Cover

Wilfried A. Hary / Alfred Wallon

Das Planeten-Netz 7: Mutanten und Lichtwesen

Das Planeten-Netz 7: Mutanten und Lichtwesen

Wilfried A. Hary /Alfred Wallon

21. März 2453 = Durch einen Terroranschlag verschwinden 7 Menschen mittels eines GG (= GAARSON-GATE, eine besondere Art von Materietransporter) - und geraten in ein fremdes GG-Netz, das schon lange existiert.

22. März 2453 = Den Verschollenen gelingt es, kurzzeitig PSI-Kontakt mit Clarks-Planet aufzunehmen und mitzuteilen, daß sie sich möglicherweise Tausende von Lichtjahre vom irdischen Machtbereich entfernt aufhalten, auf einer Dschungelwelt namens Vetusta. Die Verbindung reißt jedoch ab, denn sie werden überwältigt und gefangengenommen vom Stationscomputer auf Vetusta. Dieser schickt 3 von ihnen in das GG-Netz des sogenannten Prupper-Imperiums, um herauszufinden, was in den letzten Jahrhunderten seit einem interstellaren Krieg geschah. Denn er wurde in jenem Krieg stark beschädigt, verlor dabei den größten Teil seiner Erinnerungsspeicher und hat keinerlei Kontakt mehr mit dem Imperium. Die drei Verbannten sind: John Millory, Petro Galinksi und Cora Stajnfeld!

Sie stellen fest, daß die Prupper haargenauso aussehen und auch so leben wie Menschen auf der Erde. Das einzige, was sie von Menschen unterscheidet, ist ihre Sprache. Aber auch die Namen wirken großenteils wie dem Englischen entliehen: Ein besonderes Mysterium, das sich die drei nicht erklären können.

Auf einer der Welten geraten sie ganz überraschend in die Fänge von Psychonauten (= Wesen mit PSI-Fähigkeiten) - und stellen dort fest, daß es sich um eine Art »Ureinwohner« handelt.

Ihr Glück ist dabei, daß diese sie auch für eine Art Psychonauten halten...






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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER LUDGER OTTEN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die grauen Prupper

Wilfried A. Hary




1


»Der Mann auf dem Bildschirm hat nicht ganz Unrecht!« erklärte Cora Stajnfeld plötzlich. »Obwohl er sich die Sache zu leicht macht. Wir dürfen nicht warten, bis die Plage beendet ist und derweil die Hände in den Schoß legen.«

»Schlau gesagt«, kommentierte John Millory respektlos, »aber so weit waren wir mit unseren Erwägungen ebenfalls.«

Cora Stajnfeld ließ sich nicht beirren.

John und Petro ahnten plötzlich etwas.

Cora sah David Coleman an.

»Es ist Unsinn, die Insekten mit herkömmlichen Waffen zu bekämpfen. Damit machen wir sie nur noch aggressiver. Wir müssen sie dazu bringen, ihre natürlichen Feinde wieder zu erkennen. Dann werden sie von den Menschen ablassen - ja ablassen müssen, denn sie sind gezwungen, ihrer Natur zu folgen.«

»Das mit der Defensive ist tatsächlich nicht verkehrt«, überlegte Petro Galinksi laut, »nur muß man es ein wenig anders auslegen. Die Menschen sollen sich durchaus nicht auf eine andere Welt zurückziehen und den Insekten diese Welt hier überlassen.«

John Millory klatschte in die Hände, daß es knallte.

Sie achteten im Moment gar nicht darauf, daß der Gleiter zur Landung ansetzte. »Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, die mannigfaltigen technischen Mittel einzusetzen?«

Cora klopfte ihm auf die Schulter. »Ja, das ist der springende Punkt.«

David Coleman schaute verständnislos von einem zum anderen.

Cora belehrte ihn, denn der Polizist war weit davon entfernt zu begreifen.

Es mochte einfach daran liegen, daß er sich an die technischen Errungenschaften seiner Welt wie alle anderen auch gewöhnt hatte und sie im Grunde überhaupt nicht mehr richtig wahrnahm.

»Wir müssen davon ausgehen, daß die Insekten nicht wirklich über Nacht zu Verstand gekommen sind, und ihre Urinstinkte künstlich wecken. Überall gibt es Automaten und Bildprojektoren, die in der Lage sind, plastische Bilder zu erzeugen. Machen wir den Biestern etwas vor! Locken wir sie an wie Licht die Motten!«

David Coleman runzelte die Stirn. »Motten?« Die kannte er anscheinend nicht. Aber dann erhellte sich sein Gesicht.

Er wandte sich von ihnen ab und ging zum Piloten. Mit diesem wechselte er ein paar Worte.

Die Unterredung wurde heftig. Aber dann war der Mann halbwegs überzeugt.

Die ganze Sache erschien auf den ersten Blick gesehen geradezu lächerlich.

Aber oftmals war es das Simpelste, das den größten Erfolg versprach.

Der Pilot nahm eine Funkverbindung vor.

Der Gleiter war gelandet. Weit und breit war kein Insekt zu sehen. Aber das hatte wenig zu bedeuten. Jeden Augenblick konnten welche auftauchen.

Plötzlich sprachen die starken Außenlautsprecher an.

Der Pilot hatte sich durchgesetzt. Man war bereit, das Experiment zu wagen.

Künstlich erzeugtes Bienensummen ertönte. Es pflanzte sich über das Feld fort.

Direkt neben dem Landeplatz erhob sich ein mächtiges Gebäude. Es beherbergte die Verwaltung der Stadtpolizei. Deshalb waren sie hier gelandet.

»Ein Wahnsinn!« ächzte David Coleman, der zu den Gatespringern zurückkehrte. »Falls wir uns irren, geht es uns bald an den Kragen. Das künstliche Summen wird Bienen anlocken. Aber wie werden sie reagieren?«

»Weißt du inzwischen, wo sich die Hauptkampfpunkte in der Stadt befinden?« erkundigte sich Petro Galinksi.

»Ja, in Planquadrat Gamma operiert ein ganzer Schwarm von Riesenspinnen.«

Die Ortsbezeichnung sagte den Freunden wenig. Aber sie brauchten den Gleiter ja nicht zu fliegen.

Lange wurde ihre Geduld nicht auf die Probe gestellt.

Der Himmel verdunkelte sich!

Ein ganzer Pulk von Riesenbienen flog heran. Die irregeführten Tiere glaubten tatsächlich, das künstliche Summen stamme von Artgenossen.

Unterdessen war in den Bordcomputer das seltsamste Programm eingespeist worden, das es hier jemals gegeben hatte.

Die Polizeizentrale hatte sehr schnell reagiert, nachdem der Gleiterpilot sie einigermaßen überzeugt hatte - schnell und präzise. Es war soweit. Der Gleiter erhob sich.

Der Pilot schaltete auf die Programmautomatik.

Haargenau flog der Gleiter einen abgezirkelten Kurs.

Eine Sonderschau für die anfliegenden Bienen.

Diese scherten sich nicht daran, daß das Fluggefährt absolut nicht wie eine Artgenossin aussah. Man narrte sie mit einer Scheinprojektion, der Geräuschkulisse und den Flugfiguren.

Die Bienen hatten eine Sprache, und diese Sprache wurde von der Gleiterautomatik mittels eingespeistem Kurs gesprochen. Und dann flogen sie voraus. Ihr Ziel waren die Spinnen. Die fetten Riesendinger mit den haarigen Beinen würden sich wundern!

Das Ziel war erreicht.

Inmitten des Häusermeeres krabbelten sie herum: Riesenspinnen auf der Jagd nach Beute. Sie hatten sich nicht wirklich zu einer Herde zusammengetan. Das widersprach ihrem Instinkt. Das Zusammenrotten war eine Folge ihrer Vielzahl.

Andere Spinnen, die nicht auf die bewegliche Jagd ausgelegt waren, bauten zwischen Wohnsilos und Geschäftsgebäuden ihre Netze.

Darauf flog der Gleiter zunächst zu.

Die Bienen folgten treuherzig. Ganz dicht flog der Gleiter über das erste Netz hinweg.

Schon zappelten zwei Bienen in der Falle. Aber das war erst der Anfang und in seiner Wirkung nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Der Gleiter flog ein paar Spinnen an.

Eine war gerade dabei, das Dach eines niedrigen Gebäudes anzuheben und im Innern nach Beute zu suchen. Eine Gruppe von Pruppern drängte sich in einem einzigen Raum zusammen.

Sie hatten Fenster und Türen verbarrikadiert und wähnten sich in Sicherheit.

Welch verhängnisvoller Irrtum!

Die Spinne ließ ihre Opfer noch in Todesangst weilen, bevor sie angriff.

Das Gebäudedach flog zur Seite. Für das Monster eine Kleinigkeit, die es gar nicht viel Anstrengung kostete.

Schon tasteten die haarigen Beine nach den Hausbewohnern.

In diesem Augenblick erfolgte vom Gleiter ein gezielter Schuß.

Der sonnenheiße Strahl war viel zu schwach, um die Spinne zu töten. Das war auch nicht die Absicht.

Das Biest wurde gestört. Es wandte sich dem Gegner zu, der es so peinigte.

Der Gleiter flog weiter und schoß nach weiteren Spinnen.

Einige Energiestrahlen griffen auch in die Reihen der Bienen und brachten einige zum Absturz.

Das Summen und Brummen aus den Lautsprechern wurde zorniger.

Der Gleiter vollführte einen Scheinangriff auf zwei Spinnen, die sich auf einer breiten Ausfallstraße begegneten. Dabei wurde ihre Aufmerksamkeit auf den Bienenschwarm gelenkt.

Eine der Spinnen sprang nach dem Gleiter, den sie ebenfalls für eine Biene hielt.

Zehn Meter segelte das kalbgroße Monstrum frei durch die Luft. Eine reife Leistung, die nur an Bord nicht die entsprechende Resonanz erzielte.

Bei aller Euphorie darüber, daß der Plan zu gelingen schien, mußten sie die Erfahrung machen, daß die Sache für sie nicht ganz ungefährlich war.

Die Spinne erreichte mit absoluter Treffsicherheit ihr Ziel. Sie fand draußen Halt und klammerte sich am Gleiter fest.

Gierig schnappte sie zu, aber an der harten Wandung biß sie sich im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne aus.

Wütend versuchte sie es ein weiteres Mal.

Der Gleiter ging senkrecht in die Höhe und verlor dabei an Geschwindigkeit. Die ersten Ausläufer des Bienenschwarms überholten ihn. Ein paar der Insekten stürzten sich auf die aggressive Spinne und stachen zu.

Die Spinne ließ los und stürzte auf ein Hochhaus. Dabei wurde die dort installierte Parabolantenne zum Teil zerstört. Sie geriet ins Wanken und stürzte um.

Noch lebte die Spinne. Sie wurde nicht unter den Trümmern der Antenne begraben.

Voller Wut griff sie die Bienen an, tötete ein paar, ehe sie selber zum Opfer wurde.

Der Gleiter beschleunigte rasend schnell, verließ den Bienenschwarm wieder. Jetzt brauchte er nicht mehr den Leithammel zu spielen. Die Dinge entwickelten sich wunschgemäß.

Am Rande der Szene waren Polizeitrupps emsig damit beschäftigt, einen Großprojektor aufzubauen.

In der Zentrale hatte man mit Zufriedenheit den Verlauf des gewagten Experiments verfolgt. Und jetzt wollte man die Sache noch weiter anheizen.

Der Gleiter verharrte abwartend. Eben wurde der Projektor fertig.

Ein dreidimensionales Bild wurde aufgebaut. John Millory blickte fasziniert auf das Ding, das scheinbar aus dem Nichts erschien. Es stellte eine krabbelnde Ameise dar. Waren auch solche in der Stadt? Er schaute zum Himmel. Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen. Bald würde die Dunkelheit hereinbrechen. Das würde alles nur noch schlimmer machen. Zumindest stand es zu befürchten.

Ein neues Bild. Eine Spinne, die gerade dabei war, eine Biene zu töten, die ängstlich summte.

Von der Szene wurden Insekten angelockt.

Rasch räumten die Polizisten das Feld.

Ein Bildschirm im Innern des Gleiters flammte auf. Die Verbindung wurde von der Polizeizentrale aus hergestellt. Ein Uniformierter erschien.

»Großartig!« rief er enthusiastisch. »Damit haben wir endlich die Lösung! Warum ist nicht schon eher jemand auf die Idee gekommen? Hat man sie als zu simpel abgelehnt? Wer ist eigentlich dafür verantwortlich?«

»Der Teufel soll dich holen, wenn du uns mit ins Spiel bringst!« zischte Petro Galinksi David Coleman zu. »Meinetwegen kannst du die Lorbeeren für dich selber einheimsen!«

Coleman betrachtete ihn erstaunt. »Aber warum?«

»In diesen Tagen der Hatz auf alles, was wie ein Wissenschaftler riecht, wollen wir nicht unbedingt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit treten!«

Natürlich hatten die Gatereisenden ganz andere Gründe, inkognito zu bleiben. Schließlich waren sie hier nur Gäste - ungebetene obendrein. Den Ehrgeiz, in die Annalen der hiesigen Geschichte einzugehen, besaßen sie überhaupt nicht.

Aber Petros Argument kam bei David Coleman gut an. Außerdem schien ihm die Tatsache zu gefallen, bald als Held des Tages gefeiert zu werden.

Er trat vor und salutierte vor dem Offizier, der ihn vom Bildschirm her beäugte.

»Wirklich großartig!« sagte der Mann, nachdem er Colemans Kurzbericht gehört hatte. »Um ehrlich zu sein: Ich hätte selber nicht gedacht, daß der Aktion Erfolg beschieden wäre. Das Geschehene gibt Ihnen allerdings recht. Bin nur froh, daß die Diensthabenden in der Zentrale der Idee in gebührender Aufgeschlossenheit gegenübergestanden haben.« Noch mehr Floskeln wurden ausgetauscht.

Für die Gatereisenden war nur wichtig zu erfahren, daß man inzwischen die Erfolgsmeldung über die ganze Welt verbreitete. Gegenrapports bewiesen sehr rasch den Erfindungsgeist der Planetarier. Man klügelte sehr raffinierte Verfahren aus, das Heer der Insekten irrezuführen.

Der Mensch, der sich hier Prupper nannte, begann wieder zu triumphieren. Groß angelegt leitete er den Krieg gegen die Riesenmonster ein.

Am Ende würde er der lachende Dritte sein.

Bilder wurden hereingespielt. Diesmal stammten sie nicht aus der polizeiinternen Leitung, sondern aus dem normalen Nachrichtenbereich.

In einer der Großstädte hatte man sogar Arbeitsroboter als Insekten verkleidet. Erst zaghaft und dann immer stärker meldeten sich Wissenschaftler zu Wort, die etwas von der Sache verstanden. Die Verhaltensmuster von Insekten wurden haargenau nachgestellt. Die Wirkung blieb nicht aus.

Wie irrsinnig stürzten sich die Riesenmonster aufeinander. Am Menschen als allzu leichte Beute verloren sie sofort ihr Interesse, nachdem ihr Kampfinstinkt einmal ausreichend geweckt und in die gewünschte Richtung gelenkt war.

Trotzdem war die Gefahr natürlich noch nicht ganz beseitigt. Es würde Tage in Anspruch nehmen, bis man darangehen konnte, die ersten Aufräumarbeiten zu starten, damit die Welt für die Menschheit wieder bewohnbar wurde. Außerdem mußten die letzten Insekten wieder mit konventionellen Mitteln beseitigt werden.

Cora und ihre Mitstreiter hofften, daß man aus den Vorkommnissen lernte und die nächsten Insektenzüchtungen, die unvermeidbar waren, sorgfältiger vorbereitete.

Aber das würde dann nicht mehr ihre Sorge sein. Sie hatten im Moment anderes zu tun.


2


Die Nacht war längst hereingebrochen, als sie zur Polizeizentrale zurückkehrten. Dort wurden sie bereits erwartet.

Irgendwie war durchgesickert, daß sie eigentlich Gefangene waren.

John Millory stöhnte laut und ausgiebig, als man sie festnahm.

Die Paralyser setzten sie nicht ein. Es wäre ihnen auch nicht gut bekommen.

Die allgemeinen Wirrnisse nahmen die Polizisten voll in Anspruch. Deshalb kümmerte man sich nicht weiter um die drei, nachdem man sie in eine Gemeinschaftszelle gesteckt hatte.

Die ganze Nacht verbrachten sie darin. Die Paralyser hatte man ihnen abgenommen.

Gegen Morgen schliefen sie endlich ein. Die vorangegangenen Erlebnisse forderten ihren Tribut.

Es war bereits Mittag, als sie endlich gestört wurden. Die drei erwachten.

Die gepanzerte Tür verschwand in der Wand. Ein Polizist trat ein. Seine Brust hing voller Orden. Es handelte sich um einen Offizier.

Erst beim zweiten Blick erkannten die drei Gatereisenden David Coleman. Aber das war nicht mehr der alte!

Man hatte ihn zum Superhelden erhoben!

»Euch verdanke ich das!« sagte er ernst. Es war seine Begrüßung. Mit langen Volksreden hielt er sich gar nicht auf.

»Bist du gekommen, um uns das zu sagen?« fragte Petro Galinksi.

Er nickte.

»Unter anderem. Wißt ihr, meine Beförderungschancen waren hier recht niedrig - bevor ihr kamt.«

»Danke für die Blumen!« sagte Petro Galinksi. »Aber was ist der eigentliche Grund deines Hierseins?«

David Coleman machte eine einladende Geste.

»Ihr könnt gehen! Ich habe eure seltsamen Waffen bereitgelegt. Nichts hält euch auf. Die haben andere Sorgen, als sich um drei Wissenschaftler zu kümmern, die hartnäckig ihre Herkunft leugnen. Und meine inzwischen erlangten Befugnisse reichen aus, euch die Flucht zu ermöglichen.«

»Hoffentlich hat das keine bösen Konsequenzen für dich.«

Coleman winkte ab. »Oben steht ein Gleiter. Ich fliege euch hin, wohin ihr wollt!«

Die Gatereisenden zögerten. Sie schauten sich an. Und da fiel ihnen etwas ein: Die Radiotimer! Sie schauten gleichzeitig darauf. Damit konnte man aktivierte Gates orten, gewiß, aber waren sie nicht mit einem aktivierten Gate angekommen, das sie anschließend nicht mehr hatte befördern wollen?

Sie schauten sich wieder gegenseitig an - und wußten gleichzeitig, daß man mit einem solchen Radiotimer gewiß nicht nur ein aktiviertes Gate orten konnte. Und wieso waren sie nicht gleich darauf gekommen? Wieso hatten sie nicht gleich versucht, mit den Radiotimern den Stationscomp dazu zu überreden, sie wieder auf den Weg zu schicken?

Sie brauchten darüber kein Wort zu verlieren, um die Antwort zu finden - alle drei: Der Vetustacomp mit seinem Hypnoprogramm!

»Wie sind immer noch seine Sklaven, obwohl er keinen direkten Einfluß auf uns und unser Handeln hat!« ächzte John.

»Der indirekte Einfluß genügt bereits«, knirschte Cora. »Schließlich hätten wir hier umkommen können.«

»Aber jetzt können wir wieder von hier verschwinden«, murrte Petro. »Aber nur, um die nächste Scheiße zu erleben, wie ich vermute.«

David Coleman schaute von einem zum anderen. Er hatte natürlich kein Wort verstanden von dem, was sie gesagt hatten, weil sie irdisches Esperanto gesprochen hatten - ganz instinktiv.

Und dann hatten sie nichts mehr gegen seinen Vorschlag einzuwenden.

Aber später wunderte sich David Coleman sehr, als sie zum Ameisenberg fliegen wollten. »Warum ausgerechnet zu diesem einsamen Ort?«

»Wir sind an dieser Stelle auf den Trupp von Tommy Gregg gestoßen, wie du dich erinnern kannst. Es ist unsere Absicht, auf die gleiche Weise zu verschwinden, wie wir aufgetaucht sind.«

David Coleman zuckte die Achseln.

»Über das Gate? - Wie ihr wollt!« Die Frage, die ihm wahrscheinlich auf der Zunge brannte, wie sie denn eigentlich ein Gate benutzen wollten, das für die Benutzung gesperrt war, unterdrückte er, weil er sich sowieso ausrechnete, keine befriedigende Antwort zu erhalten.

Dann kam der Abschied. Er war kurz und schmerzlos. Die drei bedauerten es unwillkürlich, daß sie diesen Mann niemals mehr sehen würden.

Sie schauten dem startenden Gleiter nach, bis er ihren Blicken entschwand.

Anschließend betraten sie den Ameisenberg und folgten der Richtung zum Gate, wie ihre Radiotimer sie anzeigten. Unterwegs vergaßen sie allerdings nicht, auf ihre Umgebung zu achten. Nicht, daß sie noch von irgendeiner Riesenameise überrascht wurden, die doch noch überlebt hatte.

Und dann erreichten sie ihr Ziel.

Der spannende Moment: Cora drückte an ihrem Radiotimer einen Kontakt - ganz instinktiv. Nein! korrigierte sie in Gedanken: Nicht instinktiv, sondern folgend dem Hypnoprogramm, das mir der Vetustacomp eingepflanzt hat!

Die Luke öffnete sich. Sie traten ein.

Der Computer hier reagierte zwar immer noch nicht darauf, wenn sie ihn ansprachen, aber das war eigentlich egal: Sie betraten das Gate und gaben den Impuls zur Aktivierung des FluoreszenzFeldes.

Hier bleiben konnten sie nicht länger. Sie hatten keine andere Wahl, als dem Programm zu folgen, das der Vetustacomp in sie gepflanzt hatte: Erforschen, was aus dem Gate-Imperium seit dem großen Krieg wurde - und versuchen, zur Berichterstattung wieder zurückzukehren.

Hatten sie Glück und kamen diesmal wieder auf Vetusta heraus? Oder waren sie auch noch weiterhin im Netz der Gates gefangen? Was erwartete sie da noch alles?

Vielleicht auch mal die Antwort auf die brennendste aller Fragen: Wie war es möglich, daß sich so weit von der Erde entfernt ein Imperium entwickelt hatte von Wesen, die genauso wie Menschen waren - sogar mit Teilen der Natur auf den Planeten, die fatal an die Natur auf der Erde erinnerten?

Gerade John Millory hatte in seiner Laufbahn als Kommandant eines Raumschiffes einige Planeten gesehen. Niemand wußte besser als er, daß so etwas ganz und gar unmöglich war. Aber sie erlebten es dennoch hier in der Praxis!

Sie hielten es zur Zeit für das größte Mysterium, das sich ein Mensch überhaupt vorstellen konnte... Dagegen verblaßte sogar ihre Angst vor der nahen Zukunft: Wo würden sie sein, wenn das FluoreszenzFeld aufgezuckt war?


3


»Identifiziert!« sagte eine unpersönliche Stimme.

Die drei schauten sich an. Nein, von ihnen war das niemand gewesen.

Sie schauten hinaus, soweit das engmaschige Gitternetz des Gaarson-Gates dies erlaubte.

Sie waren nicht mehr auf der Welt der Monster, obwohl es nur ein Merkmal gab, das darauf hinwies: Der Abstand zwischen der Gitterpyramide des Gates und der Panoramagalerie rundherum war hier größer als in ihrer Ausgangsstation.

Nein, es gab noch einen zusätzlichen Hinweis: Jene unpersönliche Stimme!

»Comp?« fragte Petro probehalber.

»Sie wünschen?«

Tatsächlich: Der Comp gab Antwort!

»Und was wäre, wenn du uns nicht identifiziert hättest?«

Auf diese bange Frage antwortete der Computer dieser Station in seiner unpersönlichen Art: »Es hätte den Alarm ausgelöst, und Sie wären am Verlassen des Gates gehindert worden. Notfalls hätte ich das Gate zerstört. Mit Verlaub: So sind meine Weisungen!«

»Aha, du hättest uns also getötet!« Petro nickte vor sich hin - mit einer Gleichmütigkeit, als hätte er soeben nur erfahren, daß das Wetter doch schlechter ausfiel als erhofft.

Cora schüttelte mißbilligend den Kopf. Und dann stellte sie ihrerseits eine Frage: »Wo befinden wir uns hier?«

Die Antwort ließ keine Sekunde auf sich warten: »Auf der Erde!«

Sie hielten für einen Augenblick unwillkürlich den Atem an. Bis ihnen klar wurde, was der Comp wirklich gesagt hatte: Er hatte den in der Pruppersprache üblichen Ausdruck für Erde benutzt. Jeder Planet wurde von ihnen so genannt. Unterschieden wurden sie anscheinend überhaupt nicht. Oder hatten sie nur noch nicht herausgefunden, wie die Unterscheidung stattfand?

Cora zögerte einen Augenblick. Dann wagte sie die nächste Frage: »Und woher kommen wir?«

»Von einer anderen Erde. Laut Koordinatensystem haben Sie einen Sprung von 120 Lichtjahren getätigt. - Wollen Sie nähere Einzelheiten über die Distanz wissen?«

»Wie zuverlässig ist das Koordinatensystem eigentlich?«

»Nicht mehr hundertprozentig, und ich erlaube mir den Hinweis, daß die Gates auf dieser Erde schon seit Jahren nicht mehr benutzt werden, und auch davor war die Benutzung so selten, daß das Koordinatensystem leider nicht auf den neuesten Stand gebracht werden konnte. Sie müssen sich also mit eher ungenauen Angaben begnügen.«

Die drei tauschten einen nachdenklichen Blick aus.

ENDE