalen Folgen betreffen alle gesellschaftlichen Bereiche. Zu Beziehungsängsten im privaten Bereich kommen meist auch Ängste bzgl. der Zugehörigkeit oder Leistungsängste im beruflichen Kontext aufgrund fehlenden Feedbacks oder unzureichendem Kontakt zum Arbeitgeber im Homeoffice dazu. Es fallen zudem viele weitere gemeinschaftliche, religiöse oder spirituelle Unterstützungsangebote weg, die Zugehörigkeitsgefühle vermitteln und sich so nachweislich positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken (z. B. Reger et al. 2020).

Viele wissenschaftliche Untersuchungen rund um den Globus bestätigten diesen negativen Effekt. So stellte beispielsweise eine internationale Studie aus 78 Ländern fest, dass soziale Unterstützung ein Schutzfaktor (sog. protektiver Faktor) gegen psychisches Leiden seit Beginn der Pandemie ist (Gloster et al. 2020). Eine Studie mit über 20.000 Teilnehmenden während des ersten Lockdowns unterstrich gleichermaßen den in sehr bedeutsamem Maße verstärkenden Faktor von sozialer Isolation und Einsamkeit auf die psychischen Belastungen der COVID-19-Pandemie (Fiorillo et al. 2020). Eine große deutsche Studie stellte ergänzend fest, dass stärkere Maßnahmen und stärkere Einschränkungen der sozialen Kontakte wie erwartet mit stärkeren Einsamkeitsgefühlen, ausgeprägterem psychosozialem Stress und größerer Lebensunzufriedenheit einhergingen (Benke et al. 2020). Wenngleich die Maßnahmen nicht direkt mit psychischen Störungen in Verbindung zu bringen sind, so sind Einsamkeitsgefühle und psychosozialer Stress als begünstigende Faktoren für die Entwicklung von psychischen Störungen bekannt (Benke et al. 2020). So musste der Faktor Einsamkeitsempfinden während des ersten spanischen Lockdowns als stärkster Vorhersagefaktor (sog. Prädiktor) für psychische Symptome wie Depression, Angst oder auch posttraumatischen Stress festgestellt werden (González-Sanguinoa et al. 2020). Und längst vor den pandemischen Entwicklungen des letzten Jahres waren die starken Zusammenhänge von Einsamkeit und sozialer Isolation zu Suizidgedanken und suizidalem Verhalten bekannt (Reger et al. 2020), weswegen von der Einschränkung der sozialen Kontakte und der damit einhergehenden potenziellen Vereinsamung wohl eine der größten Gefahren für die menschliche Psyche ausgeht.

Einschränkung der (Bewegungs-)Freiheit