Beloved Football Player. Tiger

Roman

Alica H. White


ISBN: 978-3-95573-834-1
1. Auflage 2018, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2018 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de

Titelbild: Umschlagsgestaltung Klarant Verlag unter Verwendung eines Bildes von shutterstock.

Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch auszugsweise - nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Inhalt

Kapitel 1 Noah

 

Nachdenklich lasse ich meinen Blick über die Hochzeitsgesellschaft streifen. Es riecht nach Parfüm, Waschmittel und Langeweile. Ich komme mir vor wie in einer Soap-Opera: Ein strahlend schönes Hochzeitspaar zelebriert sein Glück. Alle Gäste sind traditionell gestylt und pflegen ihren Smalltalk. Eine Feier, wie sie konservativer nicht sein könnte. Gleich, wenn das Brautpaar in die Flitterwochen zieht, bin ich hier wieder verschwunden.

Obwohl wir auf einer privaten Karibikinsel sind, fühlt es sich ein bisschen an wie zu Hause. So viele bekannte Gesichter, die ich lange nicht gesehen habe. Ich erkenne sie alle wieder, nach vielen Namen muss ich allerdings länger in meiner Erinnerung graben. Vor allem viele Frauen aus unserer alten Clique sind verheiratet. Warum meinen eigentlich alle, dass man ab einem gewissen Alter unter der Haube sein muss?

Aber von meinem besten Freund aus Kinder- und Jugendtagen, Ethan, hätte ich das nie erwartet. Unfassbar, was aus Wild Thing geworden ist. Wenn er gewollt hätte, hätte er auch Profi-Footballer werden können, so wie ich. Er hat schon immer jede haben können und jetzt ist er auf die Unschuld persönlich hereingefallen. Zugegeben, sie ist sehr hübsch und hat große Titten. Nicht nur dadurch hat sie eine wahnsinnig sinnliche Ausstrahlung. Ein bisschen erinnert sie mich an Marylin Monroe.

Ich muss grinsen, hat Ethan der unschuldigen Marylin doch gleich einen Braten in die Röhre geschoben. Ja, Ethan war schon immer ganz schön wild. So ein Babybauch ist schon ein Argument fürs Heiraten. Allerdings eins, das ich nicht haben muss.

 

»Was grinst du, Dude? Hast du Spaß, mein Best Man?«, fragt Ethan und schlägt mir auf die Schulter.

»Soll das ein Witz sein? Eigentlich müsste ich weinen, wenn ich sehe, was aus Wild Thing geworden ist«, antworte ich.

»Wart mal ab, eines Tages triffst auch du die Eine, die den Tiger zähmt.«

Ich weiß, er spielt damit auf meinem Spitznamen aus der High-School-Zeit an: Tiger. Damals brauchte ich Football und Boxen, um meine Wut in den Griff zu bekommen.

»Das wäre nicht nur mein geschäftlicher Ruin. Du weißt ja, all die Werbeverträge bekomme ich nur, weil ich von Beruf Bad Boy bin. Wer sich von unten hochgekämpft hat, liebt den Ruhm und das Geld. Außerdem wäre der Respekt meiner Gegner dahin«, erwidere ich augenzwinkernd.

»Eigentlich müsstest du doch nur den Nebenjob als Playboy aufgeben.«

»Und auf die Rasierwasserwerbung und den anderen Kram verzichten? Nope! Zudem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, was an Langeweile reizvoll ist. Es gibt nur wenige Frauen, mit denen ich ein zweites Mal vögeln wollte.«

»Mit der richtigen Frau wird es niemals langweilig, das fühlt sich einfach nur gut an.«

»Vergiss es! Du überredest mich nicht, in den Club der Spießer einzutreten. Mir ist meine Freiheit heilig.« Abwehrend hebe ich die Hände. »Was auch immer alle anderen tun, ich werde es nicht mitmachen.«

»Auch du wirst älter und willst mal irgendwie zur Ruhe kommen – ankommen«, prophezeit mir Ethan.

»Dieser Job ist ganz schön hart, Dude. In dem Moment, wo ich zur Ruhe gekommen bin, kann ich ihn schmeißen und das weißt du. Nein, die ultimative Entspannung dafür ist Sex – ohne Verpflichtungen. Dieses ganze Beziehungsdrama kann ich dabei nicht gebrauchen.«

»Na dann … du wirst schon noch sehen.«

»Werd ich, Mann. Ach«, sage ich und sehe auf die Uhr, »Zeit für meine Rede.«

Ethan sieht mich irritiert an. Womöglich hat er vor meiner Rede Angst. Ich zwinkere ihm noch einmal zu, bevor ich mich erhebe.

»Liebe Gäste, liebes Brautpaar … mein alter Freund Ethan«, beginne ich grinsend, bevor ich Ethan zunicke. »Als wir damals zusammen auf der High School im selben Football-Team spielten, warst du ein wahres Wild Thing und machtest deinem Spitznamen alle Ehre. Du wusstest schon immer, was du wolltest und wie du es bekommst. Nicht nur beruflich, sondern auch, was den Erfolg bei Frauen angeht. Dafür habe ich dich oft beneidet. Im Studium lief es so nahtlos weiter. Du hast aber auch gar nichts anbrennen lassen. Es wusste jeder, dass deine Liebe fesselnd ist.«

An dieser Stelle gibt es ein paar Lacher, denn jeder hat die Anspielung auf die BDSM-Gerüchte verstanden. Prima, denn die Rede des Trauzeugen soll ja witzig sein. Als das Gelächter wieder abklingt, fahre ich fort: »Ich hätte nie gedacht, dass dich einmal jemand zähmen kann. Du hast mir zu verstehen gegeben, dass du dich von einer ganz besonderen Frau hast fesseln lassen.«

An dieser Stelle wieder ein paar Lacher. Das läuft doch gut! »Sie hat dich gezähmt, mit den Fesseln der Liebe. Jeder kann sehen, wie glücklich ihr miteinander seid. Du bist offensichtlich angekommen. Aber für die Zukunft wünsche ich dir, dass du noch ein wenig von deinem inneren Wild Thing bewahren kannst.«

Ethan lächelt erleichtert. Was hat er nur von mir erwartet? Ich bin vielleicht ein Bad Boy, aber kein Kameradenschwein. Fehlt nur noch der Toast. Ich lächle meinen alten Freund an, dann proste ich der Menge zu.

Nach dieser Rede brauche ich einen extra großen Schluck vom Champagner. In einem Zug verschwindet der Glasinhalt in meinem Mund. Kalt rinnt das laue Zeug die Kehle hinunter. Dieses prickelnde Gesöff taugt doch nur, um die Ladys gefügiger zu machen. Zum Essen werde ich mir erstmal ein Bier bestellen.

Schon längst habe ich meine Suchscheinwerfer ausgefahren und die Menge nach etwas Fickbarem abgescannt. Ich stehe nicht auf langweilige Upper-Class-Muschis, ich will die heißen, feuchten, engen. Ich habe nur eine Nacht mit der Braut, in der will ich keine Kompromisse eingehen.

»Sag mal, was ist mit der kleinen Trauzeugin von deiner Ella? Sie ist der einzige Lichtblick hier«, frage ich Ethan.

Diese Frau ist klein und zierlich – wie vermutlich ihre Muschi auch. Mit ihrer wilden Mähne hat sie einen Hauch Verrücktheit in ihrem Style.

Mir juckt es im Unterleib. Das Mädel verspricht extra Spaß!

Sie scheint gar nicht richtig zur braven Ella zu passen.

»Liz? Vergiss es, Mann! Diese Frau ist für dich verbotenes Terrain. Sie ist seit Kindertagen die beste Freundin von Ella. Der wirst du nicht das Herz brechen wie meinen Schwestern. Ich will keinen Stress mit meiner Frau«, unterbricht Ethan meine Gedanken.

»Moment mal! Vielleicht habe ich Melissas Herz gebrochen, ja. Aber Vivienne hat sie gerächt und dafür meins gebrochen. Vergiss das nicht!«

»Mir kommen die Tränen, Dude! Noch einmal: Lass die Finger von der Frau!«, warnt Ethan eindringlich.

»Hey, du weißt, dass ich niemals falsche Versprechungen mache. Jede Frau, die sich auf mich einlässt, weiß, was sie erwarten kann.«

»Dir ist schon klar, dass die meisten Frauen sich nur darauf einlassen, weil sie glauben, sie könnten dich dennoch irgendwie einfangen?«

»Klar Mann, aber das ist doch deren Problem. Ich tauge nicht als Statussymbol.«

»Ich hoffe, du hast mich verstanden!«, warnt Ethan noch einmal streng. »Komm, lass uns etwas essen.«

Wir beenden dieses Gespräch mit einem lauen High Five. Ich seufze. Das hier verspricht eine ziemlich öde Veranstaltung zu werden.

 

Wir gehen zum Buffet und wie es der Zufall so will, sitze ich beim Essen neben Liz. Es gibt offensichtlich doch noch so was wie einen Gott.

»Könnte ich bitte auch ein Bier bekommen?«, fragt Liz, als die Bedienung vorbeikommt.

»Holla! Was ist das denn?«, frage ich.

»Wieso, darf man als Frau kein Bier trinken?«, antwortet sie und legt ihren Kopf schief.

Mein Gott, ist die süß!

Ich habe das Gefühl, dass sie genau weiß, was ich denke. Ihre riesigen schräg gestellten Augen sehen mich prüfend an. Das Grün in ihnen funkelt wie bei einer Wildkatze.

Wow!

In meinem Unterleib fängt es an zu kribbeln. Ich muss erstmal tief durchatmen.

»Na ja, es ist schon ungewöhnlich für eine New Yorkerin.«

»Für eine New Yorkerin vielleicht, aber nicht für mich. Ich komme aus Montana.« Wie zur Bekräftigung nimmt sie einen ordentlichen Schluck und sieht mich danach spitzbübisch an. Mein Blick bleibt wie hypnotisiert an ihr kleben. Ein taffes Chick, die ist bestimmt auch nicht zimperlich im Bett.

»Was ist? Erwartest du jetzt einen Rülpser von mir?«, fragt sie.

Ich muss lachen. »Schon möglich«, gebe ich zu.

»Ich bin mit vier Brüdern aufgewachsen. Alles so Kaliber wie du. Also, ich bin abgehärtet. Was aber nicht heißt, dass ich unkultiviert bin. Klar?!«

»Keine Frage!«, antworte ich und hebe die Hände. »Vier Brüder, hm? … In Montana?«

»Jep … und das ist nicht leicht. Aber erwarte deswegen bitte nicht, dass ich ein Landei bin. Ich lebe schon seit drei Jahren in New York.«

»Wow! Klingt, als wärst du ein ziemlich ausgebufftes Luder«, bemerke ich augenzwinkernd.

»An deiner Stelle würde ich damit rechnen.«

Puh! Die Lady hat eine scharfe Zunge.

»Du bist eine Jugendfreundin von Ella? Wenn du so gewieft bist, warum ist sie so … unschuldig?«

»Wie kommst du darauf, dass sie unschuldig ist?«

»Na, sagen wir, sie wirkt so mädchenhaft züchtig … ähm, vielleicht passt anständig besser. Dabei sieht sie aus wie die pure Sünde. Eine teuflische Mischung.«

»Züchtig? Das ist ein Wort aus dem letzten Jahrhundert. Soll das ein Synonym für langweilig sein? Wie kommst du darauf?«

»Dafür habe ich einen speziellen Radar.« Ich schüttle den Kopf. »Nein, langweilig trifft es nicht, denn dann hätte Ethan sie niemals geheiratet.«

»Ella ist vor allem klug. In Montana hat sie am Beispiel meiner Brüder gesehen, wohin das führt, wenn man sich von den Männern einwickeln lässt.«

»Oha, was passiert denn dann?«

»Dann hat man ruckzuck einen Braten in der Röhre.«

»Wow! Aber soweit ich das beurteilen kann, hat sie einen Braten in der Röhre«, erwidere ich mit Gänsefüßchenfingern. »Wer hat denn jetzt wen eingewickelt?«

»Tja, das ist die Frage. Wenn ich das richtig beurteile, ist das in diesem Fall komplizierter«, erklärt sie.

»Weil?«

»Weil es Liebe ist.«

»Heiliges Kanonenrohr. Gehörst du etwa auch zu den Exoten, die an die Liebe glauben?«

»Für andere vielleicht, nicht für mich.«

Das hört sich doch gut an! »Wieso nicht für dich?«

»Weil ich die Kerle kenne. Erst wird man geschwängert, dann muss man zuhause bleiben und den kleinen Hosenscheißer versorgen. Derweil geht der Mann hinaus ins Leben und erlebt weiter seine Abenteuer. Und wenn er vom Jagen nach Hause kommt, soll die Frau die vorgewärmten Pantoffeln bereit haben. Die perfekte Hausfrau, bitteschön. Denn dann möchte er wie ein Kind verwöhnt werden. Es sei denn, er schiebt ihr einen weiteren Braten in die Röhre. Dafür sollte sie sich in eine Hure verwandeln. Ach ja, nach einer gewissen Zeit sollte sie auch noch wieder arbeiten … versteht sich von selbst heutzutage. Man ist ja eine moderne Frau. Und wehe, sie fügt sich nicht in ihr Schicksal, dann zerreißen sich alle das Maul.« Liz schüttelt mit dem Kopf. »Nein danke!«, bekräftigt sie energisch.

»Okay … klingt ziemlich smart. Du lässt dir kein X für ein U vormachen.«

»Wenn du so willst … vielleicht willst du mir aber auch nur schmeicheln.«

»Ich und schmeicheln? Ich schmeichle nie.«

»Hatte ich erwähnt, dass meine Brüder footballverrückt sind?«

»Nein, noch nicht.«

»Die haben mich immer mitgenommen. Natürlich weiß ich, wer du bist.«

»Ich glaube, du willst, dass ich Angst vor dir bekomme.«

»Schon klar. Ich denke, das gehört auch zu deiner Strategie.«

»Was für eine Strategie?«, frage ich und versuche möglichst unschuldig zu wirken. Diese Frau interessiert mich. Sie ist so taff, so anders als alle, die ich kenne. Die kann definitiv auf sich selbst aufpassen. Ich weiß nicht, warum ich von Ethan so gewarnt worden bin. Mein Blick wandert zu ihrem Ausschnitt. Zwei kleine feste Paradiesäpfel. Auch sonst hat sie eine Hammer-Figur. Ich wette, ich kann meine beiden Daumen und Zeigefinger um ihre Hüfte spannen und sie werden sich berühren.

»Dein Blick verrät dich. Pass auf, dass dir nicht die Augen rausfallen.«

»Verzeihung, aber ich bin nur ein Mann. So eine wunderschöne Frau wie du …«

»Vergiss es!«

»Was soll ich vergessen?«

»Dein Vorhaben.«

»So, was habe ich denn vor?«

»Du möchtest wissen, wie sich mein straffer, wohlgeformter Körper anfühlt. Ich kann’s dir verraten: Sensationell! Ich bin heiß, hemmungs- und tabulos. Und nicht nur das, ich war auch noch Cheerleaderin. Das heißt, mein Körper ist geschmeidig und biegsam. Das, was du willst, ist mit mir höllisch aufregend – eine wahre Verheißung.« Ihr Finger streichelt mein Kinn entlang. »Schade, dass du das nie erleben wirst«, flüstert sie.

Junge, Junge! Das Spiel ist eröffnet!