§ 10. Was nach Einladung der Acten vorzunehmen.

§ 10. Was nach Einladung der Acten vorzunehmen.

Wann nun die Acta primae mit Berichte werden eingelanget seyn; so sollen die Gravamina gegen jene in Unserer Regirung ponderiret und wann sie unerheblich, die Appellation gleich zuruecke gewiesen; da sie aber erheblich und aus den Actis primae, was massen Richter voriger Instanz uebel gesprochen, ersichtlich, Acta sobalden fuer beschlossen angenommen und mit der Reformatoria in totum oder in tantum, wie die Merita es mit sich bringen, verfahren, mitfolglich die Appallations-Processe als dann nur verstattet oder Commission zur gueitlichen Beylegung erkant

werden, wann die Gravamina erheblich und weiterer Ausfuehrung gebrauchen, welche jedoch eben also einzurichten, daß ultra duplicas keine Schriften ordentlich zuzulassen.

§11. Einen Sollicitanten zu halten.

Und damit der Cursus iustitiae um so mehr befoerdert werde so soll eine jede Partey, welche bey Unserer Regirung in contentiosis zu schaffen hat, einen Advocaten, Anwalt oder Sollicitanten in loco haben, dem die Communicanda oder was sonst verfueget wird, per decreta zugefertiget und nicht erst an die Aemter und Unter-Obrigkeiten rescri-biret werden duerfe.

§12. Geschickte und gewissenhafte Advocaten anzunehmen.

Gestalten auch mit geschickten und gewissenhaften Advocaten dem Justiz-Wesen sehr gedienet ist; als soll forderst bey Unserm Regirungs-Collegio auf den gelegten guten Grund und erlangte Wissenschaft in der Jurisprudenz bey den sich um die Praxin meldenden Personen gesehen und solche kuenftig Keinem, welcher nicht tuechtig erfunden wird, gestattet, mithin durch untuechtige Leute die durch oeffentlichen Druck bekannt gemachte Zahl der bey Unserer Regirung zu practiciren Erlaubnis habenden Advocaten nicht zum Schaden des Publici vermehret werden, Gestalten Niemanden bey Unserer Regirung, Hof-Lehen- und Ehe-Gerichte zu advociren, erlaubt seyn soll, er habe dann einen Gradum academicum in Facultate Iuridica erlanget oder ein anderes hinlaengliches Zeugnis seiner Capacitaet beyge-bracht und das gewoehnliche Examen ausgestanden, damit seine Tuechtigkeit bewaehret und Licentiam practicandi ueberkommen. Desgleichen haben Unsere Lands- und Amts-Haupt- auch OberAmts-Leute die Parteyen von gemeinen Leuten in ihren Klag- und Rechts-Sachen selbst persönlich zu hoeren und zu verabschieden, mithin keine Advocaten, viel weniger ungelehrte Schrift-Steller, welche um ihres Interesse willen die Sachen nur kostbar machen und Weitlaeuftigkeit setzen, bey den Vorstaenden zu admittiren, sondern die Rechts-Besorgnisse der Parteyen in Vor-fallenheiten, wo Advocaten noethig und causa ardua vorhanden, jeder Zeit durch die von Unserer nachgesetzten Regirung bestehe Practicos beobachten zu lassen; wie dann hiermit alle Advocaten, Anwaelte und Sachwalter ins gemein erinnert werden, des von ihnen bey Antretung der Praxeos abgeschwornen Eides allerstes eingedenk zu seyn, niemanden zu unnoethigen Streit- Haendeln zu verleiten, die ihnen anvertraute Process- und Gerichts-Haendel mit allem Fleisse zu tractiren, der Kuerze, Gruendlich- und Deutlichkeit sich zu befleissigen, keine unnoethige Dilationes oder Prorogationes zu suchen, von allen Injurien, Scommatibus und Acerbitaeten sich zu enthalten, die Membra der Collegien in ihren Schriften und muendlichen Recessen nicht anzutasten, sondern wo sie wider einen in dem Collegio sitzenden Rathe zu excipiren, der Ordnung gemaes privatim dem Praesidi oder Vorsitzenden mit geziemender Modestie solches anzuzeigen und bey solcher ihrer Station sich also aufzufuehren, damit sie nicht straffaellig erfunden werden moechten, als worauf ein jedes Collegium, wo ein Exces zu Schulden kommet, angelegentlich zusehen und nach Befinden mit den Bestrafungen so wie dieselbe allschon determiniret oder aber deren Erhoehung nach Enormitaet des Facti zu verfahren hat.

Tit. VIIII. Von Ehe-Verloebnissen, Heuraths-Taegen und Hochzeiten.

§ 1. Ohne Verschwendung einzurichten.

Nachdem bey Heurathen oder Ehe-Verloebnissen und Hochzeiten vielerley schädliche Unordnungen und Misbraeu-che, bevorab in uebermaessiger Verschwendung der Gaben GOttes an Speise und Tranke eingegriffen, dadurch der gemeine Mann bey jetzigen ohne das schweren und kuemmerlichen Zeiten in merklichen Abfall seines Vermoegens, Einbusse, Schulden und andere Beschwerungen eingefuehret und vertiefet wird: und doch mit solchem Ueberflusse und anderer Leute Schaden niemanden gedienet, hingegen aber Uns der Landes-Obrigkeit, wie auch dem ganzen Lande hoechlich daran gelegen, daß diesem Unrathe gesteuret und die Unterthanen bey gutem Vermoegen und Nahrung erhalten werden; als haben Wir Uns in dessen allen genauer Erwaegung bewogen gefunden, dies Falls nicht allein schon in anno 1738 ein besonderes Reglement ausgehen und darueber bisher alles Ernstes halten zu lassen, sondern Wir widerholen auch solches hiermit und befehlen, daß die Gast-Gebote bey Verloebnissen der

unvermoegenden Buerger und Bauern gaenzlich abgestellet und ausser einem Trunke Bier und Brod, er waere dann, daß einige fremde Befreunde und Personen dabey unumgaenglich zugegen seyn muesten, welchen Falls die Aufsetzung einer nothduerftigen warmen Speise verstattet bleibet, nicht das Mindeste verwilliget, bey dergleichen ver-moeglichen Personen aber die Mahlzeit nur auf zwey bis drey Gerichte, Suppen, Butter und Kaese nicht mitgerechnet, auch nur auf sechs, hoechstens acht einzuladenden Personen von der Freundschaft oder andern, eingezogen werden soll.

§ 2. Hochzeit-Tag.

Demnaechst und wann es zum Hochzeit-Tag kommet, Braut und Braeutigam ins gemein (ohne wann die Privat-Copu-lation per speciale decretum verstattet) in der Kirche nach vorher gegangener drey mahligen Proclamation sich co-puliren lassen und zu solchem Ende mit ihren Hochzeit-Gaesten Winters- und Sommers-Zeit um Glock 10. Uhr in der Kirche erscheinen sollen, in Verspaetungs-Falle aber, da eine halbe Stunde darueber zu gewartet, der Verschliessung der Kirche (worueber jedes Orts Geistlichkeit zu halten hat), sie zugewaertigen haetten, da dann die Wiederaufschliessung nicht eher geschehen soll, bis die Vermoegende drey, die Unvermoegende aber anderthalb Guelden in den GOttes-Kasten erleget.

§ 3. Hochzeit-Mahl.

Wir wollen auch allen Ueberflus bey den Hochzeit-Mahlen der Gestalt abgestellet wissen, daß die so genannte Vorhochzeiten (worunter aber die maessigen Mahlzeiten, so den fremden Hochzeit-Gaesten, Eltern und naechsten Verwandten gegeben werden, nicht zu verstehen) gaenzlich abgeschaffet und in den Staedten und Maerkten keinem, wer der auch sey, mehr dann aufs Meiste zwanzig bis dreyssig, auf den Doerfern aber von funfzehen bis zwanzig Personen einzuladen und zu setzen, noch mehr dann zwey Tage und an jedem mehr dann eine Mahlzeit, womit die Frueh-Stuecke gaenzlich abgeschaffet, auszurichten, bey deren einer auch nicht mehr als bey den Bauers-Leuten vier bis sechs, bey geringen und mittelmaessigen Buergern sechs bis acht, bey den Vermoeglichen aber acht bis zehen Speisen, Zugemueser mit ein- aber Suppen, Obst, Butter und Kaese nicht mitgerechnet, aufzutragen, noch die Gaeste Abends ueber 11 Uhr, da inmittelst auch die Taenze zu verrichten, in die Nacht aufzuhalten erlaubet; den ungeladenen Kindern und Gesinde auch das Nachstreinen und das Umgehen des Nachts auf der Gasse mit Musicanten durchaus verboten seyn soll. Da aber in ein- oder dem andern Falle dawider gehandelt wuerde; so soll so wohl der Hochzeiter oder Wirth, beydes bey Verloebnissen als Hochzeiten, von jeder unerlaubten Mahlzeit mit zehen Guelden und von jedem Gaste oder Gerichte ueber die gesetzte Zahl, als auch der Gast dann ein jeder Musicant, so ueber die Zeit sich aufhaelt und zu Nacht auf der Gassen sich gebrauchen laest, mit einem Gulden zur unnachbleiblichen Strafe verfallen seyn.

§ 71. Wie bey Vornehmen.

Aller massen nun Buerger und Bauern solcher Gestalt zu den Schranken der Gebuehr ratione der Verloebnisse und-Hochzeit-Mahle verwiesen; so wollen Wir verhoffen, es werden auch Unsere Raethe, Canzley-Verwandte und HofBediente, die von der Ritter- Schaft, Graduirte, Beamte, Literati und Bürgermeister in den Staedten und andere, denen um ihres Standes oder etwa eingeladener vornehmer Gaeste willen hierin Falls ein Mehrers (jedoch nicht zur Uebermasse) als gemeinen Buergern und Bauern verstattet, sich auch also moderiren, wie Wir sie auch dahin ernstlich vermahnet haben wollen, daß sie allen Ueberflus oder Verschwendung der Gaben GOttes vermeiden und andern mit gutem Exempeln vorgehen moegen, da im widrigen auf Erfahrung Wir die Animadversion wider sie und einen Jeden insonderheit nach Befinden vorbehalten.

Von Kind-Taufen, Kind-Bette und sechs Wochen.

§ 1. Kind-Taufe in der Kirche zu halten.

Wie so wohl Christliche Eltern, als die zur Taufe der jungen Kinder ersuchte Tauf-Zeugen oder Gevattern solches hochwichtige Werk mit hoechster Ehrerbiet- und Danksagung anzusehen, GOTT den Allmaechtigen dabey zu loben und zu preisen und ihre Gedanken mehr auf das Geistliche, als auf irdische Angelegenheiten zurichten, weniger gar in uebermaessiges Schwelgen und andere Unordnung sich zu verlieren haben, solchem nach von Noethen seyn will, alle bey den Kind-Taufen und Kind-Bet- Haltungen beydes von Seiten der Eltern als Gevattern und anderer dazu erbetener Gaeste eingeschlichene Misbraeuche abzustellen; also ordnen, befehlen und setzen Wir, daß hierinnen anforderst Unserm vorangezogenen und diesen Titel hauptsächlich mit betreffenden Reglemente de anno 1738 straecklich nachgelebet und naechst dem ein jeder Unserer Unterthanen, so viel moeglich, die Taufe in der Kirche anstellen und verrichten und solches Hoffarts oder eiteln Absichten wegen nicht unterlasse, als auf welchem falle die Uebertreter mit einer Geld-Busse von zwey bis fuenf Guelden bestrafet werden sollen. Da aber Kaelte, Wind und Regen-Wetter einfallen oder ein Nothfall vorfiele oder das Kind schwach seyn sollte; bleibet solches ausgenommen.

§ 2. Ohne Schwelgerey.

Wir befehlen auch weiters, daß die Kindes-Vaeter und Gevattern, auch andere, so zu den Tauf-Actu erbeten werden, sich vor der Taufe alles Panketirens am Essen und Trinken enthalten und sie aller Seits nuechtern und maessig solch Christlich Werk anstellen und verrichten, daneben Wir sie vermahnen, das heilige Werk mit rechter Gottseliger Andacht abzuwarten, sie aber auch zugleich verwarnen, daß keine Uebermasse vorgehen und ein Gevatter den KindesVater bey Ersuchung zur Gevatterschaft oder dieser jenen mit Essen und Trinken beladen, daß sie bezecht und berauscht bey dem Tauf-Steine erscheinen wuerden, widrigen Falls von Jedem fuenf Guelden zur Strafe gefordert werden sollen.

§ 3. Zu welcher Zeit.

Es sollen auch die erbetene Gevattern und Kindes-Vaeter mit den Kindern, welche zu taufen sind, zu rechter Zeit, als jedes mahls um zwey Uhr Nachmittags, jedoch an Son- und Feyertaegen nicht unter waehrender, sondern gleich nach geendigter Predigt, in der Kirchen erscheinen, bey Strafe eines Guldens.

§ 4. Ohne Geschenke.

Und weil die Ersuch- zu Gevattern und Willfahrung mehr um Christlicher Liebe und Freundschaft, dann Gewinn und Gabe geschehen soll; als haben sich die Gevattern kraft dieses aller Praesenten am Gelde, Waaren oder Victualien, wie die immer Nahmen haben moegen, so wohl vor als nach der Taufe, dann in und nach den sechs Wochen zu enthalten und weder dem Tauf-Paten zu einem so genanten Eingebuende, noch den Sechs-Woechnerinnen auf das Bette etwas zu reichen oder zu schenken. Gestalten dann von dem Verbrecher noch zwey mahl so viel, als er geschenket oder durch andere geben lassen, zur Strafe eingebracht und Uns gebuehrend verrechnet werden soll; es waere dann, daß die Kind-Betterin so arm und unvermoegend, daß sie von den Ihrigen einige Labung nicht haben koente.

§ 5. Kein Kretzentragen oder Weissat-Senden.

In gleichen soll unter der Buerger- und Bauerschaft des Kretzentragen, Weissat-Senden an vielen Gefluegel, Eyer, HutZucker und dergleichen oder auch Gelde an dessen Statt auch die Gegengeschenke, so den Gevattern geschehen, wie nicht weniger die an Theils Orten uebliche Ausfertigung der Doten-Groschen und Kleidung der Kinder, bey Strafe fuenf Guelden aller Dings verboten und abgeschaffet seyn. Wuerde aber einer oder mehr dawider betreten; von dem-oder denselben soll die gemeldete Strafe unnachlaessig genommen und die solches Armuths wegen nicht zu geben haetten, derenthalben mit Gefaengnisse gestrafet werden.

§ 6. Ohne Kind-Tauf-Mahle.

Es soll auch keinen Kindes-Vater mehr zugelassen oder erlaubet seyn, Gastereyen weder waehrenden noch nach vollendeten sechs Wochen zu halten, als wodurch vieler unnoethiger Aufwand bisher zu großen Nahrungs-Schaden veranlasset worden, sondern nach vollendeter Taufe mag den Gevattern und zu dem Tauf-Actui etwann erbetenen Freunden und Nachbarn ein Trunk und Collation, doch ohne Vorsetzung warmer Speisen gegeben, dabey aber kein Confect gebraucht werden: wie in gleichen hiermit das Ueberladen im Trinken, dann alles Schreyen, Lermen und un-geberdiges Bezeigen ernstlich verboten, ferner auch das Heimbegleiten des Gevattern von den Anwesenden und die dabey bisher wahrgenommene Zechen untersaget sind, alles bey Strafe von drey bis fuenf Guelden.

§ 7. Wie die Gevattern zu bitten.

Endlich soll auch einem christlichen ehrlichen Kindes-Vater ueber zwey oder drey, bey den unehlichen Kindern aber mehr als einen oder zwey, als Tauf-Zeugen oder Gevattern zu bitten, nicht zugelassen, auch das Zusammenbitten junger Leute in der Absicht, dadurch Kuppeleyen zu stiften, bey willkuehrlicher Strafe gaenzlich verboten seyn.

Tit. XI. Von Knechten, Ehehalten und Gesinde.

§ 1. Nicht ohne richtige Entlassung anzunehmen.

Nachdem es oefters geschiehet, daß einer des andern Knecht oder Ehehalten vorsetzlicher Weise abdringet, auch die Dienst-Boten selbst zuweilen muthwillig und vor der Zeit aus ihren Diensten treten; als verordnen Wir hiermit, daß niemand eines andern Knecht, Magd oder Gesinde annehmen soll, bey Strafe zehen Guelden oder Gefaengnis, er habe sich dann zu Folge der unterm 26. Oct. 1731 ergangenen allgemeinen Verordnung den von seinem vorigen Dienst-Herrn erhaltenen Weg- oder Erlas- Zettel vorzeigen lassen, so folglich die sichere und gewisse Nachricht, daß der Dienst-Bote von seinem Heim mit Willen und ehrlich entweder allbereit abgeschieden und entlassen oder seinen Dienst zu rechter Zeit aufgekuendiget habe; Gestalten jeder Dienst-Herr den Ehehalt wegen seines letzten Dienstes zu befragen und ihn nicht eher zu dingen, bis er des gutwilligen Abkommens aus dem letzten Dienste entweder genügsame Kundschaft selbst eingezogen oder dessen vergewissert worden.

§ 2. Vor der Zeit nicht aus dem Dienste zu gehen.

Welcher Dienst-Bote aber seiner Herrschaft vor der Zeit seines Gedings ohne redlich und bewegliche Ursachen aus dem Dienste gienge, der soll nicht allein den verdienten Lohn verwuerket und zu fordern nicht mehr Macht, sondern hierueber mit Gefaengnisse zur verdienten Strafe gezogen und ihm innerhalb Jahres in Unserm Lande und Gebiete zu dienen oder sich aufzuhalten, nicht gestattet werden.

§ 3. Sollen den Dienst nicht wieder aufsagen.

Da auch ein Knecht oder Magd sich zu einer Herrschaft verdingt, den Dienst bewilligt und zugesagt, auch Leykauf, wie gering der auch seyn moechte, darauf nimmet nachfolgends aber ohne erhebliche Ursache den Dienst wider aufsaget und zu einer andern Herrschaft sich verspricht, der- oder dieselbe ist schuldig, in desjenigen Dienst zu treten, welchem er zuerst denselben versprochen, dem andern aber einen tuechtigen Dienst-Boten an seiner Stelle zu schaffen oder den zugefuegten Schaden nach Ermaessigung der Obrigkeit zu erstatten.

§ 4. Ein Viertel-Jahr vorher.

Es soll auch ein Knecht oder Magd, wann er oder sie, nicht laenger bey ihrer Herrschaft in Diensten zu verbleiben, gesonnen solches ein Viertel-Jahr vor dem Abzuge ihrem Herrn oder Frauen anzeigen, damit sie sich bey Zeiten um andere Dienst-Boten bewerben koennen, mit der Verwarnung da er oder sie solches unterlassen wuerden, sie schuldig seyn sollen, noch das folgende Jahr darauf in Diensten zu verbleiben.

§ 5. Niemanden abspaenstig zu machen.

Wie Wir dann auch den Dienst-Herren und Frauen ebenmaessig geboten und sie ermahnet haben wollen, durch Bietung mehren Lohns keinen Ehehalten abspaenstig zu machen, noch ihn aus dem Dienste zu treten zu veranlasset, bey zehen Guelden Strafe ohne Ansehung der Person noch Standes.

§ 6. Die Herrschaft den Dienst in Zeiten aufzusagen.

Daferne auch Jemand sein Gesinde nicht laenger in Diensten begeren wuerde; soll er solches ihnen bey Zeiten wislich machen, ihres Verhaltens halben, es moege selbiges bestanden seyn, worinnen es wolle, einen Erlas-Schein oder At-testatum der Wahrheit gemaes, weil niemand ohne dergleichen Vorzeigung in Dienste aufgenommen werden darf, unweigerlich ertheilen, damit weder ihre kuenftige Dienst-Herrschaft noch sie gefaehrdet und respective an ihrem Gluecke gehindert werden.

§ 7. Ein billiger Lohn.

Was sonsten ihren Lohn anlanget, soll kein Gesinde, ueber jedes Orts Herkommen und Gewohnheit solchen zu steigern suchen dagegen sollen auch Herren und Frauen, was billig ist, ihnen nicht weigern, wenigers unter einigen nichtigen Praetexten den Lohn ihnen gar vorenthalten oder abkuerzen, in welchen Stuecken eines jeden Orts Obrigkeit gehoeriges Einsehen zutragen und auf Anruffen das Gehoerige zu verfuegen hat.

Tit. XII. Von Arbeitern, Tag-Loehnern und Boten.

§ 1. Um billigen Lohn.

Wie wohl junge starke Leute aller Orten genug vorhanden; so fueget es sich doch wohl, daß zur Arbeit, sonderlich bei wohlfeilen Zeiten, sie sich der Gebuehr nach nicht wollen gebrauchen lassen, also daß da man eines Arbeiters, Tag-Loehners oder Botens beduerftig, kaum einer zu erlangen oder man ja demselben nach seinen Gefallen und was er fordert und haben will, geben und reichen muesse. Dem aber zu steuern, befehlen Wir gleicher Gestalt Unsern jedes Orts Ober- und Unter- Beamten wie auch Burgermeister und Rath, daß sie Amts wegen die Gebuehr vorkehren und solche Leute so ohne erhebliche Ursache zur Arbeit und Boten-Gehen sich nicht gebrauchen oder mit dem der Zeit Laufe nach einzurichtenden Lohne begnuegen lassen wollen, so balden auf Anzeigung vermittelst Gefaengnis hierzu anstraengen und wo sie ferner in ungehorsame und Widersetzlichkeit verharren wuerden, gar aus der Stadt, Markte oder Dorfe fortschaffen sollen.

§ 2. Nicht zu uebersetzen.

Wie dann auch keiner, der eines solchen Tag-Loehners oder Boten beduerftig, das Gewoehnliche ue - bersetzen, oder das Geringste heim- oder oeffentlich hinnach geben, viel weniger dem andern, der erstlich den Tag-Loehnern oder Boten besprochen, abspaenstig machen soll, bey Strafe fuenf Guelden.

§ 3. Die Ihrigen nicht vor den Thueren betteln herum ziehen zu lassen.

Und nachdem die Erfahrung lehret, daß einige Tag-Loehner und andere junge starke Leute ihre Weiber und Kinder ins Land herein setzen und manches mahl den Leuten vor den Thueren betteln und herum ziehen lassen, sie aber fuer ihre Personen anderwaerts ihre Nahrung mit Hand-Arbeit suchen; als haben jedes Orts Obrigkeiten ebenmaessig dahin zu sehen, damit solche Leute nicht aufgenommen, sondern Weib und Kinder jenen nachgeschicket werden moe-gen.

§ 4. Fremde nicht ohne Erlaubnis einzunehmen.

Weil auch zu gewissen Zeiten von fremden Oertern sich die Leute haeufig ins Land ziehen, worunter einige Hirten auf den Doerfern, dann die mit ihrer Hand-Arbeit, worunter auch die Kraut-Schneider begriffen, den Inländischen die Nahrung entziehen und das Geld hinaus tragen; als sollen dieselbe fuerohin ander Gestalt nicht geduldet werden, sie haben dann vorher bey Unsern jedes Orts zur Einnahme bestelten Beamten, welcher solcherley Leute wohl zu exa-miniren, sich angemeldet und die schriftliche Vergünstigung erlanget.

§ 5. Nichts abzutragen.

So sollen auch in der Heu- und Schnid-Ernde die Tag-Loehner ueber den gewoehnlichen Lohn nichts an Biere und Brode, wenigers nach deren Endigung ein so genantes Sichel-Oel fordern, auch bey dem Heimgehen nichts mit sich tragen, noch die Ihrige von den Feldern und Wiesen tragen lassen; Gestalten dann solches Gebot auch auf die HandWerks-Leute, so bisweilen solches schaedliche abtragen im boesen Gebrauche haben, ebener massen verstanden und die, so dawider handeln, willkuehrlich und nachdruecklich gestrafet werden sollen.

TIT. XIII. Von Begraebnissen

§. 1. Mit maessigen Kosten.

Ob wohl es Christlich und sich gebuehret, daß die Verstorbenen ihrem Herkommen, Stande, Amte und Vermoegen nach ehrlich zur Erden bestattet, und ihnen die letzte Ehre erwiesen werde; so will doch auch hierinnen rechte Masse gehalten, und die Sache dahin zu richten seyn, damit durch vergebliche Unkosten Jemanden bey seinem Leidwesen durch allzuvielen Aufwand nicht mehr Schaden zuwachse, noch Pracht und Uebermuth dabey getrieben werde: und aber ein jeder Befreunder, Gevatter oder andere, so zur Begraebnis beruffen, dies Falls selbsten von der Bescheidenheit seyn werden, jedes mahls in gewoehnlicher Trauer zu erscheinen, und solche auf einige Wochen oder Monate zu continuiren; als soll hinfuero Niemanden, weder den Geistlichen, noch dem, der die Leichen-Predigt, Pa-rentation oder Vermahnung thut, noch denen, so die Leiche tragen, noch dem Leichen-Bitter, Floere und Trauer-Binden, ausserhalb der Eltern, Kinder, der Geschwisterte und Gevattern, bey Begraebnissen ihrer Doten oder Tauf-Paten (sonst aber auch nicht,) wie auch den Laquaien und Haus-Gesinde keine Kleider, Trauer, Schleyer und Schuerzen, oder an Statt deren ganze oder halbe Stuecker Tuch oder Leinwand gegeben, den Bauern auf dem Lande aber dergleichen ganz und gar nicht gestattet werden, und, so Jemand dawider handelt, der soll von jeder Person fuenf Guelden zur Strafe erlegen.

§. 2. Ohne Speisen

Dabey wollen Wir die Leich-Truenke, wie auch alle Speisen, bey jetzt gesetzter Strafe gaenzlich abgeschaffet und verboten haben. Da aber Fremde, so dem Verstorbenen den letzten Dienst erwiesen, vorhanden; soll vergoennet seyn, dieselbe und sonst Niemanden mit einer Mahlzeit von drey oder vier Gerichten zu versehen.

§. 3. Ohne dem Paten was machen zu lassen.

Und weil bis daher der ueble Gebrauch gewesen, daß die Gevattern, ihrem verstorbenen Doten und Paten die Saerge, Toden-Habit, kostbare Craenze, Creutze, Blum-Werk und anders machen lassen; so soll dergleichen hinfuero bey Strafe zehen Guelden, welche so wohl von dem Geber als dem Annehmer eingetrieben werden sollen, gaenzlich abgeschaffet, und den Eltern allein, die Saerge und Kosten-Aufwand zu bestreiten, ihre Kinder ehrlich, jedoch ohne ei-teln Pracht, zur Erden zu bestatten ueberlassen seyn, hingegen bey den Kirchen und Gottes- Haeusern angeordnet werden, daß von daraus, wie die Leichen-Tuecher um eine leidentliche Gebuehr hergeliehen, also auch nicht weniger unterschiedliche Craenze und Creutzlein auf die Saerge und Drahte, Schmelz- und Blumen-Werke dreyerley Gattung zu einem perpetuirlichen Vorrathe zur Hand geschaffet, und selbige zu der Verstorbenen Leich-Bestattung nach jedes Stande und Wuerden, der es verlangen wuerde, eben Falls gegen einen gewissen und wenigen Abtrag, so jedes Orts zu determiniren, und dem Gottes-Hause zu verrechnen, gebrauchet werden moegen.

§. 4. Die armen Paten begraben zu lassen.

Da aber die Eltern der verstorbenen Kinder etwann nicht mehr am Leben, oder notorie so arm waeren, daß sie die Be-graebnis-Kosten zu erschwingen, nicht vermoechten; als dann stehet den Gevattern frey, und lieget ihnen gewisser massen ob, solche nach Inhalt dieser Unserer Verordnung herzuschiessen.

§. 5. Wem keine Leichen-Predigt zu halten.

So soll auch fuerohin zwar einem Jeden frey stehen, die Seinigen nach Vermoegen und Standes-Gebuehr, jedoch ohne unnuetzen Pracht beerdigen zu lassen; dabey aber der gemeinen Leute von Buerger- und Bauerschaft Kindern unter dem zehenden bis zwoelften Jahre ihres Alters keine Leichen-Predigt verstattet seyn.

§. 6. Leichen-Gebuehren.

Weil auch bey den Geistlichen, Schul-Bedienten, Kirchnern, Toden-Graebern etc. je zuweilen in den Gebuehren sehr excediret wird, so soll sich hinkuenftig nach Unsern schon mehr ersagten Reglemente de an[no]. 1738. durchgehendes gerichtet werden, solchemnach der Leichen-Bitter schuldig seyn, die nach Beschaffenheit der Personen und Leichen- Processionen vorgeschriebene und approbirte Kosten-Verzeichnis demjenigen, welchen der Trauer-Fall betrift, und der solchen zu bestellen hat, unter seiner Nahmens-Unterschrift zuzufertigen, und von demselben die determi-nirte Bezahlung, um solche an behoerige Orte wieder liefern zu koennen, zu uebernehmen. Wuerde hingegen dieser entweder fuer sich oder auf Anhandgeben anderer dabey interessirter Personen, unter was fuer Praetexte solches immer geschehen kan oder mag, den Gesatz in dem geringsten Stuecke überschreiten, oder auch derjenige, welcher den Kosten-Verlag zu praestiren hat, ein Mehrers, als vorgeschrieben, freywillig aufwenden; so soll wider selbige so wohl als alle diejenigen, welche, dieser Ordnung oeffentlich oder in geheim entgegen zu handeln, oder ein Mehrers, weder gesetzet worden, anzunehmen, sich geluesten lassen wuerden, mit empfindlicher Strafe sonder Ansehen der Person unnachbleiblich verfahren werden.

§. 7. Wie theuer die Saerge.

Wie dann ferner, so viel die Verfertigung der Saerge betrift, nach dem damit von den Schreinern und Schloessern bisher unter allerhand ungeraeumten und Theils aberglaeubigen Vorbildungen groser und unverantwortlicher Eigennutz getrieben worden, hiermit geordnet wird, daß die groesten Saerge, so von Eichen-Holze mit Leisten und Fuessen gemacht, mit sechs, die mittelmaessigen mit drey und einem halben, und die kleinen mit zwey Thalern, und die, welche von Fohren- oder anderm Holze verfertiget, eine jede von ersterwehnten Sorten mit der Haelfte diese Werths bezahlet, Niemand aber, wer der auch sey, die Saerge innen ausschlagen zu lassen, in Zukunft mehr gestattet werden, auch das aeusserliche Beschlaege an denselben, welches in vier Hand-Haben bestehet, und dafuer der Schlosser mehr nicht als einen Thaler zu fordern befugt, Keinem, der buergerliches Gewerbe treibet, erlaubet seyn soll.

§. 8. Nicht in die Kirche zu begraben.

Und gleich wie das Begraben in die Kirche, jedoch mit der in dem mehr allegirten Reglemente befindlichen Modification und Ausnahme, hiermit gaenzlich und Jedermaenniglich, wer der auch sey, verboten und inhibiret wird;

§. 9. Den Sarg nicht weiter zu oefnen.

Also soll auch kein verstorbener Toder, er sey gros oder klein, und von was fuer Condition er wolle, weder zu Hause noch in der Kirchen oeffentlich ausgesetzet, sondern so bald er in den Sarg gebracht, darinnen verschlossen bleiben, und der Sarg nicht mehr geoeffnet, auch die Leiche weiter nicht, als mit einem geringen leinenen oder zeuchenen Gewande bekleidet werden, bey Strafe zwanzig Guelden, der dem zu wider handeln wuerde.

§. 10. Gebuehr der Leichen-Traeger und Bitter.

Den Trae gern, so bey vornehmen Leichen 24. Groschen inclusive des Leichen-Trunks, und bey geringen 8. bis 12. Groschen, ausser dem aber weiter nichts, und zu dem letztern mehr nichts, als sechs bis acht Traeger genommen, auch dem Leichen-Bitter, oder der Leichen-Bitterin bey einer vornehmen grosen Leiche taeglich 16. Groschen, und bey einem Kinde die Haelfte, in gleichen von eines Burgers Leiche, die mit einem ganzen Chore begraben wird, 16. Groschen, und, wo man nur ein halbes Chor nimmt, 10. Groschen fuer alle und jede Bemuehung, mit gaenzlicher Aufhebung der Teils Orten eingefuehrt gewesenen Kost- Reichung und andern, abgegeben werden.

§. 11. Kein Flor ans Creutz.

Es soll auch nicht erlaubet seyn, vor einen Verstorbenen, der bürgerliche Nahrung und Gewerbe getrieben, wann er auch gleich sonst neben dem eine Hof-, Civil- und Militair- Bedienung bey der Herrschaft unter dem Ausschusse oder dem Rathe bekleidet haette, das Creutz mit einem daran gebundenen Flore vor sich hertragen zu lassen, bey Strafe zwoelf Guelden.

§. 12. Wie mit dem Gelaeute.

Auch jetzt erzaehlten Personen mehr nichts als ein mahl, nehmlich, wann sie zu Grabe getragen, und mit einem ganzen Chore begraben werden, hingegen Niemanden, als Unsern wuerklichen Ministern und Raethen, drey bis vier mahl mit allen Glocken zusammen geschlagen, die Verkuendigung dergleichen Leichen aber von den Canzeln nur ein mahl bey dem ersten Vorlaeuten verrichtet werden.

§. 13. Wie mit der Trauer.

Niemanden, als Unsern Ministern, wuerklichen Raethen und denen von Adel, wie auch derselben Ehe-Consortinnen, soll bei Absterben eines Ehe-Gattens und derselben Eltern die tiefe Trauer in aufgeriebenen Tuechern, Schuhen, doppelten langen Stuerzen, Kraegen, Witben-Roecken und dergleichen zu tragen, bey Strafe zwanzig Guelden und da-rueber, erlaubet;

§. 14. Der Gedaechtnis Predigt.

Auch nur allein fuer dieselbe und Ehe-Consortinnen, da sie wolten, eine Gedaechtnis- Predigt an einem Son- oder Apostel-Tage Nachmittags in der Kirche halten zu lassen, gestattet seyn.

§. 15. Den stillen Leichen. Voelligen Chor.

So soll auch nur allein obbenanten Personen und den Ihrigen Hinterlassenen permittiret seyn, sich, da sie wolten, ohne Bezahlung einiger Leich-Gebuehren, in der Stille zur Erden bestatten, oder mit voelligem Chore und Gutschen das Leich-Begaengnis, und dabey so wohl vor dem Sterb-Hause, als in der Gottes-Ackers-Kirche eine Vocal-Music halten zu lassen.

§. 16. Wie der Privilegirten 2. oder 3. jaehrige Kinder.

Wer von den Canzley-Verwandten, graduirten Personen, Advocatis ordinariis, Hof- Officianten, Beamten, Iuris Practicis, ein Kind von zwey bis drey Jahren, aelter aber nicht, in der Stille begraben lassen wolte; dem soll solches erlaubet seyn, jedoch, daß nicht mehr als zwey Chaisen ausser den Traegern dazu genommen, und alle Music eingestehet werde, bey Strafe zehen Guelden, wer diesem zu wider leben wuerde.

§. 17. Der Geringern.

Bey Buergern und derselbigen Zugehoerigen, auch andern geringen Standes, soll der Gebrauch der Gutschen gaenz-lich verboten seyn.

§. 18. Auf wem Leichen-Gedichte.

Weil man auch bisher wahrgenommen, daß mit den Leichen-Carminibus, welche so gar bey Absterben geringer Personen gedruckt und ausgetheilet worden, allerhand unziemlicher Misbrauch vorge he; als sollen dergleichen bey Leuten, welche buergerlich Gewerbe und Nahrung treiben, sie moegen sonsten daneben andern Aemtern vorstehen oder nicht, bey Strafe fuenf Guelden, welche so wohl derjenige, der das LeichenCarmen verfertigen laest, als auch der Buchdrucker, der solches zu drucken uebernimmt, unnachbleiblich zu erlegen hat, gaenzlich hiermit abgestellet seyn.

§. 19. Gerade auf den Gottesacker zu.

Alle Leichen sollen des naechsten und geraden Weges nach dem Gottes-Acker zu getragen, und mit solchen, wer der auch seyn mag, kein Umschweif bey Strafe fuenf Guelden genommen werden.

Von Vormundschaften

§. 1. Landesfuerstliche Vorsorge.

Sintemahl es eine das Policey-Wesen angehende wichtige Sache ist, daß den verwaysten und minderjaehrigen Kindern wohl fuergestanden, und ihnen ihr Gut und Vermoegen aufs Beste conserviret werden moege; so geben Wir Unsere Landesfuerstliche Vorsorge auch in diesem Stuecke als Ober-Vormund hiermit zu erkennen, und haben deshalben nicht nur bey Unserm Regirungs-Raths-Collegio ein eigenes Departement aus verschiedenen bey selbigem stehenden Raethen angeordnet, sondern Wir wollen auch, daß hinfuero mit den Vormundschaften und, was denselben anhaengig, es gehalten werden solle, wie folget:

§. 2. Natuerliche Vormuender.

Und zwar Anfangs lassen Wir es bey der rechtlichen Verordnung, daß einem leiblichen Vater Kraft vaeterlichen Ge-walts die Auferziehung seiner Kinder nebst den Vsufructu ihres Vermoegens, auch einer leiblichen Mutter die natürliche Vormundschaft unter der Beobachtung der in den Rechten vorgeschriebenen Requisiten gebuehre, der Gestalt bewenden, daß so wohl circa confectionem inventarii, als auch sonsten dasjenige dabey observiret werde, was in Unserer juengst promulgirten Landes-Constitution Tit. VII. sanciret zu finden.

§. 3. Erwaehlung der Vormuender.

So dann ist in Erwaehlung der Vormuender anfoerderst auf die naechsten Verwandten, volljaehrige Brueder und Vettern, denen nach Erbgangs-Recht die Succession gebuehret, also, daß diese auch, bey Verluste derselben Vormundschaften zu uebernehmen, vor andern schuldig und gehalten seyn, ferner auf die Tauf-Paten und ins gemein auf solche Subiecta zu sehen, welche Christlich, vernuenftig, geschickt und eines guten Geruechts, auch im Lande genugsam angesessen sind. Da aber ein- oder der andere triftige Entschuldigungs-Ursachen zu haben vermeynte; soll er solche subpraeiudicio, nicht mehr gehoeret zu werden,binnen vierzehen Tagen von der Zeit an, da ihm die Vormundschaft angedeutet worden, gehoerig vorbringen, und Bescheids, ob sie relevant oder nicht, gewaertig seyn.

§. 4. Aufgetragene Vormundschaft.

Wann auch einem Auslaendischen oder solchem, welcher im Lande und Unsern Gerichten nicht angesessen, eine Vormundschaft aus besondern Ursachen aufzutragen waere; soll derselbe anders nicht, er renuncire dann in so weit, als er fuer die Vormundschaft responsabel, seinem Foro, und unterwerfe sich Unserm Gerichts-Zwange, admittiret werden.

§. 5. Vormund der Pupillen Schuldner.

Da aber einer, der dem, so sein Pflegs-Anbefohlener werden soll, mit Schulden verhaftet, oder da dieser ihm schuldig waere, solche Activ- oder Passiv-Schuld vor seiner Bestaetigung zur Vormundschaft nicht anzeigen wuerden; der ist mit der in den gemeinen Rechten dies Falls sanctirten Anthung anzusehen.

§. 6. Obsignatur. Inventar.

Damit aber den Verwaysten und Minderjaehrigen desto mehr prospiciret seyn moege; so haben jedes Orts Obrigkeiten, hinter welche die zeitlich ablebende Eltern seshaft und gehoerig sind, dann bey Unserer Regirung, Canzler und Raethe, und bey der Geistlichkeit die Superintendenten, jedoch nach der in den von Unserer nachgesetzten Regirung hiebevor unterm 25. Januar. 1720. und in folgenden Jahren ergangenen Verordnungen enthaltenen Modification und Anweisung dahin zu invigiliren, daß gleich nach der Eltern Absterben in casibus habilibus obsigniret, und darauf post trigesimum ordentlich inventiret , mithin den Vormuendern ein richtiges Inventarium so balden bey dem Antrite ihres Amts zu Handen gestellet werde. Auch haben die Vormuender selbst in diesem und andern Stuecke Sorge zu tragen, in Betrachtung, daß sie, so bald als ihnen von der uebertragenen Vormundschaft etwas wissend worden, wann sie auch schon die Administration noch nicht angetreten, und verpflichtet sind, der Verantwortung unterworfen seyn sollen.

§. 7. Die Erbschaften vorher zu untersuchen.

So dann haben jedes Orts Obrigkeiten mit den Vormuendern die Vires, so wohl der elterlichen, als etwann anderer waehrender Vormundschaft anfallender Erbschaften, in Faellen wo viele Passiv-Schulden vorhanden, wohl zu untersuchen, und die Vormuender nach Befinden solcherley Herediates nicht anders, als cum beneficio legis velinventarii, anzutreten.

§. 8. Wie mit dem Vermoegen zu verfahren.

Auch werden sie hiermit angewiesen, diejenigen Meubeln, welche nicht raethlich aufzubehalten, oder dem Verderben unterworfen, zeitlich und so hoch, als moeglich, an einen Mann zu bringen, die baaren Geld-Mittel, ausser einigem Schatz-Gelde, auf Verzinsung an sichere Orte auszuleihen, ausstehende unverzinsliche, oder sonst nicht allzuwohl versicherte Schulden bey Zeiten einzutreiben, die Interesse auf keine Weise anwachsen zu lassen, sondern viel mehr in diesem Falle der Rueckzahlung der Capitalien sich zu versichern, und die eingehenden Zinsen, wann andere vormundschaftliche Ausgaben solches zulassen, wieder auf Zinsung anzubringen, ihre Pupillen und Pflegs-Anbefoh-lene in keine unnoethige Processe zu verwickeln, sondern, wo sie, eine Rechtfertigung tutorio oder curatorio nomine zu fuehren vermuessiget zu seyn, erachten, geschickte und gewissenhafte Leute darueber zu Rathe zu ziehen, oder auch wohl der Obrigkeit Gutachten vorher einzuholen; die Veralienirung ihrer Pupillen und Pflegs-Anbefohlenen unbeweglichen Gueter, (welches ohne dem valide anders nicht geschehen kan, es werde dann solch Vorhaben gerichtlich und nicht obenhin, sondern gruendlich eingesehen, und ein obrigkeitliches Decret darob ausgewuerket, ausser dem sonst alles nichtig und kraftlos ist,) ohne dringende Noth oder vorscheinendem sonderbaren Nutzen nicht zu unternehmen.

§. 9. Vorsorge fuer ihre Unmuendigen.

Auf die Personen ihrer Pupillen und Pflegs-Anbefohlenen, damit sie zur Gottesfurcht, Ehrbarkeit, und die Soehne zu denenjenigen Wissenschaften und ehrlichen Gewerben, wozu sie incliniren oder tauglich erachtet werden, dann die Toechter zur Sitsamkeit und gutem Haushalten, eingezogenen Leben und andern Tugenden und Geschicklichkeiten wohl und bey Zeiten angefuehret werden moegen, genaue Aufsicht zu tragen, sie von Muessiggange, sorgfaeltigst abzuhalten, und anbey dahin zu sehen, damit die Sustentation von dem Ertrage der Gueter moege bestritten, und die Substanz unangegriffen erhalten werden.

§. 10. Vormundschafts-Rechnung.

Auch haben sie, (worunter auch die Muetter, wann sie die Vormundschaft ihrer leiblichen Kinder uebernehmen, gestalten Sachen nach mit zu verstehen sind,) wann das Vermoegen considerabel, alljaehrlich, sonsten aber alle zwey oder drey Jahre, in Gegenwart der naechsten Freunde und der Curanden, Rechenschaft ueber ihre gefuehrte Administration der Gestalt ab- oder wenigstens die Rechnung verfertigt gerichtlich zu hinterlegen, daß das Inventarium, welches zu solchem Ende in calculo generali des zu Geld angeschlagenen Vermoegens und der Quotae hereditatis richtig abzuschliessen, zum Fundament der Rechnung unter dem Titel: Einnahme Schuld Inventarii gesetzet, hernach alle Einnahme und Ausgabe unter ihre besondere Titel nach Masgabe des zu Ende dieser Policey-Ordnung beygefuegten Formulars ordentlich mit Ausdrueckung der Monats-Taege, und wo von Kaufen oder Verkaufen was vorkommet, mit Benennung der Kaeufer, dann Beyfuegung der Belege, gebracht, und am Ende der Rest-Verweis ausführlich angehaen-get, dieser examiniret und mithin, ob der Vormund was schuldig verbleibe, indagiret werden soll, so er mit und bey der Justificatur baar erlegen, und obrigkeitliche Verordnung, was mit solchem baaren Gelde zu thun, zu erwarten hat. Es haben auch die Examinatores und Justificanten genau darauf zu sehen, daß nichts uebermaessiges auf der Pupillen und Curanden Unterhalt, Kleidung, Studir- Kosten und andere Bedürfnisse, weniger auf der Vormuender Zehrung, Reisen und dergleichen verrechnet werde. Gleich dann die Abhoer-Gebuehren selbst auf das geschmeidigste ex favorepersonarum miserabilium einzuziehen sind.

§. 11. Was die Vormuender bey Verheurathungen zu beobachten.

Uebrigens, wie die Vormuender und naechste Anverwandte, wann eine Mutter sich anderweit verehliget, wohl zu erwaegen haben, ob die Unmuendige und Minderjaehrige bey der Mutter oder befundenen Umstaenden nach bey

den naechsten Anverwandten, oder bey den Vor- muendern selbst zu erziehen; also, wann die Pflegs-Anbefohlene ihre mannbare Jahre erreichet, und sich zu verheurathen Willens sind, sollen sie solches mit Rathe und Genehmhalten ihrer Vormuender thun, welche ein fleissiges Aufsehen haben sollen, damit ihre Pflegs-Kinder in Heuraths-Sachen nicht boeslich verreitzet, verfuehret oder verkuppelt, und dadurch in Reue, Schaden und Leid gestuerzet, dagegen aber, wann es den Pflegs-Kindern zu Nutzen und Aufnehmen angesehen, zufoerderst ihrer naechsten Freunde und Verwandten Gutachten und Bedenken eingeholet und ueberleget, sie von ihren Vormuendern daran auch nicht gehindert werden sollen. Wir wollen auch der Vormuender darunter suchende Vortheile, eigennütziges Eindringen oder Verleiten ihrer Pflegs-Kinder ernstlich verboten, und, da dergleichen zu Schulden kommen solte, Uns, solches mit der Schaerfe zu bestrafen, vorbehalten, hingegen aber die Vormuender, wann ihre Pflegs-Anbefohlene in diesen und andern ihre Wohlfart betreffenden Stuecken ihnen nicht folgen, und eine Widersetzlichkeit bezeigen wuerden, angewiesen haben, jedes Orts Obrigkeit solches anzuzeigen, welche so d ann bescheidentlich, auch auf Befinden mit gehoerigem Ernste und Animadversion die Pflegs-Kinder zu ihrer Gebuehr und Respect gegen die Vormuender anhalten wird.

§. 12. Schlusreichung der Vormuender.

Da nun die verheurathete Pflegs-Kinder ihre Gueter selbst uebernehmen und verwalten wolten, oder auch sie das 25. Jahr erreichet, oder veniam aetatis von Uns impetriret; so sollen die Vormuender ihre Schlus-Rechnung fertigen, solche gerichtlich uebergeben, abhoeren und justificiren, auch wann alles, was sie von Vormundschafts wegen schuldig sind, richtig und zur vollen Gnuege von ihnen extradiret worden, vor Gerichte sich quittieren lassen. Wann aber die Pflegs-Anbefohlene solche Quittung difficultiren wuerden; sollen die Anstaende, so viel moeglich, in der Kuerze ausgema-chet, und wo solche ein Geringes betreffen, auch der bestelte Vormund sonst in seiner aufgehabten Administration getreu und redlich erfunden worden, auf dessen Pflicht und Gewissen, daferne aber die Differenz ueber 5. bis 10. Guelden sich erstrecken solte, zur rechtlichen Entscheidung Unserer nachgesetzten Regirung, und, wann die gewesene Pfleglinge als dann ohne Ursache die Quittanz gleich wohl ferner verweigern wuerden, solche von Obrigkeits wegen ausgestellet werden.

§. 132. Vormundes Tod waehrender Administration.

Wann aber ein Vormund waehrender Administration das Zeitliche gesegnet; so sind desselben Erben schuldig, an Statt ihres Vaters und Befreunden bis auf dessen Todes-Fall die Rechnung verfuehrter Vormundschaft zu leisten, sie haften auch so lange, bis die Rechnung abgeleget, bey welcher Abhoer dann der neue Vormund zugegen seyn, und seines Pfleglings Nothdurft auf das Beste reden und beobachten soll.

§. 14. Vormund hat auf den Mitvormund Achtung zu geben.

Weil auch die Vormuender, wann deren etliche sind, samt und unterschiedentlich, oder in solidum der verwaltenden Vormundschaft halben gegen ihre Pflegs-Kinder mit dem stilleschweigenden Unterpfande ihres Vermoegens haften; so hat ein Vormund auf seinen Mitvormund, der die vormundschaftliche Verwaltung alleine fuehret, sich nicht zu verlassen, sondern sich selbst der Sache mit anzunehmen, den Mitvormund beduerfenden Falls zu erinnern, und wo es die Nothdurft erfordert, bey der Obrigkeit dessen ungleiche Auffuehrung anzuzeigen, und sich nicht selbst durch ein- und andere Unterlassung in Schaden zu bringen.

§. 15. Belohnung des Vormunds

Letztlich sollen zwar die Vormundschaften, als dem gemeinen Wohlwesen zum Dienste, umsonst und ohne Renumeration uebernommen und verwaltet werden, in wessen Betrachtung auch Wir nicht gestatten, daß ein Vormund vor sich ihm selbst eine jaehrliche Besoldung aus seines Pfleg-Kindes Vermoegen mache und zueigne; doch gleichwohl erachten Wir, der Billigkeit gemaes zu seyn, daß die Pflegs-Kinder, wann ihre Vormuender denselben muehsam, getreulich und wohl vorgestanden, auch zuweilen mit Reisen und andern noetigen Geschaeften ihr eigen Haus-Wesen hintansetzen, und das Ihrige versaeumen muessen, bey Uebergabe der Vormundschaft nach Beschaffenheit des Ver-moegens und der dabey gehabten Bemuehung entweder selbst, oder auch noch vor solcher Zeit, die Obrigkeit ihnen eine jaehrliche Ergoetzlichkeit beylege.

§. 16. Wem sonst Vormuender zu setzen.

Schlieslichen wollen Wir, was vorher verordnet, auch ratione anderer Personen, welche ihnen selbst nicht vorstehen koennen, und denen nach Anweisung der Rechte gewisse Curatores zu bestellen sind, observiret wissen, mit dem Anhange, daß, wann die Obrigkeit, dem die Bestellung der Vormundschaften ins gemein zukommet, in ein- und andern Stuecken durch Nachlaessigkeit oder in andere Wege etwas verabsaeumet, wodurch den Pupillen oder Curanden ein Nachtheil zuwaechset, dessen Reparation von den Vormuendern und Curatoribus propter inopiam oder sonsten nicht zu erhalten waere, sie und ihre Erben in subsidium aller Dings zu haften und dafuer zu stehen haben sollen.

§. 17. Darueber zu halten.

Und weil diese Unsere Satz- und Ordnung lediglich das allgemeine Beste aller in Unserm Lande und Fuerstenthume sich befindender Unterthanen zur alleinigen Absicht und Richtschnur hat; als versehen Wir Uns auch, es werden derselben Unsere Canzler und Raethe, Hof-, Militair-, Forst- und Jagd-Bediente, ingleichen Lands- und Amts-, Haupt- wie auch Ober-Amt-Leute, die von Unserer getreuen Ritterschaft, so wohl fuer sich in ordine derselben Schrift- oder Amts-saesserey, als auch ihrer Unterthanen und Hintersassen, ferner alle Geistliche und Beamte, nebst Burgermeister und Rath, so wohl in Staedten und Maerkten, als respective auf dem Lande zu allen Zeiten gehorsamst und willig nachleben, darueber genau, steif und fest halten, auch in casum contraventionis Niemanden, wer der auch sey, auf einigerley Weise zu ihrer Verantwortung und deshalben zu leisten habender Rechenschaft conniviren, oder daß dem zuwider etwas uebersehen oder verhaenget werde, geschehen lassen.

TIT. XV. Von Einziehung des Kleider-Prachts.

§. 1. Standsmaessig.

Obwohl die Kleidung allein zur Ehrbarkeit und Nothdurft unter Beobachtung der standesmaessigen Distinction eingerichtet seyn, nicht aber zum Stolz, Pracht und Hoffart gemisbrauchet werden soll; so bezeuget jedoch die Erfahrung, wie sehr der Kleider-Pracht aller Orten, so gar unter gemeinen Buergern und Bauern, maenn- und weiblichen Geschlechts ueberhand genommen, wodurch das Geld fuer die auslaendische Waaren haeufig aus dem Lande gefuehret, der Groesere von dem Geringem zu mehrern Aufwand getrieben, und fast nirgend mehr eine Ordnung und Unterscheid der Staende wolle beobachtet werden, womit folglich mancher selbst mit den Seinigen in das Verderben und bittere Armuth, weder der Herrschaft noch dem Publico das erforderliche praestiren zu koennen, gestuerzet wird, und andere ueble Folgerungen mehr mit Betruegen und Ansetzen redlicher Leute, entstehen.

§. 2. Ein Jeder.

Nun versehen Wir Uns zu Unsern Ministern, Raethen, Officieren, Hof- und Canzley- Bedienten, dieselbe werden hierinnen und andern mit gutem Exempel vorgehen, und in Kleidern, Jubelen, Gold- und Silber-Tragung Ziel und Masse halten, somit nicht allein selbst allen Exces zu vermeiden suchen, sondern auch dergleichen den Subalternen so wohl bey Hofe als in der Canzley mit ernstem Nachdrucke untersagen, und, daß solcher, wie bisher zum Theil zu dieser ihren eigenen groesten Schaden geschehen, bey ihnen nicht ferner einreissen, noch sie sich durch weitern ueber ihre Condition sich ohne dies erstreckenden Kleider-Pracht und Anschaffung allerhand kostbarer Meublen, wie auch Schildereyen, Porcellan-Geschirre und Haus-Geraethe gar den gaenzlichen Verfall zuziehen moegen, genaue und fleissige Aufsicht halten, auch ein gleiches bey allen ausserhalb des Hofs und der Canzley sonst noch in officiis stehenden Personen, wie nicht weniger bey den Beamten, Commissarien, Advocaten, Practicis, Procuratoribus, Actuariis, Studiosis, Notariis, Sollicitanten, Scribenten etc. durch den aufgestelten Fiscal fleissig observiren lassen, folglich auf beschehene

Anzeige das, worinnen sie und die Ihrige excediren, abstellen, und nach Befinden mit verdienter Anth- und Bestrafung ansehen.

§. 3. Derer, die Kuenste und bürgerliche Professionen treiben.

So viel aber diejenigen Personen betrift, welche entweder ausser aller Bedienstung leben, oder nebst solcher auch Kuenste, bürgerliche Professionen, Gewerbe und Nahrung treiben: und Wir bis anher wahrnehmen muessen, was fuer grose Verschwendung durch selbige von beyderley Geschlechte mit Tragung des Sammets, Gros de Tour, Stofs, Atlas und anderer kostbarer seidener, wie auch goldener und silberner Zeuche, dann dergleichen Borten, Leib-Guer-teln, Tressen, Spitzen, Baendern, Schnueren, Franzen etc. in gleichen kostbarer auslaendischer Tuecher, seidener und wollener Zeuche, so wohl zum taeglichen Gebrauche als zur feyerlichen Kleidung getrieben, dadurch aber mancher an seiner und der Seinigen taeglichen unentbehrlichen Nothdurft vorsetzlich auf das Aeusserste verkuerzet werde; als wollen und befehlen Wir Kraft dieses ernstlich, daß vorerzehlte Personen, derselben Weiber, Kinder und Anverwandte in Zukunft sich alles Sammets, Gros de Tour, Stofs, Atlas, genaehter oder geknippelter auslaendischer, in groe-sern, dann sechs gute Groschen stehender Spitzen und anderer kostbarer seidenen Zeuche, wie auch der mit Zwirne oder Seiden genaehter oder gestickter zur Bekleidung gehoeriger Waaren, item alles Faden-Goldes und Silbers auf ihren Kleidern, Hauben, Muetzen, Hals-Tuechern, Vorsteckern, Leiblein, Schnuermiedern, Hand- Mueflein, Pantoffeln etc. bey Vermeidung empfindlicher Strafe und Confiscotion der Waare gaenzlich enthalten, dasjenige aber, so sie sich von solchen Waaren bereits zugeleget haben, a datopublicationis noch auf ein Jahr lang zu tragen, ihnen zugelassen seyn, mit Anschaffung ihrer uebrigen Kleidung hingegen sie sich also bezeigen sollen, damit, wie gleich wohl bey den Mehresten zu geschehen pfleget, nicht alles an selbige und dergleichen Lumpen, viel weniger in einigen unnuetzen und schaedlichen Ueberflus verwendet, viel mehr die Ehrbarkeit nach eines jeden Stand beybehalten, und sie lieber ihrem steuerbaren Mitbueeeeeeeeee