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Nr. 3113

 

Die Meute Jochzor

 

FENERIK entsendet seine Häscher – die erbarmungslose Jagd auf drei Deserteure

 

Susan Schwartz

 

 

 

Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

 

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Triade

2. FENERIK – Der Auftrag

3. Durch die Kluft

4. LUPPASH XVI – 4. Juni 2071 NGZ

5. DUTMUTEV

6. LUPPASH XVI

7. DUTMUTEV

8. Porters Halt

9. Aoshana –5. Juni 2071 NGZ

10. LUPPASH XVI – 6. Juni 2071 NGZ

11. LUPPASH XVI

12. Aoshana – 14. Juni 2071 NGZ

Fanszene

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

 

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In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem 6. Jahrtausend nach Christus, genauer dem Jahr 5658. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat.

Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen.

Terraner, Arkoniden, Gataser, Haluter, Posbis und all die anderen Sternenvölker stehen gemeinsam für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, womöglich umso stärker, seit ES, die ordnende Superintelligenz dieser kosmischen Region, verschollen ist.

Als die Liga Freier Galaktiker durch drei Deserteure erfährt, dass in der Nachbarschaft der Milchstraße ein sogenannter Chaoporter gestrandet sei, entsendet sie unverzüglich ihr größtes Fernraumschiff, die RAS TSCHUBAI. Denn von FENERIK geht wahrscheinlich eine ungeheure Gefahr für die Galaxis aus.

Während Perry Rhodan als Allianz-Kommissar in Cassiopeia, einer Andromeda vorgelagerten Kleingalaxis, auf der Suche nach dem Chaoporter ist, werden dessen Truppen in der Milchstraße aktiv: Um die Deserteure zu fangen, entsendet FENERIK dorthin DIE MEUTE JOCHZOR ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Jochzor – Der Anführer einer Meute erhält einen Auftrag.

Dupan – Der Hangarleiter achtet auf seinen Anteil.

Sharluppash LXXXVII. – Der Mehandor-Patriarch hat eine Nase für Geschäft und Gefahr.

Aoshana – Die junge Frau ist für die meisten ein Rätsel, das sie nicht lösen wollen.

1.

Triade

 

»Jochzor? Triadenführer, wo bist du?«

Narren! Warum umgebt ihr euch nicht gleich mit einem grellen Zielschirm?

Der Munuam hörte die beiden Begleiter. Er sah sie. Sie hingegen bemerkten ihn nicht. Und hoffentlich der Feind ebenso wenig.

Hatten sie seinen Befehl nicht mitbekommen, dasselbe wie er zu tun – in Deckung zu gehen?

Der Feind war fast da.

Jochzor drückte sich tiefer in die Deckenhöhlung. Seine neun Schulterfäden ertasteten zielsicher die Struktur, fanden selbst den geringsten Halt in den kleinsten Löchern, Rissen und Kanten. Er passte sich auch ohne Mento-Montur so sehr an, dass es für ein ungeübtes Auge schwer sein würde, ihn zu bemerken.

Noch dazu in einer Tropfsteinhöhle wie dieser, mit unterschiedlich farbigem, porösem Gestein, schrundig und grob strukturiert. Voller Löcher, Schlitze und Schatten, besetzt mit Glimmer, der Jochzors silbrigen Schuppen auf der Oberseite des Kopfes ähnelte.

Seine beiden Begleiter waren weit davon entfernt, derart mit der Umgebung zu verschmelzen.

Eure Unerfahrenheit wird euch teuer zu stehen kommen.

Der Triadenführer hatte keine Wahl. Die Regeln waren streng. Er durfte sie trotz der Gefahr nicht unterstützen. Einer von ihnen musste durchkommen. Bis an diesen Punkt hatte er sie geführt, hatte sein Wissen mit ihnen geteilt, vor Sorglosigkeit gewarnt.

Nun nahte der Angriff, und jeder musste auf sich gestellt überleben. Gegen diesen Feind half kein gesammelter Kampf, sondern jeder in der Triade musste einzeln aus dem Hinterhalt agieren. Die feindliche Gruppe zersprengen.

Jochzors Chancen, diesen Einsatz zu überleben, standen derzeit am höchsten. Aber sie waren keineswegs gut.

Die beiden jungen Munuam verließen sich zu sehr auf ihn, das zeigte sich immer wieder. Dododra und Lakavo hatten sich bisher wacker geschlagen, weswegen er sie überhaupt ausgewählt hatte, eine Triade mit ihm zu bilden.

Doch Jochzor hatte dabei nicht bedacht, dass sie ihn als Legende betrachteten, wie so viele andere. Sie vertrauten darauf, dass er sie aus jedem Schlamassel führen würde, weil er einfach alles wusste und konnte. Dass nichts wahrhaftig schlimm sein konnte, solange er dabei war.

Was natürlich Unsinn war. Jochzor siegte nicht durch Bewunderung, sondern durch seine Erfahrung, die Vielzahl seiner Einsätze, die ihn immer wieder belehrt hatten, sich niemals überlegen oder auch nur sicher zu fühlen, solange er nicht alle Parameter beisammenhatte. Bisher hatte er alle Einsätze mehr oder minder an einem Stück bewältigt – aber das war nur möglich, wenn die Mitstreiter der Triade in den vollen Einsatz gingen und ihn nicht bewundernd anstierten und seine weisen Worte heischten.

Und nun?

Nun hatten sie etwas übersehen, waren falsch abgebogen und hatten den Feind auf die Spur gebracht.

Jochzor verharrte reglos und bemerkte erleichtert, dass Dododra und Lakavo sich endlich auf ihre Aufgabe besannen, sich wortlos mit Gesten austauschten und sich dann in beachtlicher Geschwindigkeit Richtung Höhlendecke hochhangelten, auf einander gegenüberliegenden Posten.

Sehr gut.

Nun hatten sie alle drei die Höhle gut im Überblick.

Von diesem Moment an hieß es warten.

Sie verhielten sich still.

Pling, Pling, Pling, tropfte es neben Jochzor von einem Stalaktiten herunter auf einen entgegenwachsenden, erst etwa armlangen Stalagmiten. Der scharfe Deckenzacken war ein weißliches, aufgequollen wirkendes, sehr spitzes Ungetüm, das selbst den halbsteinernen Schädel des Schockenden Höhlengrach durchbohren könnte, würde der Munuam es mit den Disrupt-Fragmentarien von der Decke lösen und nach unten rasen lassen.

Zum Glück gab es in dieser Höhle keinen Schockenden Höhlengrach. Die Nesselschlingen des riesigen gepanzerten Tiers, die beim Treffer elektrische Schläge von tödlicher Stärke austeilten, waren so schnell und zahlreich, dass selbst die besten Triadenführer nicht dagegen ankamen. Ohne Montur würde Jochzor sich niemals diesem tödlichsten aller Gegner stellen wollen.

Aber mit den Sichelflüglern war ebenso wenig zu spaßen. Diese Begegnung hätte er lieber vermieden, aber nun ...

Es kam immer anders als gedacht und sehr viel gefährlicher.

Kaum hatte er diesen Gedanken beendet, brausten sie heran.

 

*

 

Sie waren nicht mehr als armlang, aber ihre sichelförmigen Hautflügel waren messerscharf und das aus dem Trichtermaul fast einen halben Meter hervorschnellende und zustoßende Gebiss mörderisch.

Sie verfügten über eine Art Schwarmintelligenz. Ihre gesammelten Angriffe waren effizient, sie konnten reaktionsschnell umschwenken und die Strategie ändern. Vor allem kannten sie die Schwachpunkte der Munuam genau und konzentrierten sich auf die Schulterfäden, um sie mit einem Flügelschwung durchzutrennen. Der betroffene Munuam stürzte alsdann haltlos zu Boden und konnte währenddessen attackiert werden, ohne zur vollen Gegenwehr fähig zu sein.

Deswegen war es so wichtig, die Meute zu zersprengen.

Genau wie der Schockende Höhlengrach verfügten die Sichelflügler über die Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen. Energiewaffeneinsatz gegen sie war zwecklos, daran luden sie sich nur auf. Nur Einfallsreichtum, Kraft, Geschick und mechanische Waffen hatten Aussicht auf Erfolg.

Jochzor hatte schon schwierigere Aufträge gehabt – aber auch einfachere. Er musste es nehmen, wie es kam.

Es war schwer zu schätzen, wie viele Sichelflügler dicht an dicht wie eine Wolke heranschwirrten. Sie waren in ständiger Bewegung innerhalb des Schwarms, es sah chaotisch aus, doch das sollte das erkorene Opfer nur täuschen. In Wirklichkeit waren sie absolut geordnet: Jedes Einzelwesen wusste, was es zu tun hatte, sie handelten alle wie ein einziger Organismus.

»Jetzt!«, schrie Jochzor, schaukelte heftig nach vorne und hinten und ließ los.

Der Schwung trug ihn voran, die Schulterfäden stießen nach oben und fanden Halt. So schwang sich Jochzor durch die Höhle, und Dododra und Lakavo machten es ebenso – jeder in eine andere Richtung.

Einige Sichelflügler schlugen an der Stelle auf, an der Jochzor soeben gehangen hatte, zwei von ihnen so heftig, dass sie nach unten trudelten. Die anderen wichen aus. Nachzügler bemerkten die Abstürzenden, und zwei von ihnen folgten.

Die heftigen Schaukelbewegungen lockten die Sichelflügler an – und das geriet zu ihrem Nachteil. Unsicherheit trat ein, der Schwarm schwankte hin und her, denn alle drei Munuam wirkten gleichermaßen als verlockende Beute.

Damit zerfiel die Zusammenballung, und drei Schwärme schossen nun kreuz und quer durch die Höhle, wobei sie immer wieder zusammentrafen und sich vermischten, sodass sich die Zusammensetzung permanent änderte. Der eine oder andere Sichelflügler geriet dabei außer Kurs und prallte gegen die Felsen. Manche taumelten verwirrt herum.

Die Triade ging nun ihrerseits zum Angriff über. Die drei bewegten sich flink an der Höhlendecke entlang, durchsetzt von kleinen Sprüngen, und brachten dabei ihre mechanischen Waffen zum Einsatz. Schnitt- und Stichwaffen, Schusswaffen mit Kugelmunition. Ihre beiden starken, langen Arme konnten sie verwenden, ohne sich irgendwo festhalten zu müssen. Sie konzentrieren sich vor allem auf die Hautschwingen der Gegner. Immer mehr Sichelflügler taumelten zu Boden, die meisten schwer verletzt. Nach dem holprigen Beginn war die Triade nunmehr eingespielt, und nach und nach kämpfte sie sich zum Ausgang der Höhle vor, bis die drei sich hinausschwingen konnten.

Die Sichelflügler waren Dämmerungs- und Nachtwesen, sie würden nicht folgen. Aber sehr weit waren die Munuam durch den geschickten Rückzug nicht gekommen. Das Felsengebirge endete an dieser Stelle, und vor ihnen breitete sich eine Savanne unter dem grellen Himmel der weißen Sonne aus.

Jochzor kniff die großen, seitlich liegenden Linsenaugen leicht zusammen. Mit dem ausgedehnten Blickfeld erfasste er die Umgebung problemlos, ohne den Kopf zu bewegen. Nein, es gab keine weiteren Vorsprünge des Gebirges, die Savanne drohte überall. Rettung in Form einer Felsenformation lag eine gute Stunde entfernt voraus. Etwas weniger, wenn sie sehr schnell waren.

»Wir hätten Boxen mitnehmen sollen!«, rief Dododra angeekelt. Sie reckte das ausgeprägte, kantige Kinn.

Die Vorstellung für einen Munuam, sich auf dem Boden fortbewegen zu müssen, kam einem Sakrileg gleich. Es war Widerstand, es war schwer, es war schmutzig, so ziemlich das Schlimmste, was einem Munuam zugemutet werden konnte.

Deshalb bewegte Jochzor sich, wann immer möglich, in einer Art Sänfte über Planetenböden. Wegen ihrer kubischen Form wurden diese Fortbewegungsmittel schlicht Boxen genannt, sie hatten es jedoch in sich. Die Munuam hängten sich mit den Schulterfäden an die Stange des Baldachins und hatten es damit so bequem wie andere auf einer entspannten Reise – ein Konzept, das den Munuam fremd war. Reisen als Selbstzweck gab es nicht, sie dienten, wie alles im Leben, der Jagd. Munuam waren Hetzjäger, immerzu, ohne Pause.

Die Boxen waren Kriegsgerät, und nur so kamen sie zum Einsatz. Sie waren flugfähig, kurzzeitig als Shuttle über kurze Entfernung weltraumtüchtig, denn der Schutzschirm war äußerst effektiv. Hinzu kamen Deflektorschirme, Ortung, Funk und Waffen: harmlose Paralyse, dann der Neuroschocker, der am häufigsten eingesetzt wurde. Aber im harten Gefecht kamen auch Desintegrator-, Impuls-, Intervall- und Thermostrahler zum Tragen.

Selbstverständlich bevorzugten die beiden jüngeren Munuam in Jochzors Begleitung so eine bequeme Kampfstation, die sie allein kommandierten. Doch die Boxen kamen nur zu bestimmten Gelegenheiten zum Einsatz und waren den Älteren und Ranghöheren vorbehalten.

»Mir wird übel, wenn ich nur daran denke, den Boden zu berühren«, stammelte Lakavo. Jochzor glaubte ihm: Die silbrigen Kopfschuppen waren dunkelmatt, die blassviolette, haarlose Haut wirkte blutleer.

»Wir können uns den Komfort nicht aussuchen«, sagte Jochzor streng. Innerlich schüttelte es ihn genauso wie seine beiden Begleiter. Aber das würde er sich niemals anmerken lassen.

Er deutete auf Dododras Laufbündel – neun muskulöse Laufstränge. »Wir haben körperlich keinerlei Mühe, größere Wegstrecken auf dem Boden zu bewältigen. Es ist nur eine Sache der mentalen Überwindung. Wir sind Jäger, wir halten uns nicht mit Philosophien auf. Es ist unsere oberste Pflicht, über uns hinauszuwachsen, um jeden Auftrag zu erledigen. Wir sind die Meute! Also stellt euch nicht so an – und lauft!«

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Illustration: Dirk Schulz

Er stieß sich ab, landete sicher auf seinem starken Laufbündel, blendete den Ekel aus, als er den Boden unangenehm deutlich fühlte, und stürmte los.

 

*

 

Eine Triade trennte sich niemals auf so einem Weg. In den Höhlen, ja, um Verwirrung zu stiften. Aber allein in einer weiten Ebene – undenkbar!

Dododra und Lakavo landeten nun ebenfalls und folgten ihm mit kaum unterdrückten Geräuschen. Manche Munuam, die zum ersten Mal den Boden eines Planeten berührten, schrien lauthals oder übergaben sich sogar. Aber Angehörige seiner Triade hatten sich zu beherrschen. Auch diese beiden sollten besser umgehend lernen, keinen Laut von sich zu geben. Ihre Bemühungen waren gut, aber nicht ausreichend.

Aber sie waren schnell und hielten mühelos mit Jochzor mit. Sie rannten über den sandigen Boden und wirbelten dabei Staub auf, den sie in einer langen Wolke hinter sich herzogen.

Jochzor war klar, dass das umgehend weitere Fleischfresser auf den Plan rufen würde. Und es dauerte auch nicht lange, da erschienen schwarze Punkte am Horizont, die rasch näher kamen. Wie eine Springflut kamen sie über die Hügel und flossen schnell dahin. In großer, sehr großer Zahl.

Zekati, dürre zehnbeinige Spinnenwesen, halb so hoch wie Munuam, mit gewaltigen Beißwerkzeugen, die mühelos einen Laufstrang durchbeißen konnten.

Es war rasch ersichtlich, dass die Triade die rettenden Felsen nicht rechtzeitig vor dem Zusammenprall mit den Zekati erreichen konnte. In den Felsen gab es Deckung und enge Höhlen, in die sie schlüpfen konnten und aus deren Schutz heraus sie sich zur Wehr hätten setzen können. So lange, bis die Zekati aufgegeben hätten.

Normalerweise hätten sie kein Problem, wenn sie Mento-Monturen mit Disrupt-Fragmentarien trügen oder in Boxen unterwegs wären. Die Zekati waren Tiere, die lediglich ihren Instinkten folgten und nicht gemeinsam im Schwarm agierten, auch wenn es anhand der Massen danach aussah. Sie dachten nur ans Fressen und stürmten blindwütig heran. Mit einem Schutzschirm und dem Einsatz von Strahlern wäre die Sache schnell erledigt.

Aber die Triade hatte keine hochtechnisierten Hilfsmittel dabei; sie war wie zuvor auf Geschicklichkeit, Körperkraft und als einzige Hilfsmittel die mechanischen Waffen angewiesen.

»Das schaffen wir nicht!«, rief Lakavo.

»Gebärde dich nicht wie ein zweibeiniger Feigling!«, gab Jochzor scharf zurück.

»Das bin ich nicht! Ich trage nur den Sachverhalt vor!«

»Bereite dich besser auf den Kampf vor und spare Atem und Worte. Die Zekati sind dumm. Sie laufen im Schwarm, aber sie sind leicht zu verwirren, und liegen erst ein paar am Boden, fressen die anderen sie, und der Angriff gerät aus den Fugen. Und sie fürchten das Feuer!«

»Wir werden kämpfen und gleichzeitig weiterlaufen!«, rief Dododra. »Nicht aufhalten lassen, weiter und weiter, bis wir die Felsen erreicht haben! Sie sind schnell, aber wir auch!«

»Wir sollten dafür näher zusammenrücken!«, schlug Lakavo vor. »Gegenseitig Deckung geben, die Seiten absichern!«

Endlich waren sie bei der Sache.

Jochzor sah, dass die Zekati nur eine Minute, höchstens zwei Minuten entfernt waren. Die Triade hatte bereits über die Hälfte des Weges zu den Felsen zurückgelegt. Die Chancen hatten schon schlechter gestanden.

»Achtung, Triade, wir ...«

Da wurde er unterbrochen.

 

*

 

»Triadenführer Jochzor, melde dich sofort in der Zentrale«, dröhnte Pakunods tiefe Stimme durch den Jagdgrund.

Die Zekati setzten zum Angriff an, doch Jochzor ließ sie nicht mehr gewähren.

»Bei allen haarigen Bodenläufern, halt!«, brüllte er. »Kommando Jagd beenden!«

Die Zekati stoppten augenblicklich. Dann zogen sie sich noch schneller zurück, als sie gekommen waren.

Jochzor blieb stehen, seine beiden Begleiter verharrten völlig verblüfft über das abrupte Ende.

Genau wie die Sichelflügler waren die Zekati in Wirklichkeit Bodbuan, robotische Trainingseinheiten. Diese wurden ebenso wie die Art der Umgebung von der Simulationspositronik gesteuert und nach der vorher eingegebenen Definition des Trainings per Zufallsgenerator eingesetzt. Auch der Triadenführer wusste nicht, was an Herausforderungen auf die Gruppe zukam; es war stets ein neues Spiel.

»Kommandant, bei allem Respekt, ich bin mitten in einer wichtigen Prüfung!«, beschwerte sich Jochzor.

»Und ich brauche dich in einer wichtigen Besprechung!«, kam es zurück. »Ich gebe dir zehn Minuten, Triadenführer, dann suche ich mir einen anderen. Pakunod Ende.«

Jochzor konnte sich gerade noch zurückhalten, nicht wütend auf dem Boden herumzutrampeln. Das hätte nicht nur seine beiden Prüflinge über alle Maßen schockiert, es war absolut unziemlich für einen Munuam seines Rangs und Rufs.

»Be...bedeutet das, wir sind durchgefallen?«, fragte Lakavo erschrocken.

»Nein!«, fuhr Jochzor ihn an. »Für die Unterbrechung könnt ihr nichts.«

Die beiden atmeten auf.

Dann fügte er gereizt hinzu: »Und ja, ihr wärt trotzdem durchgefallen! Geht zurück zu eurer Übungseinheit, geht eure Fehler durch und wiederholt eure Lektionen!«

»Dann ... werden wir noch einmal zugelassen?«, fragte Dododra zaghaft.

»Ein einziges Mal, ja. Aber bedenkt, bevor ihr weitermacht: Wenn ihr im Außeneinsatz seid, gibt es keine zweite Chance! Gerade deshalb müsst ihr lernen, auch ohne Technik zurechtzukommen. Stellt euch vor, ihr fallt einem Kosmokratenbeauftragten in die Hände und werdet verhört!«

»Wir werden nichts verraten!«, beteuerten die beiden gleichzeitig.

»Natürlich nicht«, zischte Jochzor. »Dafür wissen wir alle zu wenig über den Chaoporter, der uns Obdach gewährt, uns nährt und kleidet. Und wir alle tragen den Mnemo-Deletor, der uns augenblicklich alles vergessen lässt, was wir nicht sagen dürfen. Aber darauf solltet ihr euch besser nicht verlassen, der Feind ist kaum weniger raffiniert als wir. Er könnte einen Weg finden, die Sperre zu umgehen. Gegen jedes Mittel gibt es ein Gegenmittel, und der Feind ruht nicht.«

Seine Stimme wurde sehr streng. »Deshalb gilt: Um jemals in den Außeneinsatz gehen zu dürfen, müsst ihr perfekt sein! Und davon seid ihr sehr weit entfernt. Ihr verlasst euch zu sehr auf mich, aber auch ein Triadenführer kann getötet werden. In einer Triade muss jeder auf den anderen achten und damit letzten Endes auf sich selbst.

Wir sind Jäger, wir jagen in der Meute. Doch gleichzeitig trägt jeder Selbstverantwortung, niemals zu scheitern. Der Dienst am Chaoporter geht immer vor, ein Versagen kann nicht geduldet werden. Ausreden sind nicht zugelassen, egal wie die Umstände sind. Also geht zum Training und gebt euch mehr Mühe, weit über eure Grenzen hinaus! Dann dürft ihr mir wieder unter die Augen treten.«

Sie wichen betreten zurück und schlichen davon.

Jochzor berührte das Sensorband an seinem linken Arm, und das Materioplast des Jagdgrunds formierte sich zur neutralen Übungszone, in der außerhalb der Prüfungen die Probanden ihre eigenen Simulationen auf abgezirkelter Fläche erstellen konnten. Für den Zweikampf, für das Bilden von Triaden, aber auch zum Ausmerzen der größten Schwächen durch geradezu endlose Wiederholungen.

Wie er gesagt hatte: Im echten Einsatz durfte sich keiner einen Anflug von Schwäche erlauben, sonst drohte ihm der Tod. Oder, noch schlimmer, der Auftrag wurde gefährdet – und das war ausgeschlossen und hatte ebenfalls den Tod zur Folge. Mindestens. Es wurde ausnahmslos ein hundertprozentiger Erfolg erwartet, und nach Jochzors Meinung zu Recht. Nur wer alle Künste vollendet beherrschte, durfte deshalb Teil einer Triade oder einer Meute werden.

Die Zeit drängte. Ohne seine beiden Schüler weiter zu beachten, sprang Jochzor in die Höhe. Seine Schulterfäden griffen zielsicher nach den Hanteln des Transportbandes, und er hangelte sich eilig davon, um nicht zu spät zu kommen. Pakunod war ein Kommandant, der niemals scherzte und niemals verzieh.

2.

FENERIK

Der Auftrag