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Das Gesetz der alten Männer

Klappentext:

Roman:

CIRCLE C-RANCH

 

Band 28

 

Das Gesetz der alten Männer

 

Ein Western von Heinz Squarra

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/ Schottland, 2018

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Cliff Copper und sein Bruder Jimmy treiben eine Rinderherde nach Silvertown, um sie dort zu verkaufen. In der Stadt bekommen die beiden Ärger mit einigen Cowboys der Wagenrad-Ranch, aber bevor es zu einer Schießerei kommt, kann der Streit zum Glück geschlichtet werden, und die Cowboys verlassen die Stadt wieder. Sie ahnen zu dieser Stunde noch nicht, dass nur Stunden später ein Händler von einem Unbekannten getötet wird, und dass die Stadtbewohner die Cowboys für die Schuldigen halten. Ein Suchtrupp reitet los und verfolgt die Männer. Cliff und Jimmy schließen sich ihnen an, um Schlimmeres zu verhindern. Dies ist aber erst der Beginn einer Kette von verhängnisvollen Ereignissen, an deren Ende Menschen sterben. Für etwas, das sie gar nicht getan haben!

 

 

 

 

 

Roman:

Jimmy Copper ließ die Bullpeitsche sinken, als er die vier Reiter über die flache Hügelkuppe kommen sah. Auch sein Bruder Cliff ließ von den zehn Rindern ab, die sie am Hügel vorbeitrieben. Die Tiere liefen langsam weiter.

Jimmy schob sich den Hut zurück, so dass sein hellblonder Haaransatz sichtbar wurde. Aus zusammengekniffenen Augen blickte er noch immer zu den auf der Hügelkuppe verharrenden vier Reitern hinauf.

Cliff näherte sich seinem Bruder, rollte seine Peitsche auf und hängte sie ans Sattelhorn.

„Mindestens zwei kenne ich“, sagte Jimmy und spuckte ins verbrannte Gras.

„Ich kenne sie alle“, erwiderte Cliff und rieb mit dem Handrücken über sein verstaubtes, schmales Gesicht. „Sie reiten für Morrison.“

„Genau.“

Cliff blickte hinter den zehn Rindern her, mit denen sie unterwegs waren. Die Longhorns blieben eins nach dem anderen im Schatten der Ocotillos am Fuß des Hügels stehen.

Plötzlich stieß einer der Reiter einen schrillen Ruf aus und trieb sein Pferd an. Das Tier schnaubte erschrocken. Die Männer lachten wild und sprengten den Hügel herunter.

Jimmy wollte das Gewehr aus dem Sattelfutteral ziehen, aber Cliff legte ihm die Hand auf den Unterarm.

„Das hat keinen Sinn. Warten wir ab, was sie hier wollen. Wir sind weit von der Wagenrad-Ranch entfernt, Jimmy!“

Jimmy ließ den Kolbenhals des Gewehrs los und fluchte unterdrückt.

Die vier Reiter hatten den Fuß der Halde erreicht und zügelten die Pferde vor den beiden Coppers. Dichte braune Staubwolken stiegen auf.

Cliff blickte von einem zum anderen und zuletzt auf Ranse Frey, der mit seinen dreißig Jahren der älteste der vier Männer war. Er war ein großer, breitschultriger Mann mit schwarzem Haar und finsterem Aussehen, und er wirkte gefährlich, obwohl er aufgekratzt lachte.

Die drei anderen grinsten die beiden Coppers an. Shad Miles, mit zweiundzwanzig der jüngste der Männer, ein braunhaariger, hagerer Reiter mit schiefstehender Nase, sagte: „Was macht ihr denn hier?“

„Wir treiben ein paar Rinder nach Silvertown“, erwiderte Cliff.

„Silvertown?“ Shad Miles blickte den Mann neben sich an.

„Wieso denn das?“, fragte der. „Silvertown besteht aus ein paar Hütten und vielleicht zehn Einwohnern. Was wollt ihr denn dort mit den Rindern, Copper?“

„Geht euch das was an?“, fragte Jimmy gedehnt. Er blickte auf Ward Tamplin, einen Mann mit brandrotem Haar und dem Gesicht voller Sommersprossen.

„Es interessiert uns“, meinte der vierte der Männer, von dem Cliff wusste, dass er Malvin Green hieß und Texaner war. Er hatte blondes Haar, bernsteinfarbene Augen und konnte sich wild wie ein junger Stier gebärden, und er trug als einziger der vier Männer zwei Revolver.

„Es geht euch einen Dreck an!“ Jimmy legte die Hand auf den Kolben seines Revolvers. „Reiten wir weiter, Cliff?“

„Nur nicht so unfreundlich“, knurrte Ranse Frey. „Man wird doch noch fragen dürfen, wenn man alte Bekannte trifft. Wir würden euch helfen.“

„Morrisons Leute haben uns noch nie geholfen“, gab Cliff zurück.

Die vier Reiter grinsten wieder. Shad Miles sagte: „Das mit Morrison ist vorbei, Copper. Habt ihr noch nicht gehört, dass er seit einiger Zeit einen Ranchboss eingestellt hat?“

„Doch.“

„Ein Kerl, der gar nicht zu Morrison passt. Ein richtiger Rindermann, würdet ihr sagen. Er hat die Mannschaft ausgesiebt. Und Morrison hat noch nicht mal was dazu gesagt.“

„Na sowas“, sagte Jimmy und grinste nun ebenfalls. „Hat er euch etwa entlassen?“

„Wie schlau der Kleine ist.“ Ward Tramplin lachte blechern..

„Also, wie ist es?“, brummte Frey. „Wir helfen euch. Du gibst jedem von uns drei Dollar, dann treiben wir die Longhorns bis Silvertown!“

Cliff schüttelte den Kopf. „Wir schaffen das allein, Frey. Tut mir leid, wenn der Ranchboss euch entlassen hat, aber das ist nicht unsere Sache. Bis Silvertown sind es nur noch ein paar Meilen, die schaffen wir schon. Und zehn Rinder machen zwei Männern wirklich nicht zuviel Arbeit.“

Der Texaner spuckte aus. „Wir könnten aber dringend noch ein paar Dollar gebrauchen. Wir haben nämlich keine Ahnung, wo wir jetzt einen Job bekommen sollen.“

„Warum habt ihr das Morrison oder seinem Ranchboss nicht gesagt?“, wollte Cliff wissen.

„Ihr findet das wohl ziemlich lustig, he?“, sagte Shad Miles gedehnt.

Der Texaner griff mit der linken Hand zum Revolver. Da hatte Jimmy seine Waffe schon gezogen, richtete sie auf den Texaner und spannte den Hammer.

Malvin Green blickte unentschlossen von Jimmy auf Cliff, während seine Finger noch immer den Kolben des einen Colts umspannten.

„Malvin, hör auf!“, schimpfte Frey. „Wenn sie nicht wollen, dass ihnen geholfen wird, können wir nichts machen.“

Der junge Texaner ließ den Kolben langsam los.

„Wir reiten auch nach Silvertown“, fuhr Ranse Frey fort. „Da wir sowieso den gleichen Weg haben, dachten wir...“

„Wir werden mit den zehn Rindern allein fertig!“, unterbrach Cliff den Mann heftig.

„Und wir tun uns nicht mit Leuten zusammen, die immer gegen uns waren!“, setzte Jimmy schroff hinzu. „Ihr hättet uns das Haus angebrannt, wenn Morrison es befohlen hätte!“

Ranse Frey grinste schon wieder. „Ein armer Cowboy muss tun, was sein Boss verlangt. Kommt, Freunde!“ Er zog sein Pferd herum und ritt wieder zur Hügelkuppe hinauf.

Miles und Tamplin folgten ihm. Der junge Texaner blickte von Cliff auf Jimmy und dann auf den Revolver, der noch auf ihn gerichtet war.

„Vielleicht reden wir in Silvertown noch mal darüber“, sagte er. „Wir treffen uns ja dort, Jimmy.“ Er zog sein Pferd heftig herum, stieß einen schrillen Ruf aus und sprengte hinter den anderen her.

Jimmy schob den Colt in die Halfter und starrte in die Staubwolke hinein, die die Reiter mehr und mehr verhüllte. Dann verschwanden die vier Cowboys hinter der Hügelkuppe. Jimmy lachte plötzlich und schlug sich auf den Oberschenkel.

„Ranchboss O’Brien entlässt die wilden Reiter! Was sagst du dazu?“

„O’Brien ist ein vernünftiger Mann, Jimmy. Was soll man noch dazu sagen.“ Cliff nahm die Peitsche vom Sattelhorn und rollte sie mit einer schlenkernden Bewegung auf. „Komm!“

 

*

 

Die Stadt lag in einer Bodenfalte zwischen den Hügeln, dreißig Meilen von Tucson, sechzig von Fort Mason, vierzig von Benson und fünfundzwanzig von der Circle C-Ranch entfernt. Sie bestand aus insgesamt elf Gebäuden, zu denen der Store, der Saloon, der Stall, ein Schuppen und ein Lagerhaus gehörten.

Jimmy und Cliff Copper trieben ihre zehn Rinder über den Hügel im Nordwesten in das Tal hinunter. Sie sahen Männer im grellen Sonnenlicht auftauchen und wieder verschwinden. Dann hatten sie das Tal erreicht und trieben ihre zehn Rinder in die einzige Straße des winzigen Nestes hinein. Ganz im Gegensatz zu anderen Städten im Süden Arizonas gab es hier in Silvertown keine Hütten aus Lehmziegeln, sondern sie bestanden alle aus Brettern, sahen windschief, steinalt und angenagt aus.

Das erste Gebäude war der Stall, der quer zur Straße stand und einen umzäunten Sandhof hatte. Kane Brewster, der Stallmann, stand am Zaun und blickte den beiden Coppers und ihren Rindern verkniffen entgegen. Brewster war ein bulliger Mann, älter als fünfzig Jahre, wie alle Bewohner des Nestes, abgerissen, stoppelbärtig und schmutzig, und aus seinem linken Hosenbein ragte ein nackter Holzstumpf.

Jimmy hielt sein Pferd am Zaun an und fragte: „Sind vier Männer in die Stadt gekommen?“

Brewster nickte nur.

Jimmy ritt weiter.

Cliff hielt die Rinder vom Haus des Sattlers gegenüber dem Stall ab. Das Knallen seiner Peitsche schallte laut durch die kleine Stadt.

Sie kamen am Saloon vorbei, der alle anderen Gebäude um ein Geschoss überragte, große Fenster hatte und vor einigen Jahren mit Farbe angestrichen worden war, die allerdings zum größeren Teil bereits wieder abgeblättert war.

Die Schwingflügel schoben sich auseinander, und der junge Texaner Malvin Green tauchte auf. Green hatte eine selbstgerollte Zigarette im Mundwinkel hängen und grinste spöttisch.

Cliff und Jimmy trieben die Rinder vorbei in den Spalt zwischen dem Lagerhaus und dem Store. Hinter dem Store befand sich ein kleiner Korral mit sandigem Boden, ein paar leeren Futterkrippen und einem Tränktrog, zu dem aus dem Haus eine Holzrinne führte.

Earl Longmire, ein kleiner Mann mit ewig glänzendem Gesicht, faltiger Stirn, Schweinsaugen und dem Ausdruck ewiger Unzufriedenheit, kam hinten aus dem Haus und blickte auf die Rinder, die Cliff und Jimmy in den kleinen Korral trieben. Longmire hatte ein glattrasiertes Gesicht und trug einen maßgeschneiderten Anzug von brauner Farbe, darunter eine gelbe Weste und ein weißes Hemd, das eine Samtschleife zierte.

Jimmy stieg ab, ging zurück und hing die Fenz ein. Cliff bahnte sich einen Weg durch die Tiere, stieg vor dem Storebesitzer ab und sagte: „Da sind die zehn Rinder.“

„Mageres Vieh“, knurrte Longmire unzufrieden und verzog das Gesicht noch mehr.

Jimmy kam mit seinem Pferd näher. „Sie müssen Wasser in den Trog füllen. Unterwegs waren alle Löcher trocken.“

„Mageres Vieh“, schimpfte Longmire wieder. „Was hatte ich mit eurem Vater vereinbart?“

„Acht Dollar“, sagte Cliff.

„Ist es nicht wert.“ Longmire zog ein riesiges Taschentuch unter der Jacke hervor und wischte über sein Gesicht.

„Für achtzig Dollar haben wir die Rinder bis hierher getrieben!“, schimpfte Jimmy. „Das hat sich nicht gelohnt, und wir konnten es nur, weil gerade wenig Arbeit auf der Ranch ist, Mister!“

„Es ist keine achtzig Dollar wert“, knurrte Longmire. „Sechzig vielleicht - höchstens!“

„Wenn Sie den vereinbarten Preis nicht bezahlen, nehmen wir die Rinder wieder mit." Cliff zog seinen Tabakbeutel aus der Tasche und rollte sich eine Zigarette. „Sie müssen schnell überlegen.“

„Ich setze zu!“

„Ausgeschlossen.“ Cliff schob sich die Zigarette in den Mundwinkel und suchte in seinen Taschen nach einem Schwefelholz. „Sie verkaufen ein Rind nach dem anderen an den Salooner, oder sie schlachten die Tiere nach und nach selbst. Für Sie ist ein Rind mindestens fünfzig Dollar wert.“

„Wenn das reicht“, zischte Jimmy.

Cliff hatte ein Schwefelholz gefunden und rieb es an der Trommel seines Colts an. „Also?“ Er blickte Longmire über die kleine Flamme hinweg an.

„Na gut, weil ihr es seid.“ Longmire wandte sich ab und ging ins Haus.

Cliff brannte seine Zigarette an, hörte ein scharfes Lachen und fuhr herum.

Jimmy legte die Hand hitzig auf den Revolver. Er und sein Bruder sahen den jungen Texaner am Zaun.

Malvin Green schob sich den Hut in den Nacken. „Zehn Rinder für achtzig Dollar fünfundzwanzig Meilen weit getrieben! Das ist doch nicht zu fassen!“

„Kümmere dich um deinen Dreck, hörst du!“, schrie Jimmy zornig. '

Green sprang mit einem Satz über den Zaun und kam näher. Dann blieb er plötzlich stehen, ungefähr acht Schritte von Jimmy entfernt. „Was willst du, Copper?“ Er grinste scharf. „Streit? Den kannst du haben!“

Cliff sah, wie sich die Hand seines Bruders zur Seite bewegte. Da griff er zu und zog ihn herum. „Wir sind nicht hier, um uns mit einem halbwilden Mann zu streiten, der seinen Job verloren hat und die ganze Welt dafür hasst, Jimmy! Lass ihn!“

Jimmy fluchte, machte sich heftig frei und starrte den jungen Texaner wieder an.

„Na los, Copper!“, drängte Green. Seine dürr wirkende Gestalt krümmte sich etwas zusammen, und seine beiden Hände hingen wie geöffnete Klauen über den blanken Kolben seiner Colts.

Jimmy machte einen Schritt rückwärts.

„Daraus wird nichts, Green!“ Cliff ging langsam auf den Texaner zu.

Green fuhr plötzlich herum und griff nach dem rechten seiner beiden Colts. Aber Cliff sprang ihn mit einem Satz an, schlug seine halb erhobene Hand nach unten und schmetterte ihm die Linke mit solcher Wucht ins Gesicht, dass der ehemalige Cowboy gegen die Fenz geschleudert wurde und zu Boden stürzte.

Cliff wandte sich ab, als der Texaner sich heftig auf die Seite rollte und die Waffe zog.

Da hatte Jimmy den Colt gezogen und schoss. Dem Texaner wurde der Revolver aus der Hand geschleudert. Jimmy spannte den Hammer wieder.

„Steh auf und verschwinde, Green!“

Der junge Texaner kniete sich und blickte auf seine unverletzte Hand. Sein überhebliches Grinsen war verschwunden. Er stand ganz auf, blickte zu Cliff weiter, schwang sich dann über den Zaun und hob draußen seinen Revolver auf.

Frey und Miles kamen um die Ecke des Stores gehastet und blieben stehen. Jimmy richtete den Colt auf sie. Green betrachtete seinen Revolver und versuchte, die Trommel zu drehen, aber es ging nicht.

„Er scheint ohne Streit nicht leben zu können“, sagte Cliff. „Und er kann von Glück reden, dass er noch lebt.“ Malvin Green stopfte den Colt in die Halfter und wischte sich mit dem schmutzigen Ärmel seines Flanellhemds über das Gesicht.

„Was soll der Quatsch, Malvin?“, knurrte Frey. „Heute bezahlt dich niemand mehr dafür, wenn du mit ihnen Händel suchst. Du musst dich endlich an die veränderten Verhältnisse gewöhnen, verdammt!“

Green fluchte und blickte wieder auf seine Hand.

„Wir wollen keinen Streit, Copper.“ Frey fluchte. „Er kann sich nicht daran gewöhnen, dass alles anders ist.“

„Jimmy hätte ihn auch erschießen können. Es wäre Notwehr gewesen.“ Frey und Miles zerrten den jungen Texaner mit sich und verschwanden.

Cliff wandte sich um. Der Storebesitzer stand an der Hintertür seines Hauses und hatte ein paar Geldscheine in der Hand. Cliff ging auf ihn zu und streckte die Hand aus. Longmire gab ihm das Geld.

„Viel zu teuer, Copper. Von dem mageren Vieh kann die Stadt nicht lange leben!“

Cliff zählte das Geld nach, schob es in die Hosentasche und ging zu seinem Pferd. Er führte es zur Fenz, hing sie aus und ging hinaus. Jimmy folgte ihm und hing die Fenz wieder ein.

Longmire verschwand im Haus.

Cliff und sein Bruder blieben mit den Pferden nebeneinander in der Lücke zwischen Store und Lagerhaus an der Straße stehen und blickten auf den hochrädrigen Wagen, der gegenüber im Schatten einer verlassenen, stabilen Hütte stand. Auf den Wagen war ein großes Holzfass montiert, das dunkel und ölig aussah.

„Petroleum“, sagte Jimmy. „Hier ist ein Händler, der etwas verkaufen will. Ich frage mich, wieso die Stadt leben kann, Cliff.“

„Sie haben sicher mal ganz gut gelebt. Damals, als viele Männer nach Mexiko gingen. Hier war ihre letzte Station in Amerika. Nur die alten Männer sind noch hier.“ Cliff zog sein Pferd über die Straße. „Reiten wir gleich zurück?“

„Heute schaffen wir es nicht, und ich denke, wir haben uns eine Pause und ein paar Whisky verdient. Morgen, Cliff.“

Cliff nickte und zog sein Pferd am Saloon vorbei und dem Stall entgegen.

 

*

 

Als sie wieder aus dem Stall kamen, sahen sie zwei Indianer aus dem Store kommen. Es waren zwei mittelgroße, magere Gestalten in zerlumpten Kleidern, denen strähniges, schwarzes Haar unter den hohen Topfhüten hervorhing. Die beiden kamen die Straße herunter.

Cliff und Jimmy waren am Zaun stehengeblieben und blickten auf die beiden struppigen Pferde, die am Lagerhaus standen und nur bunte, zerfletterte Satteldecken trugen.

Der Stallmann näherte sich und blieb neben Jimmy stehen.

„Was machen denn Indianer hier?“, fragte Jimmy.

„Sie werden etwas gekauft haben“, knurrte der Mann. „Habt ihr was dagegen? Sie kaufen öfter etwas. Wir müssen schließlich auch leben!“

Als die beiden Indianer die Pferde erreicht hatten, begannen sie heftig miteinander zu schnattern. Cliff glaubte an den Gesten zu erkennen, dass der eine dem anderen Vorwürfe machte.

„Was haben sie denn?“, fragte Jimmy.