Cover

Wilfried A. Hary

Das Planeten-Netz 8: Psyborgs und Maschinenträume

Das Planeten-Netz 8: Psyborgs und Maschinenträume

Wilfried A. Hary

21. März 2453 = Durch einen Terroranschlag verschwinden 7 Menschen mittels eines GG - und geraten in ein fremdes GG-Netz, das schon lange existiert .

22. März 2453 = Den Verschollenen gelingt es, kurzzeitig PSI-Kontakt mit Clarks-Planet aufzunehmen und mitzuteilen, daß sie sich möglicherweise Tausende von Lichtjahre vom irdischen Machtbereich entfernt aufhalten, auf einer Dschungelwelt namens Vetusta. Die Verbindung reißt jedoch ab, denn sie werden überwältigt und gefangengenommen vom Stationscomputer auf Vetusta. Dieser schickt 3 von ihnen in das GG-Netz des sogenannten Prupper-Imperiums, um herauszufinden, was in den letzten Jahrhunderten seit einem interstellaren Krieg geschah. Denn er wurde in jenem Krieg stark beschädigt, verlor dabei den größten Teil seiner Erinnerungsspeicher und hat keinerlei Kontakt mehr mit dem Imperium. Die drei Verbannten sind: John Millory, Petro Galinksi und Cora Stajnfeld!

Nach vielen Abenteuern geraten sie auf eine Welt, in der anscheinend die Hauptsache sogenannte Traummaschinen sind. Doch diese haben offensichtlich Risiken und Nebenwirkungen, wie das Beispiel eines gewissen Oliver Seaton zeigt.

Sein Traum ist mehr als nur realistisch...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER LUDGER OTTEN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred


Erfahre Neuigkeiten hier:

https://alfred-bekker-autor.business.site/


Zum Blog des Verlags

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!


Die Maschine der tödlichen Träume






1


Oliver Seaton hörte hinter sich die Befehle des Indioführers. Eine lautstarke Debatte. Die Stimmen blieben hinter ihm zurück.

Das Dach aus Blättern und Zweigen dämpfte das Licht. Aber Oliver Seaton sah genug. Er schaute aufmerksam umher. Irgendwo lauerte der schwarze Panther. Das wußte er.

Immer weiter ging er. Von den eingeborenen Trägern war nichts mehr zu hören.

Ursprünglich hatte Oliver Seaton mit dem Gleiter zur Jagd gehen wollen. Ohne fand er es aber besser. Aus der Luft gingen einem zuviel Details verloren, und ein Bodenfahrzeug verursachte zuviel Krawall. Der schwarze Panther sollte nicht gewarnt werden.

Nein, Oliver Seaton wollte nicht denselben Fehler seiner Vorgänger machen.

Plötzlich stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase - Aas.

Diesem Geruch ging er nach.

Und dann stand er vor den kärglichen Überresten eines gerissenen Wildes.

Zweifelsohne hatte sich der schwarze Panther vor einiger Zeit hier aufgehalten. Vorgestern - oder gestern.

Oliver Seaton steckte das Buschmesser weg und ergriff die Flinte. Mit dem Daumen entsicherte er.

»Komm nur, ich warte auf dich!« murmelte er, um sich Mut zu machen.

Seine Nerven waren aufgepeitscht. Langsam drehte er sich um die eigene Achse.

Und dann sah er ihn.

Der schwarze Panther verbarg sich im Schatten eines Urwaldriesen. Nur seine glühenden Augen verrieten ihn.

Oliver Seaton riß die Schußwaffe an die Schulter, sein Zeigefinger stach durch.

Aber wo sich der Panther eben noch befunden hatte, war der Platz plötzlich leer.

Der Schuß fuhr in den Baum, ließ die Rinde splittern.

Ein Fauchen irgendwo im Dickicht. Es klang aggressiv, mordlüstern. Oliver Seaton konnte nichts sehen

Er behielt die Schußwaffe oben und den Finger am Abzug.

Wieder drehte er sich, seine Sinne aufs äußerste angespannt.

Und da war der schwarze Panther wieder.

Hätte er die Hand ausgestreckt, wäre es ihm möglich gewesen, über das matt schimmernde Fell zu streicheln.

Oliver Seaton wollte schießen, doch besaß er plötzlich kein Gewehr mehr.

Die Katze fauchte triumphierend.

Oliver Seaton riß die Augen auf.

Die Umgebung verschwamm und machte der vertrauten Einrichtung des Wohnzimmers Platz. Doch nein - ein Ding war alles andere als vertraut: Oliver Seaton hatte aus seinem gesteuerten Traum einen Besucher mitgebracht!

Vor ihm kauerte der Panther! Mitten im Wohnzimmer!

Noch zögerte das Tier, als würde es seine überlegene Position auskosten.

Dann griff es an.

Abwehrend hob Oliver Seaton die Arme. Eine völlig sinnlose Geste.


*


Die drei Gatespringer wider Willen hatten bereits einiges erlebt, seit sie der Stationscomputer von Vetusta auf die Reise durch das Prupper-Imperium gezwungen hatte. Positives war kaum dabei gewesen. Kein Wunder, wenn sie neugierig waren.

Sie lösten sich vom Anblick der Reklame mit dem Hinweis auf die Traummaschinen und gingen weiter. Rechts und links der Bandstraßen befanden sich Fußgängerstreifen. Von hier aus wurden die Bänder betreten, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegten.

Cora, Petro und John waren erst seit zwei Stunden hier. Das gigantische Gebäude nahm sie auf - ohne jegliche Kontrolle. Fasziniert schauten sie sich um. Alles war anscheinend haargenau ausgeklügelt und organisiert. Nur den Verkehr hatte man offensichtlich nicht so recht im Griff. Es herrschte das reinste Chaos.

Außer dem Hinweis auf die Traummaschinen fanden sie keine Reklame. Ohne Zweifel arbeiteten die Herstellerfirmen für die Traummaschinen mit der Obrigkeit zusammen. Deshalb konnten sie hier eine Ausnahme bilden. Ansonsten war Reklame verboten, wie es schien.

Innerhalb der nächsten Minuten flaute der Verkehr ab.

In diesem Augenblick geschah es. Linkerhand öffnete sich eine Tür zu einer der ungezählten Wohnungen.

Ein Mann wurde sichtbar, blutüberströmt. Direkt vor den Gatespringern sank er zu Boden.

Petro fing ihn reflexartig auf.

»Er stirbt!« konstatierte er erschrocken - und ohne etwas tun zu können, denn ein einziger Blick genügte, um die tödlichen Verletzungen zu überschauen, denen der Mann in seinen Armen erlag.

Cora und John sprangen hinzu.

Und da spürten sie es: Es löste sich aus dem Körper des Sterbenden, unsichtbar, aber deutlich: Die Seele des Sterbenden!

Die Seele?

Sie spürten sie zwischen sich. Die Seele wunderte sich, nahm erstaunt die nähere Umgebung wahr. Plötzlich die Erkenntnis: Sie »sah« den Körper, den sie verlassen hatte. Erschrecken folgte. Es war so tiefgreifend, daß die drei Gatereisenden unwillkürlich zusammenzuckten und Petro die Leiche fallenließ.

Die Seele »betrachtete« die drei Gatereisenden. So etwas wie Erkennen. Als wüßte die Seele auf einmal, wer sie drei waren - und woher sie stammten!

Die Seele kapselte sich prompt ab, und die drei bekamen nur noch mit, daß sie zunehmend ALLES begriff...

Und dann war es vorbei.

Es hatte nur Sekunden angedauert, aber es war so überdeutlich gewesen...

Ächzend sahen sich die drei an. Dann schauten sie auf den Leichnam.

Sie hatten es erlebt, wirklich erlebt! Etwas, was es doch nur in den Vorstellungen von Okkultisten gab...

»Die Seele löst sich vom Körper und kehrt zurück - in den Verbund der körperlosen Seelen, um wieder mit ihnen zu einer Einheit zu verschmelzen.«

Cora hatte es laut ausgesprochen - und schlug erschrocken die Hand vor den Mund. Ihr Blick irrte von einem zum anderen. Hatte sie bei jener wahrlich unglaublichen Begegnung mehr mitbekommen als die beiden Männer?

Aber sie schien selber nicht daran glauben zu wollen.

Das war ja auch kein Wunder, und nur die Tatsache, daß sie es alle drei wahrgenommen hatten, brachte sie dazu, nicht an ihrem Verstand zu zweifeln.

Und dann fiel ihnen endlich wieder die Todesursache des Mannes ein, der in den Armen von Petro gestorben war: Tödliche Verletzungen wie von einem wilden Tier!

John warf alarmiert einen Blick in die Wohnung, vor der sie sich befanden. Wenn die Gefahr nun noch bestand...? Unwillkürlich griff er nach seinem Paralyzer. Die anderen beiden taten es ihm gleich.

Nichts und niemand war zu sehen. Der Tote hatte sich mit letzter Kraft aus der Wohnung geschleppt.

Passanten blieben stehen. Sie waren nicht minder erschrocken und warfen den Gatespringern seltsame Blicke zu.

An der Decke des Straßentunnels, den man wegen seiner Größe und seiner Art kaum noch Stockwerksgang nennen konnte, waren Überwachungsaugen befestigt, die alles registrierten. So war es erklärlich, daß nicht einmal eine halbe Minute nach dem schrecklichen Zwischenfall aus der Ferne Sirenengeheul ertönte.

Drei Gleiter rasten heran. Sie bewegten sich dicht unter der Decke, von einem Magnetfeld gehalten, das hinter der Verkleidung produziert wurde.

»Nichts wie weg!« zischte John.

Das war ein guter Rat, denn sie waren Fremde - und würden auf die Fragen der Ordnungshüter wohl kaum befriedigende Antworten geben können.

Cora hielt ihn am Arm fest.

»Hat keinen Zweck mehr. Schau dir die Menschentraube an. Wenn wir Fersengeld geben, hält man uns auf. Möglich, daß uns einige des Mordes verdächtigen. Wir können nur hoffen, daß die Überwachungsaugen genau aufgepaßt haben. Sonst ergeht es uns schlecht.«

John schimpfte in Gedanken auf den unglücklichen Zufall, der ihnen solche Unannehmlichkeiten bescherte. Es sah so aus, als hätten sie das Anrecht auf Abenteuer gepachtet.

Sie blieben nie verschont, wenn sie einen weiteren Sprung auf ihrer Odyssee wagten. Ein Erlebnis war schillernder als das andere. Oftmals auch grausig. All dies entsprach ganz und gar nicht ihrem Wunschdenken. Sie hätten es lieber gemütlicher gehabt - und vor allem weniger rätselhaft!

Die drei Gleiter stoppten ihre rasende Fahrt und schwebten tiefer.

Die Randstreifen rechts und links der Bandstraßen waren breit genug, um eine Landung zu ermöglichen. Unterdessen gab es allerdings eine solche Menge von Gaffern, daß es den Gleiterinsassen unmöglich war, am Boden aufzusetzen.

Aber es war nicht notwendig.

Luken öffneten sich. Ein Uniformierter wurde mittels eines Robotarmes abgesetzt. Mehrere Androiden folgten. Die künstlichen Menschen waren nicht nur an den Plaketten und der Nummerierung am Schädel zu erkennen: Mit ihrer Verkleidung hatte man sich wenig Mühe gemacht.

Eine metallische Stimme schnarrte aus irgendeinem Lautsprecher:

»Bitte Platz machen!«

Die in den vordersten Reihen wären gern der Aufforderung nachgekommen, allein sie hatten keine Gelegenheit dazu. Immer stärker wurde das Drängen von hinten.

Leichte Elektroschläge wurden von den schwebenden Gleitern ausgeteilt. Das wirkte. Die Menge lichtete sich. Wenigstens einer der Gleiter fand Platz.

Der abgesetzte Uniformierte achtete überhaupt nicht auf die Gatespringer. Er betrachtete den Toten.

Zwei Androiden machten eine oberflächliche Untersuchung.

»Tot!«

Ein Diagnosegerät wurde angeschleppt. Auch damit kein anderes Ergebnis.

Erst jetzt betrachtete sich der Uniformierte die Gatespringer. Er salutierte lässig.

»Was wissen Sie?«

Der Mann schien die kurze und prägnante Sprechweise zu bevorzugen.

»Der Zufall hat uns hier vorbeigeführt«, erklärte Cora Stajnfeld wahrheitsgemäß.

Der Uniformierte deutete auf den Leichnam, der gerade auf eine Bahre gebettet wurde.

Zwei Androiden betraten die Wohnung und begannen mit der Spurensicherung.

Sie waren darauf spezialisiert und würden ihre Arbeit genauer verrichten als jeder Mensch.

»Woran wird er gestorben sein?«

Die drei Gatespringer sahen ihn sich an.

»Ein Raubtier?« meinte John und wagte es dabei nicht, den Uniformierten anzuschauen.

Der Uniformierte nickte: »Haben Sie etwas gesehen?«

Cora schüttelte den Kopf.

Einer der Androiden kehrte zurück.

»Keine Spuren!« Die Stimme erinnerte an eine rostige Gießkanne.

Der Uniformierte kratzte sich am Hinterkopf. Er gab den Gatespringern einen Wink. Damit waren sie entlassen. Offenbar war der Vorfall doch genau beobachtet worden. Es war klar, daß sie mit dem Fall nichts zu tun hatten. Auf die Idee, ihre Identität zu überprüfen, kam indes überhaupt niemand - anders als von ihnen befürchtet.

Nur sehr ungern gingen die drei nun. Es hätte sie interessiert, was da wirklich vorgefallen war. Ein Raubtier in der Wohnung, das den eigenen Besitzer tödlich verletzte - ohne Spuren zu hinterlassen! - und sich nach der Tat sogar anscheinend einfach auflöste?

Und ein Sterbender, dessen Seele entwich, so daß sie es deutlich mitbekamen?

Sie mischten sich in die Menge, die weiter zurückgetrieben wurde. Hinter ihnen ertönte die Stimme des Uniformierten: »Das gibt es doch nicht! In diesem Haus eine tödliche Raubkatze, die sich in Luft auflöst?«

Dann war der Abstand zu groß, um noch etwas verstehen zu können.

Die drei verließen die Menge.

Eine junge Frau trat auf sie zu.

»Was ist geschehen?« erkundigte sie sich neugierig.

Petro beäugte sie und war zufrieden mit dem, was er sah.

»Ein Toter!« erklärte er. »Eine Raubkatze soll ihn getötet haben.«

Die junge Frau riß erschrocken die Augen auf.

»So etwas! Wer war der Mann?«

»An der Tür stand ein Name. Seaton - glaube ich«, sagte John.

Jetzt lächelte die attraktive Dame.

Sie griff in die Tasche und brachte etwas zum Vorschein. Es sah aus wie ein Feuerzeug.

Die Gatespringer erinnerten sich, daß sie hier noch niemanden hatten rauchen sehen, aber ihr Mißtrauen kam zu spät:

Das Ding richtete die Frau auf sie.

»Mitkommen!« zischte die junge Dame barsch.

Sie spaßte nicht.

Petro Galinksi versuchte es dennoch: »Also, ich wäre auch mitgekommen, wenn Sie freundlich darum gebeten hätten.«

»Sie finden sich wohl unwiderstehlich, wie?« konterte sie.

»Lassen Sie das bloß nicht meine zahlreichen Verehrerinnen hören! Mein ganzes Image wäre hinüber.«

John deutete auf ihn. »Schließlich ist das das einzig Gute an ihm - das Image!«

Die junge Dame war verunsichert. Sie wußte im Moment anscheinend nicht, wie sie reagieren sollte.

Cora Stajnfelds Augen weiteten sich unnatürlich. Sie mußte etwas Entsetzliches hinter der jungen Dame entdeckt haben.

Prompt drehte diese den Kopf.

Petro stand ihr zunächst und griff blitzschnell zu. Das Ding, das aussah wie ein Feuerzeug, wechselte den Besitzer.

Die junge Dame erholte sich sehr schnell von ihrer Überraschung. Sofort brachte sie aus ihrer Kleidung Nachschub zum Vorschein. Und diesmal schoß sie gleich.

Ein bleistiftdünner, grüner Strahl löste sich aus der Waffe. Er traf Petro Galinksi in die Brust.

Wie vom Blitz gefällt brach der hünenhafte Mann zusammen.

John und Cora, die Führerin der Astro-Ökologen, wollten nach ihren Paralyzern greifen.

Dafür war es zu spät. Die gefährliche Waffe richtete sich auf sie.

»Glauben Sie nicht, daß ich ein zweites Mal auf Ihre billigen Tricks hereinfalle!« zischte sie.

Cora stierte auf den regungslos am Boden liegenden Petro. Ihr Blick hob sich zur Decke.

Nein, die Überwachungsaugen hatten die Szene sicher nicht mitverfolgen können. Es wimmelte nur so von Menschen, und sie befanden sich ausgerechnet im toten Winkel.


2


John Pearson hatte den Hörer noch in der Hand. Der kleine Bildschirm war erloschen. Er starrte darauf. Sein Gesicht war kreidebleich.

Endlich fing er sich wieder. Er tastete eine neue Verbindung ein.

John Pearson bevorzugte Telefonhörer an Stelle der üblichen Lautsprecher. Das war besser für ihn. Niemand sollte hören, was man ihm zu sagen hatte.

Im Moment brauchte er in dieser Beziehung keine Rücksicht zu nehmen, denn er saß allein in dem luxuriös eingerichteten Büro.

Für die kunstvoll verkleideten Wände, denen man mittels einer ausgeklügelten Technik gewissermaßen Leben einhauchen konnte, hatte er keinen Blick. Eine der Wände zeigte urwüchsige Dschungellandschaft wie durch ein Fenster. Gräser und Bäume bewegten sich im sanften Wind.

Direkt gegenüberliegend ein Wüstenausschnitt. Feine Staubfäden wurden emporgewirbelt.

Lebende Bilder!

Der Bildschirm vor John Pearson erhellte sich wieder. Ein Mann war zu sehen.

»Der Unbekannte hat erneut zugeschlagen!« sagte John Pearson brüchig. »Gestern stellte er sein zweites Ultimatum, das inzwischen ablief.«

Sein Gesprächspartner schnappte hörbar nach Luft.

»Dann war es beim ersten Male kein Zufall! Wenn ich nur wüßte, wer dahintersteckt!«

»Genau das ist es ja, was Ihre Abteilung herausfinden will und soll!« erinnerte ihn John Pearson, der Sicherheitsbeauftragte der Regierung. »Seine Nachricht erreichte mich von Calei-Stadt. Damit hat er bewiesen, daß er flexibel ist. Vorige Woche meldete er sich von Surop-Stadt. Da die dortigen Sicherheitskräfte nicht reagierten, mußte ein Dutzend Menschen sterben. Wie mir die zuständige Behörde von Surop-Stadt soeben mitteilte, sind es jetzt fünf Fälle.

Alle Betroffenen starben an den Folgen von Raubtierbissen. Die Spurensicherung in den betreffenden Wohnungen ergab nichts. Möchte wissen, wo der Unbekannte das nächstemal zuschlägt.«

»Falls es ein nächstes Mal gibt!«

»Sagen Sie es nicht so laut, Rymond! Ich bin imstande und nehme Sie beim Wort.«

Sie beendeten das Gespräch.

John Pearson betrachtete den Telefonhörer. Dann legte er auf.

Vor einer Woche hatte es begonnen - nicht lange nach den Vorwürfen gegen seine Person. Man sagte ihm Machtgelüste nach. Er wolle die Sicherheitsorgane auf seine Seite bringen - weltweit. Damit hätte er inoffiziell eine Art Weltherrschaft errichtet.

John Pearson schüttelte den Kopf und stand auf. Mit einem Knopfdruck machte er die eine Wand transparent. Jetzt war sie ein echtes Fenster. Von außen blieb sie undurchsichtig, Pearson konnte über die Stadt blicken. Häuser, so weit das Auge reichte. Alles schön gelockert mit Grünanlagen.

Wollte er nicht am nächsten Tag in Surop-Stadt sein?

Der Unbekannte hatte sich telefonisch direkt beim Präsidenten der Regierung gemeldet. Dabei hatte er den geheimen Draht der Spitzenpolitiker benutzt. Deshalb bekam er den Präsidenten auch prompt an die Strippe. Er hatte Einfluß auf die politischen Geschäfte verlangt. Niemand wußte, welchen Vorteil er für seine eigene Person daraus ziehen wollte. Auf jeden Fall hielt man ihn für einen Verrückten.

Bis gemäß seiner Ankündigung zwölf Menschen im Bereich von Calei-Stadt an den Folgen von Raubtierbissen starben.

Jetzt hatte sich die ganze Sache wiederholt.

John Pearson hatte nach dem ersten Fall sofort eine Spezialabteilung gebildet.

John Pearsons Drähte gingen tatsächlich in alle Welt. Er trat zu seinem Fernsprecher und begann mit der Arbeit. Alle führenden Sicherheitsabteilungen der Erde wurden in Kenntnis gesetzt. Diese Möglichkeit besaß John Pearson.

Obwohl er inzwischen hinlänglich bewiesen hatte, daß er entgegen den Behauptungen der Opposition alles andere als egoistische Ziele damit verfolgte.

Der Unbekannte war ein weltweites Problem. Also mußte man ihn auch weltweit bekämpfen.


*


»Nehmt ihn auf!« befahl die junge Dame. John schätzte sie auf knapp über zwanzig. »Ihr Freund lebt. Ich habe ihn nur betäubt.«

Die beiden atmeten sichtlich auf.

Sie griffen Petro unter die Arme und wuchteten ihn hoch. Sein Kopf pendelte haltlos.

»Ihr werdet ihn tragen und dabei tun, als stünde er unter Drogeneinfluß.«

»Fällt das nicht auf?» warf Cora ein.

Sie gönnte ihm einen verständnislosen Blick.

»Ich meine, sind Drogen dieser Art freigegeben?« verdeutlichte Cora.

Ihr Erstaunen wuchs. »Das wissen Sie nicht?«

Sofort erwachte ihr Mißtrauen.

»Das ist nicht überall gleich. Wir stammen von einem anderen Planeten des Imperiums und sind noch nicht lange hier«, beeilte sich Cora zu erklären.

Die Fremde nickte verstehend.

»Bei uns sind alle harten Drogen zugänglich - allerdings nur für Erwachsene. Trotzdem erfreuen sie sich keiner großen Beliebtheit. Sie zerstören den Süchtigen und sind uninteressant seit der Freigabe. Verbotenes lockt mehr. Außerdem gibt es die Traummaschinen. Die sind ungefährlicher und ein ausgezeichneter Ersatz.« Sie schniefte verächtlich. »So jedenfalls die offizielle Version. Meines Erachtens gibt es nichts Gefährlicheres als die Traummaschinen.« Mit der freien Hand winkte sie energisch. »Und denkt daran, daß ich sofort schieße, falls es anders läuft als von mir gewünscht. Mit dieser handlichen Waffe kann ich auch tödliche Energie verschießen.«

In ihren Augen flackerte es.

Eine Wahnsinnige! konstatierte John. Was will sie von uns? Hat es etwas mit diesem Seaton zu tun?

Sie trugen Petro zum nächsten Laufband. Ein gehöriges Stück Arbeit. Petro wog immerhin einiges.

Die bewaffnete junge Dame blieb ihnen hart auf den Fersen.

Weder John noch die Führerin der Astro-Ökologen sahen die Chance für einen Ausfallversuch.


3


Sie erreichten über mehrere Ebenen des gigantischen Gebäudes die Wohnung der jungen Dame. Auf dem Türschild stand kein Name.

Die Wohnung befand sich in einem Zwischenstockwerk. Davon gab es in jeder Ebene zwei. Seatons Wohnung hatte Parterre gelegen. In regelmäßigen Abständen gab es Aufzüge. In der zweiten Zwischenebene waren die Wohnungen zurückgesetzt und dadurch kleiner. Es war Platz vorhanden für eine parallel zur Bandstraße verlaufende Balustrade. Geschäfte befanden sich ausschließlich ebenerdig. Abgesehen von den Einkaufszentren, die sich über mehrere Hauptebenen erstreckten.

Cora und John Millory schleppten den schweren Ingenieur keuchend hinein. Sie betteten ihn auf eine verwandelbare Liege.

Im Wohnzimmer dominierte die Farbe Rosa. Es war eingerichtet wie ein Raumschiff, mit einem Armaturenbrett am Kopfende.

John und die Führerin der Astro-Ökologen verzogen das Gesicht. Die Farbe tat ihren Augen weh.

Plötzlich benahm sich die junge Dame sehr freundlich. Sie bot Platz an und ging zum Armaturenbrett. Ein Knopfdruck genügte. Ein irres Farbenspiel ergoß sich über Wände, Decke, Boden und Möblierung. Nur sekundenlang. Dann hatte der Computer seine Wahl getroffen. Die neuerliche Farbzusammenstellung erwies sich als angenehm.

Bequem lehnten sich die Gate-Springer in die Pneumopolster zurück. Schränke gab es in dem Wohnzimmer nicht. Die junge Dame bot etwas zu trinken an. Die Waffe blieb dabei in ihrer Rechten.

Die Gate-Springer wählten einen Drink ohne Drogen: Als sie ohne Alkohol sagten, schaute sie die junge Dame nur verständnislos an. Obwohl sie das Äquivalent zu Alkohol in der Pruppersprache benutzten. Ohne Drogen verstand sie umso besser. Die weitere Zusammenstellung überließen sie ihrer Gastgeberin.

ENDE