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Nazi-Virus im Film (TELEPOLIS)


Nazi-Virus im Film (TELEPOLIS)



von: Hans Schmid

9,99 €

Verlag: Heise Zeitschriften Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 13.08.2012
ISBN/EAN: 9783936931815
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 1000

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als man die Augen vor den Verbrechen des Dritten Reichs nicht mehr verschlieen konnte, fluchteten sich die Deutschen in eine Entlastungs-Fiktion. Man einigte sich auf folgendes Szenario: Die groe Mehrheit der Bevolkerung war von einer kleinen Nazi-Clique belogen, betrogen und verfuhrt worden. Hitler, Goebbels und ihre Spiegesellen hatten das deutsche Volk mit ihrem braunen Gedankengut infiziert wie mit einer ansteckenden Krankheit. Einer der Orte, an denen Dr. Goebbels die Krankheit in deutsche Hirne ubertrug, war das Kino. Die uberwiegende Mehrheit der insgesamt 1094 im Dritten Reich uraufgefuhrten deutschen Spielfilme war harmlose Unterhaltung und ganz unpolitisch. Es gab aber auch einige Propagandafilme, nach neuesten Schatzungen etwa 40 Stuck, in denen bis heute gefahrliche Faschismus-Viren schlummern, die harmlose Leute befallen, wenn diese Filme nicht isoliert und in Quarantane gehalten werden. Falls das mit den Viren nicht stimmen sollte, werden die Filme doch so behandelt. Die Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung wurde ins Leben gerufen, um das deutsche Filmerbe (und damit einen nicht unerheblichen Teil unseres kollektiven Gedchtnisses) fr uns zu verwalten und es zugnglich zu machen. Die Stiftung hat beschlossen, ca. 40 Spielfilme, die vor langer Zeit als NS-Propaganda eingestuft wurden und an denen sie die Verwertungsrechte hlt, unter &quote;Vorbehalt&quote; zu stellen. Die &quote;Vorbehaltsfilme&quote; werden nur in geschlossenen Veranstaltungen und im Beisein eines Referenten gezeigt. Dieser Einsatz des Urheberrechts ist nicht unumstritten, weil er faktisch einem Verbot gleichkommt (was nicht im Zustndigkeitsbereich der Stiftung liegt). Nachgefragt wird fast nur Jud S das antisemitische Melodram von Veit Harlan, das zum Synonym fr die NS-Propaganda im Kino geworden ist und es so zu trauriger Berhmtheit gebracht hat. Die anderen Filme auf der Liste sind weitgehend aus dem ffentlichen Bewusstsein verschwunden, und auch in der Fachliteratur sind sie mit wenigen Ausnahmen kaum prsent, obwohl wir eigentlich ein Interesse daran haben mssten, so viel wie mglich ber sie zu wissen, weil sich die Geschichte nur dann nicht wiederholen kann, wenn man sie kennt. Wie kam es also zu der Liste mit den &quote;Vorbehaltsfilmen&quote;? Ist eine solche Liste noch zeitgem Ist im Umgang mit dem NS-Filmerbe eine nachvollziehbare Strategie der zustndigen Institutionen erkennbar? Haben wir es mit der Bchse der Pandora zu tun, in der eine noch immer wirkmchtige NS-Propaganda verwahrt wird, oder ist die Liste doch nur das Relikt aus einer ra, in der man eine notwendige, aber auch unangenehme Diskussion durch ein Verbot ersetzte? In welcher Beziehung stehen die &quote;Vorbehaltsfilme&quote; zu denen, die nach 1945 als &quote;unpolitische Unterhaltung&quote; eingestuft wurden? Wie tauchen die ideologischen Botschaften des Dritten Reichs im deutschen Nachkriegskino wieder auf? Und nicht zuletzt: Was sind das berhaupt fr Filme, die bis heute auf dieser Liste stehen? Die Artikelreihe will versuchen, Antworten auf diese Fragen zu geben.

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